«Wie halte ich Pioggia an?», fragt Jara hoch zu Ross auf dem Ferienpass-Ausritt am Waldrand in Pieterlen. «Fest am Führseil ziehen, dann bleibt sie stehen.» Die Antwort kommt nicht von der Kursleiterin Karin Steinbrüchel, sondern von Gspänli Elia, der Jaras Pferd Pioggia die erste Hälfte der Strecke geführt hat. Nicht einmal als die Stute neben ihm stolpert, lässt sich der Bub aus der Ruhe bringen. Doch nun steht der Rollenwechsel an: Die drei Kinder, die bisher die Pferde geführt haben, dürfen nun reiten, die übrigen drei wechseln für den Rückweg auf den Boden ans Führseil.

Karin Steinbrüchel hilft beim Ab- und Aufsteigen und gibt Tipps für das richtige Sitzen. «Das Rössli ist kein Sofa, auf dem man zusammensackt. Sitzt gerade, Schultern zurück, Brust heraus», mahnt sie. Im Sattel tut sich für Elia eine neue Welt auf. Der schwingende Rücken und der weitausgreifende Schritt des Pferdes auf dem Waldweg machen ihm ein bisschen Angst. Er klammert sich an die Zügel und packt zur Sicherheit noch das Fell der Sattelunterlage vor sich. Kurz vor der Rückkehr zum Stall im Römerhof hat er den Mut wiedergefunden und strahlt mit den anderen Kindern unter dem Velohelm hervor um die Wette.

Idee kam vom Hundekurs

«Mein Ziel ist, dass die Kinder ein Gefühl für den Umgang mit dem Pferd bekommen. Dass sie lernen, wie man diese Tiere anfasst und mit ihnen spricht. Aus diesem Grund umfasst ein Kurs drei Vormittage», erklärt die Leiterin, während sie neben den Kindern und Pferden hergeht, das Schritttempo korrigiert und darauf achtet, dass für entgegenkommende Spaziergänger genügend Platz auf dem Weg bleibt.

Der Ferienpass ist für Karin Steinbrüchel eine Premiere. Beruflich sei sie als Gerichtssekretärin tätig, sagt die gebürtige Zürcherin. Die Pferde (zwei gehören ihr) seien ihr Hobby. Auf die Idee gekommen ist sie dank ihrer Kollegin, die auf demselben Hof in Pieterlen seit Jahren Ferienpass-Hundekurse anbietet. «Der Aufwand für ein Angebot mit Pferden ist beträchtlich, aber es macht mir ebenso Spass wie den Kindern», sagt Steinbrüchel.

Unterschiedliche Vorkenntnisse

Schon am ersten Tag steht an der Longe auf dem Sandplatz eine Runde Trab auf dem Programm. Dazu bekommen zwei Pferde eine Pause. Damit sie in Ruhe eine Portion Heu fressen können, zäumen die Kinder sie ab – nach einem ratlosen Blick auf die vielen Schnallen am Pferdekopf. «Zuerst dort öffnen, wo es am meisten versabbert ist», gibt die Kursleiterin einen Tipp und lacht zusammen mit den Kindern, die nun ebenso beherzt zugreifen wie zwei Stunden vorher beim Putzen der Pferde. «Im Kurs habe ich Kinder, die noch nie ein Pferd angefasst haben, aber zumindest ein Mädchen hat sogar schon Voltige gemacht. Deshalb habe ich das Programm so gestaltet, dass es dem unterschiedlichen Vorwissen der Kinder gerecht wird», erklärt Karin Steinbrüchel, während sie für ein weiteres Kind die Steigbügel zur Trabrunde passend einstellt.

Im Kurs vom 16. bis 18. Oktober (Vormittag) ist noch ein Platz frei. Kurzentschlossene Ferienpasskinder (7- bis 12-jährig) melden sich am besten direkt bei Kursleiterin Karin Steinbrüchel: 079 577 46 50.