Bettlach
«Kiosk, das ist irgendwie wie ein Virus»

Der Kiosk an der Dorfstrasse in Bettlach ist Bestandteil des Dorflebens. Erika Kraus, die Inhaberin, gibt ihn auf - sie ist pensioniert und will ihre Zeit noch etwas geniessen.

Oliver Menge
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Erika Kraus möchte ihren Kiosk verkaufen und ist auf der Suche nach einem Nachfolger. Oliver Menge

Erika Kraus möchte ihren Kiosk verkaufen und ist auf der Suche nach einem Nachfolger. Oliver Menge

Solothurner Zeitung

«Kiosk zu verkaufen», das Schild hängt seit letzter Woche vor dem Kiosk an der Dorfstrasse in Bettlach. Erika Kraus, die Inhaberin, würde nächsten Januar das 10-Jahr-Jubiläum feiern. Aber sie will den Kiosk verkaufen, schon seit geraumer Zeit. «Seit bald eineinhalb Jahren bin ich pensioniert und ich möchte meine Zeit noch etwas geniessen können», sagt sie. Die Zeit stehe nicht still und sie wolle aufhören, solange sie gesundheitlich noch nicht eingeschränkt sei. «Nicht einfach erst, wenn ich aufhören muss.» Denn die Arbeit ist anspruchsvoll und auch anstrengend: «Vor allem der letzte Winter hat mir zugesetzt. Ich musste häufig um vier Uhr aufstehen, zu Hause Schnee schippen, dann zum Kiosk fahren und noch einmal Schnee wegräumen, um rechtzeitig um sechs Uhr öffnen zu können. Das war wirklich hart.»

Erika Kraus erledigt alles selber: Einkäufe, Bestellungen, Abrechnung und Kassenbuchhaltung. Und auch im Kiosk steht sie von Montag bis Samstag selber hinter der Theke und bedient die Kunden. Der einzige freie Tag ist der Sonntag. Der Kiosk gehört zu keiner Kette. «Ich bin komplett frei in der Wahl meiner Lieferanten. Einzig die Heftli und Zeitschriften muss ich bei Valora beziehen.»

Es sei schwierig, einen Nachfolger zu finden, sagt sie. «Ich habe auch schon Inserate aufgegeben. Einige Interessenten haben sich gemeldet, aber leider niemand aus der Region.» Ihr wäre es wichtig gewesen, jemanden zu finden, der die Gegend und die Leute kennt und nicht einen langen Anfahrtsweg auf sich nehmen muss. «Die Leute von ausserhalb unterschätzen das komplett, was es heisst, so früh aufmachen zu müssen.»

Irgendwann packte sie der «Virus»

Erika Kraus war nicht immer Kioskfrau: Nach ihrer Ausbildung als Zahnarztgehilfin hatte sie diesen Beruf eine Zeit lang ausgeübt. Danach wechselte sie ins Kioskgeschäft: Sie wurde am Bahnhofkiosk Nord in Grenchen eingearbeitet und war während sechs Jahren in diversen Kiosken in Grenchen tätig. «Kiosk, das ist irgendwie wie ein Virus», sagt sie. 2002 übernahm sie dann den Dorfkiosk in Bettlach, den ihr Vorgänger ebenfalls ziemlich genau 10 Jahre lang geführt hatte. Ihr Vorgänger habe sie sehr gut eingearbeitet und sie in der Anfangszeit unterstützt – etwas, das sie ihrem potenziellen Nachfolger ebenfalls anbieten würde. Anfangs beschäftigte sie Aushilfen. «Aber damit habe ich bald aufgehört, es ist heutzutage schwierig, jemanden zu finden, der ehrlich ist und dem man vertrauen kann.» Stattdessen reduzierte sie die Öffnungszeiten, am Nachmittag war der Kiosk fortan von 12.30 Uhr bis 15.30 Uhr geschlossen. «Die Leute haben sich schnell daran gewöhnt», sagt sie.

Die Geschäfte würden gut laufen, das sei nicht der Grund, warum sie aufhören wolle. Natürlich spüre auch sie die Konkurrenz der Grossverteiler, sagt sie. «Manche Leute fahren mit dem Auto von Bettlach nach Bellach, weil dort bei Lidl das Päckli Zigaretten 10 Rappen weniger kostet. Da verstehe ich schon, dass überall kleine Läden zugehen.» Und die Schulkinder würden auch weniger Schleckzeug kaufen als früher. «Auch das ist beim Grossverteiler billiger.» Aber sie sei trotz allem zufrieden mit dem Geschäftsgang, sagt sie.

Kiosk als Treffpunkt im Dorf

Viele ihrer Kunden sind Stammkunden. Jeden Morgen um 10 Uhr trifft man sich vor dem Kiosk auf einen Schwatz und einen Kaffee. «Da kommen oft viele Leute und es wird viel diskutiert. Früher habe ich auch Gipfeli und Sandwiches angeboten, aber ich will dem neuen Bäcker weiter oben an der Dorfstrasse keine Konkurrenz machen», sagt sie. Die meisten ihrer Kunden kennt sie mit Namen, kennt ihre Vorlieben und Gewohnheiten. Einem älteren Herrn will partout seine Zigarettenmarke nicht einfallen, Erika Kraus weiss genau, welche er möchte: Marocaine.

Ihr grosses Hobby sind Tiere. «Je länger ich die Menschen kenne, desto mehr werde ich zum Tierfreund.» Für dieses Hobby möchte sie endlich mehr Zeit zur Verfügung haben. «Mein grösster Wunsch wäre es, in einem Tierheim ehrenamtlich zu arbeiten.» Sie war schon im Tierheim Orpund zu Besuch, dort seien sie immer auf der Suche nach Leuten, die mit Hunden spazieren gehen oder andere Arbeiten verrichteten, sagt sie.

Die Arbeit im Tierheim ist erst möglich, wenn Erika Kraus den geeigneten Nachfolger gefunden hat. Und eigentlich sei es ihr nach der langen, erfolglosen Suche auch egal, ob es ein Auswärtiger sei , der ihr den Kiosk abkaufe. Auch der Preis sei verhandelbar, Hauptsache, sie könne endlich ihrem Hobby frönen, sagt sie und bedient den nächsten Kunden.

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