Die diesjährige Waldbegehung der Bürgergemeinde Grenchen stand ganz im Zeichen des Klimawandels. Passend zum Thema lockten die überdurchschnittlich warmen Temperaturen die Besucherinnen und Besucher scharenweise in den Bürgerwald. «Extreme Wetterbedingungen treten immer häufiger und stärker in Erscheinung», sagt Revierförster Patrik Mosimann.

Das Jahr 2018 startete im Januar mit den drei kurz aufeinanderfolgenden Stürmen Burglind, Evi und Friederike. Dies verursachte viel Windfallholz, was wiederum zu nachhaltigen Auswirkungen auf dem Holzmarkt führte. «Auch der Supersommer ist sicher für vieles gut gewesen», so der Revierförster weiter, «aber für den Wald leider überhaupt nicht».

Die nicht enden wollenden warmen Temperaturen und der fehlende Niederschlag sorgen nicht nur für anhaltende Trockenheit, sondern begünstigen auch eine regelrechte Borkenkäferinvasion, welche den Nadelholzmarkt zusätzlich massiv belastet. Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten. So liegt die Hoffnung in der Wärmeerzeugung durch Holzschnitzel, welche zukünftig in Grenchen vermehrt zum Einsatz kommen soll.

Die knapp dreistündige Waldbegehung im Bergwald startete bei der Panzersperre unterhalb des Berggasthofs Stierenberg und führte die Wanderleute auf einen Rundgang via Oberschlagweg über den Lachenweg und wieder zurück zum Berggasthof. Nebst den diversen Referaten gab es für die Besucher auch Vorführungen zu bestaunen. So zeigte das Team des Revierförsters auf, wie die Waldbewirtschaftung vonstatten geht – vom Fällen des Baumes bis zur Bereitstellung zum Abtransport.

Das Schutzwaldprojekt

Beim ersten Zwischenhalt erklärte der Revierförster die Jungwald- und Schlagpflege im Bürgerwald und deren Werdegang. Die Ursprünge des Schutzwaldprojektes reichen zurück bis ins Jahre 1992. Mosimanns Vorgänger reichte anno dazumal die Idee zum Projekt «Schutzwald» ein, was von Bund und Kanton aber aus Kostengründen abgelehnt wurde. Trotz dem Verweis auf mögliche Gefahren durch Steinschlag auf der Bergstrasse blieben auch weitere Vorstösse ergebnislos.

Gefruchtet hatte erst ein Schreiben an den Kantonsoberförster im Jahr 2004, in dem darauf hingewiesen wurde, dass bei einem allfälligen Unfall sämtliche Verantwortung abgelehnt wird. «Das war der zündende Funke» sagte Mosimann. Anschliessend konnte mit der Ausarbeitung des Projekts begonnen werden, welches 2008 schliesslich vom Regierungsrat bewilligt wurde.

Nicht nur die Flora, sondern auch die Fauna wurde den Gästen nähergebracht. Anton Pürro, Präsident der Jagdvereins Auerhahn, erklärte den Waldbesuchern das Prinzip der «Kirrung». Dabei handelt es sich um eine Lockfütterung. An Plätzen, welche vom Schwarzwild oft aufgesucht werden wie etwa einer Suhle, legen die Jäger Mais aus. Dies dient den Jägern dazu, einen Überblick über die Aktivitäten der Säue zu erhalten.

Kreisförsterin Daniela Gurtner erläuterte der Wandertruppe an zweien Standorten die zu erwartenden Auswirkungen der Klimaerwärmung für den Wald. Unter Miteinbezug der Anwesenden zeigte sie auf, wie sich die Baumpopulation künftig verändern wird. Wo heute noch vornehmlich Bergulme sowie Rot- und Weisstannen heimisch sind, könnten sich bald eher Esche, Kirsche oder Eiche wohlfühlen.

Ausserdem sei fraglich, ob die Bäume im Zuge einer Klimaveränderung noch so weit in die Höhe wachsen könnten, ergänzte Mosimann. Grundsätzlich aber, so der Revierförster weiter, wisse man nicht, was in rund 50 bis 100 Jahren bei uns für ein Klima herrsche. «Wir müssen lernen mit der Natur zu arbeiten und das Beste daraus machen, denn ändern können wir es sowieso nicht», sagte Patrik Mosimann..