Herbstkolonie
Kleine Grenchner Invasion im Berner Jura

Im Grenchner Ferienheim in Prêles verbrachten für eine Woche 29 Kinder zwischen 8 und 14 Jahren die erste Woche ihrer Herbstferien. Das Wetter spielte mit und die Kinder waren begeistert.

Oliver Menge
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29 Kinder verbrachten eine Woche im Grenchner Ferienheim

29 Kinder verbrachten eine Woche im Grenchner Ferienheim

Solothurner Zeitung
Sechs fleissige Hände helfen Anton Kurmann beim Abtrocknen. om

Sechs fleissige Hände helfen Anton Kurmann beim Abtrocknen. om

Solothurner Zeitung

«Das fägt mega hie obe», fasst der zehnjährige Philipp seine Eindrücke zusammen. Er und seine Freunde verbrachten die erste Woche der Herbstferien in der Herbstkolonie in Prägels oberhalb des Bielersees. Und sie hatten Glück: Das Wetter spielte die ganze Woche mehrheitlich mit. Wenn der Nebel sich über den See legte, konnten die Kinder ein herrliches Nebelmeer geniessen.

Die Herbstkolonie stand unter dem Motto «Spiel». Die 29 Kinder zwischen 8 und 14 Jahren hatten viele Möglichkeiten, ihre Zeit mit den verschiedensten Spielen zu verbringen. Vom dreiköpfigen Leiterteam wurde ein abwechslungsreiches Angebot organisiert: Lottomatch, Spass-Olympiade, Tischtennis- und «Töggelichaschte»-Turnier standen ebenso auf dem Programm, wie eine Wanderung auf die Sankt Petersinsel und ein Waldtag mit «bräteln».

Einige Kinder hatten Filme mitgebracht, die man abends gemeinsam anschaute. Den ersten Abend verbrachten die Kinder draussen am Lagerfeuer mit Geschichten und Liedern, am selbstgestalteten Schlussabend stand – wie könnte es anders sein – Disco im Mittelpunkt.

Viel Arbeit für die Leiterinnen

Die drei Leiterinnen – Sandra Brüderli, Klara Zurbrügg und Jacqueline Schmucki – hatten alle Hände voll zu tun. Der Weggang des vormaligen Leiterpaars Wüthrich Ende Juli hinterliess eine Lücke, die nur schwer zu schliessen war; das neue Paar, Monika und Thomas Iseli, nehmen erst am 1. November ihre Arbeit auf.

«Am ersten Abend hatten wir kein warmes Wasser und alle mussten kalt duschen», erzählt Jacqueline Schmucki, im «normalen» Leben Lehrerin an der Heilpädagogischen Sonderschule. «Wir mussten am Anfang erst einmal Gruppen für die Ämtli einteilen, die zu erledigen waren. Und wir mussten auch etwas den Tarif durchgeben, Regeln festlegen, wie man miteinander umgeht, was geht und was eben nicht geht».

Das sei nicht immer einfach gewesen, vor allem, weil man die Kinder nicht schon von der Schule her kenne und wisse, wo es Schwierigkeiten geben könnte. «Ab und zu mussten wir auch ‹erzieherisch› wirken. Es geht zum Beispiel nicht, dass sich einzelne Kinder beim Essen viel zu viel schöpfen und den grössten Teil dann stehen lassen oder nur das Weiche vom Brot essen und den Rand liegen lassen.» Aber im Grossen und Ganzen sei die Ferienwoche doch sehr friedlich und ohne Probleme abgelaufen, sagt Jacqueline Schmucki.

Diverse Ämtli waren zu erledigen: Tisch decken, Abräumen, Zimmer aufräumen. Nicht alle der Ämtli machten Spass: «Einmal musste ich WC putzen, igitt», erzählt Philipp. Leiterin Jacqueline Schmucki scherzt: «Und weil Du das so gut gemacht hast, könntest du das Amt doch gleich nochmals erledigen, oder?». Der Zehnjährige versteht den den Spass und lacht herzhaft.

Handy-Verbot mit Ausnahmen

«Wir hatten zwar einen festgelegten Tagesablauf, der vor allem wegen des Essens eingehalten werden musste, aber wir liessen den Kindern auch viel Freiraum, damit sie ihre Ferien wirklich geniessen konnten», erklärt die Lehrerin. Im Lager herrschte ein striktes Handy-Verbot, selbstverständlich waren Ausnahmen möglich: «Eines der kleinsten Mädchen hatte grosses Heimweh. Sie durfte jeden Abend ihr Mami anrufen.» Sonst waren elektronische Gadgets im Trend, seien es iPods, Spielkonsolen oder MP3-Player.

«Am Morgen vor dem Morgenessen habe ich immer viel auf meiner PSP ‹gegamed›, das kann man gut im Bett», erklärt Philipp. Er und sein Kumpel Luan hatten eine spezielle Beschäftigung «entdeckt»: Im Haus vis-à-vis, ebenfalls ein Ferienheim, logierten Basler Kinder. Etwas älter und grösser zwar, aber die Grenchner standen ihnen in puncto Lautstärke keineswegs nach. Von Balkon zu Balkon deckte man sich gegenseitig mit Schmähgesängen ein – Philipp war dabei so laut, dass er tags darauf heiser war.

Einen Profikoch engagiert

Da das Leiterpaar auch für die Verpflegung zuständig wäre, musste hier eine Lösung gefunden werden. Die Schulverwaltung Grenchen hatte aus diesem Grund für eine Woche einen Koch engagiert: Anton Kurmann war selber Wirt in Lommiswil, kocht regelmässig im Solothurner Kloster «Im Namen Jesu» und ist im Winter seit seiner Pensionierung jeweils regelmässig in Skilagern für das leibliche Wohl von Kindern und Leitern besorgt.

«Es machte mir sehr viel Spass, für eine Woche hier im Grenchner Ferienheim zu sein und für die Kinder zu kochen. Sie halfen ja auch tatkräftig mit, beim Abräumen und Abtrocknen hatte ich immer ein paar Hände zur Seite».

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