Auf den aneinandergereihten Tischen, die als Arbeitsfläche dienen, stehen mehrere Bildschirme und ein Grammophon, daneben befindet sich ein Schachbrett mit Figuren aus massivem Holz. Weiter finden sich mehrere Gitarren, ein Klavier, Bücher, CDs und Fotos im Atelier.

Betritt man die Werkstatt von Künstler und Unternehmer David Aebischer, sieht man, dass sich hier jemand eingerichtet hat, dem die Kunst sehr am Herzen liegt. Sein Kurzgeschichtenband «Kleine Geschichten. Streiche der Phantasie», mit einem Vorwort von René Rindlisbacher, wurde im diesjährigen Herbst in der Neuauflage im Apollon Verlag herausgegeben. Dies, weil das Werk praktisch Jubiläum feiern kann, 1996 wurde es zum ersten Mal publiziert.

Geschichten entstanden spontan

Das Werk von Aebischer enthält sechzehn Kurzgeschichten, die skurrile, witzige und interessante Bilder erschaffen, die zum Nachdenken anregen. Niedergeschrieben wurden sie in den Jahren 1989 bis 1991 in Frankreich, Spanien, Ukraine, Holland, Griechenland und der Schweiz. Jeder Geschichte liegt Spontaneität zugrunde: Hatte Aebischer einmal das erste Wort geschrieben, schrieb er die Erzählung in einem Guss zu Ende. «Damals war ich noch nicht so belesen», erinnert sich der Künstler mit einem Schmunzeln zurück.

Verfasst hat er die Geschichten als Zwanzigjähriger und auch jetzt für die Neuauflage keine Korrekturen vorgenommen. Wer das Buch liest, taucht somit in eine Welt und Sprache ein, wie sie ein junger Erwachsener Ende der Achtzigerjahre erlebt und verwendet hat. Man kann es als eine authentische Nahaufnahme beschreiben; präzise Beschreibungen hauchen den einzelnen Figuren beim Lesen Leben ein, dabei enthält das Werk Skizzen von Aebischer sowie passende Bilder von zwei Fotografen.

Vielseitigkeit macht Leben aus

Zur Zeit der Niederschrift spielte Aebischer in diversen Bands im Rock- und Pop-Genre und tourte in der Schweiz und Europa, auch mehrere CDs wurden veröffentlicht. Die Kurzgeschichten entstanden zumeist in der Ferienzeit. Bei der Niederschrift dachte er nicht über eine mögliche Veröffentlichung nach. Die Kurzgeschichte «Der Fremde und die Kakerlake», in welcher der Leser einen Ausschnitt aus dem Leben des Fremden und zugleich anderer Charaktere miterlebt, wurde von der Jugendzeitschrift «Musenalp Express» gedruckt, worauf der Apollon Verlag auf ihn aufmerksam gemacht wurde. «Musenalp Express» förderte junge Schreibtalente und druckte deren Kurzgeschichten ab. So ergab das eine das andere, wie so vieles in seinem Leben.

Aebischer sucht die Vielseitigkeit: Er ist unter anderem Komponist, Schriftsteller, Unternehmer, Musikproduzent und Musikredaktor. Heute ist er mehr im Produktionsmetier tätig und führt sieben Firmen, die er selber auf die Beine gestellt hat. Dass er keine Herausforderung scheut und ein breit gefächertes Interesse besitzt, hat ihm zu seinen vielen Professionen verholfen. Es begann damit, als er sich vor zwanzig Jahren aus der aktiven Musikszene zurückzog, um eine Musikagentur zu gründen. «Die Anfangsphase war schwierig, und aus der Not heraus eignete ich mir das Programmierwissen an, um mir eine Homepage bauen zu können», erklärt der Fünfundvierzigjährige, denn die billigste Offerte für eine Homepage hätte damals ungefähr 30 000 Franken betragen, nur wenige glaubten damals an die Zukunft des Internets. Durch das angeeignete Wissen wurde er zusätzlich Webdesigner. Weiter führt er auch eine Um- und Ausbauberatungsfirma. «Ich brauche diese Vielseitigkeit, so bleibt es immer interessant», beschreibt Aebischer, dem qualitative Arbeit am Herzen liegt.

In Grenchen ein Haus gebaut

Bei der Neuauflage von «kleine Geschichten» handelt es sich um eine limitierte Edelausgabe. Von den 4000 gedruckten Exemplaren sind bereits 2800 verkauft, man kann sie in jedem Buchhandel bestellen.

Seit sechs Jahren wohnt der Künstler und Unternehmer mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Grenchen, davor lebten sie in Gerlafingen. Dominique, die Ehefrau von Aebischer, ist in Grenchen aufgewachsen. Beim Umzug erfüllte sich der im Kanton Freiburg geborene Aebischer einen weiteren Wunsch: Er baute ihr Haus selbst auf, lediglich die Grundmauern des alten Baus liess er stehen. So richtete er sich auch im unteren Teil des Hauses sein Atelier ein. Bei der Familie Aebischer gehört die Kunst zum Alltag, es wird viel gelesen und musiziert. Bereits in Aebischers Elternhaus gehörte die Musik dazu, der Vater spielte in Bands.

Auch das Schreiben begleitet Aebischer. Momentan schreibt er an einem Roman. Das Ziel, ihn zu veröffentlichen, hat er nicht, schliesst jedoch die Möglichkeit auch nicht aus.