Wohin zuerst? Mit zwei Dutzend Attraktionen und zwölf Stunden Dauer hatte das Kinder- und Jugendfest im Bachtelen für jedes Alter und Interesse etwas zu bieten. Für einmal stand das grosse Areal des Sonderpädagogischen Zentrums als «Festarena» der Öffentlichkeit offen. Rund 200 Helferinnen und Helfer sorgten dafür, dass der Anlass lange in guter Erinnerung bleibt.

«Fest blasen», ermuntert Bachtelen-Mitarbeiter Markus Heidegger einen Buben zur Beseitigung der Holzspäne. Die beiden haben mit Holz und Bohrmaschine ein Modellboot gebaut. Ein Stück alter Plastiksack liefert das Segel. Glücklich probiert der Junge sein Schiff auf dem Weiher neben dem Pavillon aus, während einige Ponys mit strahlenden Reiterinnen vorbeitrotten.

Partystimmung bis zum Schluss

Egal, welches Kreativatelier Kinder und Eltern wählen, überall entstehen Unikate. Technisch Interessierte löten kleine Roboter, künstlerisch veranlagte Kinder malen T-Shirts, und für ungeduldige Zeitgenossen ist die Malmaschine mit Zentrifuge das Mittel der Wahl. Sportlich bieten sich derweil die Kletterwand, das Schwingen und die robusten grossen Tretautos an, von denen sich vor allem grössere Kinder kaum mehr trennen mögen.

Bald schon ruft die Wanderbühne die Festgemeinde in die Turnhalle. Mit Leib und Seele folgen die Kleinen der Pantomime. Nach derart angefachter Begeisterung hat das Kinderkonzert Schtärneföifi leichtes Spiel. Auch Entertainer Knackeboul, der mit einer Gruppe Jugendlicher am Abend den Schlusspunkt setzt, profitiert von der Atmosphäre und dem erstaunlich guten Wetter.

Mit der Autodrehleiter hoch über dem Bachtelen

Mit der Autodrehleiter hoch über dem Bachtelen

Symbolische Preise beim Essen

Kulinarisch läuft ebenfalls alles rund, dank der Unterstützung durch den Rotary Club am Grill und das Lindenhaus mit der Cocktailbar. Die Preise für Essen und Getränke sind dank Sponsorenunterstützung und dem ehrenamtlichen Einsatz aller Helfer symbolisch, so dass sich auch grosse Familien verwöhnen können. Das Angebot wird rege genutzt: Der Kabarettist Andreas Thiel, weitherum erkennbar am bunten Irokesenkamm, hat an der Fritteuse mit den Pommes Frites jedenfalls keine ruhige Minute zum Verschnaufen.

Eine einzige Panne gibt es durch ein Missverständnis beim Streichelzoo, dessen Organisator sich ein falsches Datum notiert hatte. Spontan hilft Bauer Kurt Schütz mit seinen seltenen Spiegelschafen aus, die im provisorischen Gehege beim Eingang des Areals zwar nicht gestreichelt werden können, aber dennoch viel Beachtung finden.

Hohe Erwartungen übertroffen

Viele Eltern strahlen mit den Kindern um die Wette. Michael Laffer und Andreas Henz gefalle besonders die Kinderfreundlichkeit und professionelle Organisation der Angebote, wie sie sagen. Luzia und Martina Bühler, die mit ihren vier Enkeln respektive Kindern vor Ort sind, finden es «genial, was das Bachtelen auf die Beine gestellt hat. Es ist ein Gewinn für die Institution, dass sie sich den Leuten in der Stadt so präsentiert.»

Von Organisatorenseite klingt es ähnlich: «Wir hatten hohe Erwartungen und selbst diese wurden übertroffen. Jede einzelne Attraktion hat ein Publikum gefunden, und dennoch sind sich die Leute nicht auf die Füsse getreten. Beim Essen haben wir zweimal nachbestellt und zum Schluss war alles ausgegessen», freut sich Bachtelen-Gesamtleiter Karl Diethelm. Wie gross der Andrang war, habe er erst von der Feuerwehrleiter aus der Höhe gesehen. Gezählt wurden die Besucher nicht, deshalb habe er keine Ahnung, wie gross das Publikum insgesamt war. Alle Aktivitäten verliefen unfallfrei. Den Verbrauch von «lieben Pflästerli» habe der Samariterposten bilanziert, erklärt Karl Diethelm erleichtert.

Eindrücke vom Bachtelenfest

Eindrücke vom Bachtelenfest

Kultur mit R & R

Die witzige Kombination von Konzert und Lesung von Regierungsrat Roland Heim sowie Autor und Philosoph Reto Stampfli lockte ungefähr 70 vor allem Erwachsene in den Girardsaal. «Sehr privilegiert» fühlte sich Karl Diethelm bei der Ansage des Duos. «Nicht viele Veranstalter können ein Konzert mit einem amtierenden Regierungsrat ansagen», erklärte er dem Publikum. Denn seit Heim dieses Amt angetreten hat, habe er seine Karriere als «Solothurner Sängerling» auf Eis gelegt. Die ersten Gitarrenakkorde bewiesen, dass die Beschäftigung mit den Kantonsfinanzen der Qualität des «Sängerlings» keinen Abbruch tut. Die Ballade vom Helden Hans Roth, frech ergänzt durch ein «Korrigendum» als Zugabe, kam ebenso gut an, wie der unappetitliche Vielfresser-Marathon und die freie Interpretation der Schöpfungsgeschichte.

Reto Stampfli strapazierte so manches Zwerchfell mit gesammelten Stilblüten von Fussballern. Politisch unkorrekt und zutiefst menschlich erzählte er vom «Familientürk» sowie vom Huhn und der Mafia. Gern hätte das Publikum dem Duo länger als eine Stunde zugehört, wie der anhaltende Applaus und das Lachen bewiesen.      

Der singende Finanzdirektor

Der singende Finanzdirektor