Die Grenchner Katholiken haben am Dienstagabend deutlich ja gesagt zu einem Kredit für die Neugestaltung der Umgebung der Eusebiuskirche. Nach eingehender Diskussion fiel der Entscheid klar aus: 41 Stimmberechtigte stimmten dem Kredit in der Höhe von 605'000 Fr. zu, 21 votierten dagegen. Eine erste Tranche war schon 2014 bewilligt worden. Danach kam es aber zu einer Redimensionierung des Projekts. Es wird somit mit Gesamtkosten von 750'000 Fr. gerechnet.

Die Neugestaltung umfasst eine Abschlussmauer des Kirchplatzes westseitig und eine Freilegung der Taufkapelle südseitig. Auch die bisher abgeriegelte Ostseite soll als vergrösserter Platz zugänglich werden. Die Freitreppe hinauf zur Kirche wird symmetrisch ausgerichtet. Das Gotteshaus als prägnantes Bauwerk im Stadtzentrum wird sich damit von allen Seiten attraktiv präsentieren. Der Blumentrog vor dem Eusebiushof (Kirchgemeindehaus) kommt weg. Ebenso werden die überalterten Bäume ersetzt.

Projekt Neugestaltung, von Norden gesehen.

Projekt Neugestaltung, von Norden gesehen.

Lebhafte Diskussion

Das Projekt gab auch diesmal unter den 67 Versammlungsbesuchern zu reden. Zuerst stellte Verwalterin Daniela von Büren den Finanzplan vor, «denn die langfristige Finanzlage ist für den Entscheid über die Realisierung des Projektes wichtig», begründete Kirchgemeindepräsident Alfred Kilchenmann. Fazit der Ausführungen von Bürens: Trotz Defiziten in den kommenden Jahren entstehen keine Bilanzfehlbeträge, denn die Defizite können durch das Eigenkapital gedeckt werden. Dieses wird allerdings deutlich abnehmen.

Von den Änderungen im kantonalen Finanzausgleich werden die Katholiken zudem weit weniger betroffen sein, als die Reformierten. Die katholische Kirche ist finanzschwächer, was sich auch am Steuersatz von 17 Prozent zeigt (Reformierte: 12,5% der einfachen Staatssteuer). Zudem ist für 2019 ein Finanzausgleichs-Beitrag in ausserordentlicher Höhe von 344'000 Fr. in Aussicht gestellt, was mehr als doppelt so hoch ist, wie im Durchschnitt. Allerdings schrumpft auch die katholische Kirche: um rund 50 Mitglieder pro Jahr. Zurzeit werden in Grenchen 4350 Katholikinnen und Katholiken gezählt.

Bedenken blieben bestehen

Vor allem von älteren Versammlungsbesuchern wurden Vorbehalte gegenüber dem Neugestaltungs-Projekt angebracht. Es sei finanziell nicht tragbar, wurde befürchtet. Bedenken wurden zudem gegenüber dem neuen Platz an der Ostseite geäussert. Dieser könnte «unerwünschte Personen» anziehen, was Reinigungskosten oder gar Beschädigungen nach sich ziehe.

Dies rief Pfarrer Tosin auf den Plan: «Sind nicht gerade wir Christen aufgefordert, solchen Menschen einen Platz anzubieten, an dem sie sich aufhalten können? Statt sie auszugrenzen, könnten wir das Gespräch mit ihnen suchen.»

Auch Peter Brotschi (Kantons- und Gemeinderat), sah da keine Bedenken. Randständige suchten eher belebte Plätze und die Nähe von Läden, meinte er. Er rief die Versammlung auf, wie der Gemeinderat mutig zu sein und vorwärts zu schauen. «Wir haben letzte Woche das Projekt Kompass mit einer Steuersenkung beschlossen und damit ein Zeichen gesetzt für unsere Stadt.»

Thomas Hägeli, Kirchgemeinderat und Leiter der zuständigen Projektgruppe, rechnet mit einem Baubeginn im kommenden Sommer. Die Bauarbeiten werden etwa ein Jahr dauern.

Geläute wird saniert

Die Versammlung beschloss ferner das Budget 2019 mit einem Ertragsüberschuss von 88'720 Fr. bei einem Aufwand von 2,108 Mio. Fr. Die Investitionsrechnung enthält als einziges die erste Tranche des beschlossenen Projektes in der Höhe von 500'000 Fr. Der Finanzierungsfehlbetrag beträgt 297'000 Fr. und kann durch eigene Mittel gedeckt werden.

Beim Liegenschaftsunterhalt ist eine Sanierung des Geläutes vorgesehen. Nach dem Blitzeinschlag im Stadtzentrum verlangt die Gebäudeversicherung zusätzliche Massnahmen. Die Stimmberechtigten haben zudem Ja gesagt zu einem Beitrag von jährlich 10'000 Fr. an die Caritas-Sozialberatungsstelle. Dies für eine Dauer von vier Jahren.