Dass mittlerweile keine verkehrsmässigen Einschränkungen mehr an diesem «Flaschenhals» des Strässchens bestehen, ist das Resultat eines langen Papierkriegs mit dem Werkhof und den Baubehörden.

Bis 2003 hielt ein Blumentrog Autos davon ab, dieses Verbindungssträsschen zwischen dem Chrüzliacher West und Ost zu passieren. Dann sei dieser zunächst «ohne jegliche Begründung der Gemeinde» entfernt worden. Eine danach errichtete Fahrverbotstafel hielt jedoch kaum jemanden ab, dennoch durchzufahren. «Auf einer Quartierstrasse gilt eine solche Signalisation mit der Zusatztafel ‹Zubringerdienst gestattet› quasi nichts», meint Paul Krhut zähneknirschend. Dann griffen die beiden über sechs Jahre lang zu unkonventionellen Methoden: Mit dem Wohlwollen weiterer Anwohner stellten sie ihr eigenes Fahrzeug so weit in den Chrüzliacherweg, dass kein anderes Auto passieren konnte.

Ein Vorgehen, das durchaus seine Wirkung zeigte – bis den Krhuts im Januar 2011 eine Anzeige wegen Durchfahrtsbehinderung ins Haus flatterte. «Eine Wischmaschine wollte im Januar durch und musste umkehren, wonach wir angezeigt wurden», erinnert sich Paul Krhut.

Im Notfall müssten Kommunalfahrzeuge passieren können, hiess es seitens Gemeinde. Auf Anregung des Bauverwalters Titus Moser, die fehlbaren Autofahrer aufzunotieren, sei nicht viel geschehen. «Insgesamt ist die Polizei auch nur dreimal für Kontrollen vorbeigekommen», so die Beobachtung der Krhuts. Vor einem Jahr der nächste Hammer: Der Weg wurde für den generellen Verkehr geöffnet. Mit Ausnahme des Ostteils der Strecke, der schon als Begegnungszone klassifiziert ist, sind bis auf den «Flaschenhals» konkret keine verkehrsberuhigenden Massnahmen wie zum Beispiel Tempo 30 geplant.

Eine Gefahr für Kinder

Dass schliesslich im ganzen Quartier 36 Unterschriften zusammengekommen sind, um beim Kanton gegen diesen Entscheid anzukämpfen, ermutigte das Ehepaar. Die Krhuts zählen rund 14 Quartierkinder, die sich an schönen Tagen auf einem Strassenabschnitt tummeln, auf der Tempo 50 herrscht. Das kantonale Bau- und Justizdepartement blockte die Einsprache jedoch ab: Gemäss Strassenklassierungsplan sei der Weg eine Erschliessungsstrasse, womit die rechtliche Grundlage für eine Öffnung gegeben sei. Die Massnahme stelle gerade für den Chrüzliacher West, wo neue Überbauungen entstehen, einen vernünftigen Anschluss Richtung Dorfzentrum dar.

Die Geschichte endete für die Krhuts mit einem «Racheakt» seitens Werkhof, sind sie überzeugt. So wurde kürzlich ihre Thujahecke, die sich auf zur Verfügung gestelltem Gemeindeboden befindet, runtergestutzt, um die Sicht für Fahrer, die aus dem Burgunderweg in den Chrüzliacherweg einbiegen, zu verbessern.

«Dabei ist der Burgunderweg ein Privatweg», findet Paul Krhut wütend, während seine Frau ratlos auf die 26 Jahre lang gepflegte und nun niedergemähte Hecke blickt. «Als wir Interesse anmeldeten, das Landstück zu kaufen, ging plötzlich alles schnell», erinnert sich Yolanda Krhut. Noch bevor sie die Gelegenheit erhielten, ihr Kaufinteresse zu deponieren, habe der Werkhof schon die Schere angesetzt. «Die Sichtbehinderung hätte man mit einem Spiegel lösen können – wie andernorts auch.» Mit dieser Ansicht stünden sie nicht allein da, auch Anwohner und Passanten pflichteten bei.

«Ein demokratischer Entscheid»

Das Schneiden der Hecke sei keineswegs ein «Racheakt» der Gemeinde, versichert Titus Moser. «Wir haben die Krhuts zwei Wochen im Voraus über unsere Absichten informiert.» Die Massnahmen am Berührungspunkt Burgunderweg/Chrüzliacherweg seien eben gerade wegen der Sichtbehinderung für Verkehrsteilnehmer nötig geworden. Ausserdem machte er geltend, dass lediglich der untere Teil des Burgunderwegs ein Privatweg sei. «Ein Spiegel wäre lediglich unter den schlechteren Lösungen die beste gewesen», betont Moser. Noch besser sei es aber, die Sichtbarkeit direkt zu erhöhen. Und um den geplanten Landkauf der Krhuts über einen ordentlichen Weg abzuschliessen, hätten die zwei Wochen eben nicht mehr gereicht.

Was die Öffnung der engen Stelle angeht, beruft sich die Gemeinde einerseits auf den demokratisch gefällten Entscheid der Baukommission; andererseits brauche es für verkehrspolizeiliche Massnahmen überdies eine Zustimmung des Kantons, der dann auch die Beschwerde der Anwohner abgelehnt hat.

Für die Krhuts ist damit aber noch nicht das letzte Wort in dieser Sache gesprochen: Sie wollen den kantonalen Entscheid und die Beschädigung ihrer Thuja-Hecke nicht auf sich beruhen lassen. «Dank» nun besserer Übersicht habe das Problem der «Rennpiste» gar zugenommen, ist Yolanda Krhut überzeugt. Für ihren Mann ist klar: «Wir ziehen weitere rechtliche Schritte in Betracht.»