Für die meisten der 21 Kinder der Kindertagesstätten Teddybär und Villa Kunterbunt ist es der erste Theaterbesuch, und dann erst noch ein ganz spezieller. Dementsprechend gespannt warten sie, bis das Gewaltpräventionstheater «Geheimsache Igel» im Grenchner Spital endlich beginnt. «Normalerweise gibt es solche Gewaltpräventionsprojekte nur für ältere Kinder. Dass sie nun auch für Kinder aus Kindertagesstätten angeboten werden, ist neu», sagt Tanja Horisberger, freischaffende Schauspielerin und Projektverantwortliche von «Geheimsache Igel».

Kanton Solothurn als Vorreiter

Zusammen mit ihrer Theaterpartnerin Natalie Kriesemer hat sie das Theaterstück von Deutschland in die Schweiz geholt. Grenchen ist die vierte Station auf ihrer Tour durch den Kanton Solothurn, der als erster Kanton, den Kindertagesstätten den Besuch im Gewaltpräventionstheater ermöglicht. Für Therese Läderach, Leiterin der Kindertagesstätte Teddybär, macht diese Gewaltprävention bei den Kleinsten durchaus Sinn: «Das Thema Gewalt beschäftigt die Kinder in den Kindertagesstätten sehr.»

Gerade Kleinkinder würden mit verschiedenen Formen von Gewalt konfrontiert und es sei wichtig, dass die Kinder früh lernten «Nein» zu sagen, um nicht Opfer von Gewalt zu werden, führt die Kindertagesstättenleiterin aus.

Tanja Horisberger und Natalie Kriesemer spielen das rund halbstündige Theaterstück zu zweit und schlüpfen dabei in verschiedene Rollen. Theater sei eine ideale Form, um die Kinder auf die Gewaltproblematik aufmerksam zu machen, denn man hole sie so in ihrer eigenen Welt ab, erklärt Tanja Horisberger. Und tatsächlich: Die 21 Kinder sind während der rund 30-minütigen Theatervorstellung voll bei der Sache und klatschen am Ende beeindruckt. «Isch mega gsi», tönt es aus der Kinderschar.

Grosse Kulissen braucht es für die Vorstellung nicht. Eine Kiste, eine Sonnenblume und eine Abtrennwand genügen. Der Rest spielt sich in der Fantasie der Kinder ab. Tanja Horisberger schmunzelt und erklärt, dass die Kinder das Theater meistens besser verstünden als die Erwachsenen. Für die sei das Theater zu abstrakt.

Theater als emotionaler Türöffner

Damit die Kinder die zentralen Botschaften von «Geheimsache Igel» und den Zusammenhang mit ihrer eigenen Situation verstehen, braucht es trotzdem eine Nachbearbeitung. Diese wird durch die zwei Schauspielerinnen unmittelbar nach der Vorstellung selber durchgeführt. Manchmal könne man bereits an den Reaktionen der Kinder direkt nach der Vorstellung herausspüren, ob sie Opfer von Gewalt seien, berichtet Tanja Horisberger. Meistens braucht es aber vor allem die zusätzliche Bearbeitung durch die Kleinkinderbetreuerinnen. «Das Theater dient als emotionaler Türöffner», erklärt Tanja Horisberger. Ziel sei es verschiedene Gewaltsituationen aufzuzeigen, auf welche die Kleinkinderbetreuerinnen anschliessend vertieft eingehen könnten.

Die Kleinkinderbetreuerinnen stehen dieser neuen Form von Gewaltprävention positiv gegenüber. Nicole Huber, Gruppenverantwortliche der Kindertagesstätte Villa Kunterbunt, sagt: «Bis jetzt hatten wir vor allem Bücher und Spiele, die auf die Gewaltproblematik eingingen. Das Theater ist sicher ein gutes neues Mittel, um mit den Kindern darüber zu sprechen.»