Es ist 18:15 Uhr. Die Kinder sitzen barfuss wie die beiden Kursleiter auf der Matte des Dojos, dem Trainingsraum für japanische Kampfsportarten. John Luder, in traditioneller Übungskleidung des Aikido. Er führt in die Geschichte und die Praktiken der Kampfsportart ein.

Ein Samurai entwickelte vor über acht Jahrhunderten eine Kampfkunst weiter, aus der sich anschliessend im 20. Jahrhundert das Aikido entwickelte: «Damals unter den Samurai, also noch vor 200 und 300 Jahren hatte man das Ziel zu töten, man kämpfte mit Waffen und man sass zu Pferd.»

Aikido sei eine Kampfsportart der Verteidigung: «Es geht darum, sich durch die Anwendung von Techniken bei einem Angriff einen Vorteil zu verschaffen und so am Leben zu bleiben», erklärt John Luder. Als er darauf die drei Übungswaffen - Holzschwert (Bokken), Holzstab (Jo) und Messer (Tanto) zeigt und herumgibt, fügt er hinzu: «Wir üben auch mit Waffen, jedoch erst nachdem man die ersten Schritte beherrscht: Viele Bewegungen sind von Waffentechniken abgeleitet und so kann man mit den Waffen die einzelnen Bewegungsabläufe besser verstehen.»

Das Ziel der Kurse war es, den Kindern eine Einführung in Aikido zu geben: «Es ist ein Kampfsport, der nicht auf Konfrontation basiert, sondern auf einer sanften, harmonischen Verteidigung. Auch geht es dabei nicht um Kraft, sondern um die richtige Technik, das wollten wir bewusst machen. Ebenso war es uns ein Anliegen, Aikid etwas bekannter zu machen, denn es ist eine Randsportart», erläutert Luder.

Richtig fallen

Im praktischen Teil konnten die Kinder nach einer Aufwärmübung erste Grundtechniken selber ausprobieren: Dabei wurden sie von Luder und Michael Schwab unterstützt und beraten. Im Zentrum der Übungen stand der Ansatz des richtigen Fallens: «Wenn man beispielsweise geschubst wird, gibt es diverse Techniken, wie man, ohne sich zu verletzen, fallen und sich schnell wieder aufrichten kann, so unter anderem mit einer Vorwärts- oder einer Rückwärtsrolle», so Luder.

Leicht ist es nicht...

Die Kinder konnten in der einstündigen Veranstaltung profitieren und viele Eindrücke sammeln. Interessiert hörten sie den Erklärungen zu und hatten Spass am Ausprobieren der verschiedenen Einheiten. Auch wenn schnell klar wurde, dass die richtige Anwendung nicht leicht ist und viel Übung braucht, tat das ihrem Eifer keinen Abbruch. Beeindruckt hat die Teilnehmenden vor allem, dass gute Verteidigung so entscheidend sein kann: «Ich habe hier heute gelernt, dass man nicht immer gleich angreifen muss, sondern dass auch die Abwehr wichtig ist», so Rahel, (11 Jahre) und Joel (8 Jahre) fügt dazu an: «Mir hat es sehr gefallen zu sehen, wie man sich vor Angriffen schützen - und dann auch Gegenwehr leisten kann.»

Organisiert wurde der Ferienpasskurs vom Aikido-Club Grenchen. Bereits eine Woche zuvor wurde ein Kurs angeboten, an welchem 12 Teilnehmende dabei waren. Beim zweiten Kurs waren drei Kinder anwesend, von eigentlich sieben angemeldeten.

Während John Luder den Rang des ersten «Dan» (erster Meistergrad) im Aikido hat, trägt Michael Schwab den des ersten «Kyo» (letzter Schülerrang vor dem Übertritt zum «Dan»).