Grenchen
Kinder fahren bei Fahrradprüfung «ferngesteuert» Velo

«Früher mussten die Instruktoren ihre Anweisungen jeweils laut rufen, wenn sie mit den Schülern auf dem Parcours waren, heute machen wir das über Funk» erklärt Robert Gerber, Kommandant der Polizei Stadt Grenchen.

oliver menge
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Instruktor Stefan Zybach hilft Mike Hofmann mit dem Kopfhörer. om

Instruktor Stefan Zybach hilft Mike Hofmann mit dem Kopfhörer. om

Solothurner Zeitung

«Früher mussten die Instruktoren ihre Anweisungen jeweils laut rufen, wenn sie mit den Schülern auf dem Parcours waren, heute machen wir das über Funk», erklärt Robert Gerber, Kommandant der Polizei Stadt Grenchen. Die Polizei bietet in diesen Tagen wieder ihren Service an, die
4. Klassen der Grenchner Schulen auf die obligatorische Fahrradprüfung vorzubereiten, die Mitte Juni durchgeführt wird. Man hatte sich Anfang Jahr dazu entschlossen, für diese Vorbereitungskurse ein Funksystem anzuschaffen. Jedes Kind wird mit einem Empfänger mit Kopfhörer ausgerüstet, der Instruktor hat einen Sender mit Schwanenhals-Mikrofon.

«Das neue System hat mehrere Vorteile», sagt Gerber. Früher musste der Instruktor nämlich vorausfahren und konnte die Kinder schlechter überwachen. Nun könne er hinter den Kindern fahren und gebe ihnen per Funk die Richtungsanweisungen durch. Fehler könnten schneller und besser korrigiert werden und die Sicherheit sei grösser als früher, da er immer sehen könne, wie die Kinder im Strassenverkehr unterwegs seien.

Rund 6000 Franken kostete das Funk-System mit 30 Empfängern und zwei Sendern. Eine Anschaffung, die sich gelohnt habe, wie Gerber meint. Die Stadtpolizei Olten verwendet übrigens dasselbe System und macht, wie die Polizei Stadt Grenchen, nur gute Erfahrungen damit.

Im Unterricht vertiefen

Marcel Stuber, Klassenlehrer im Eichholzschulhaus, hat schon etliche Fahrradprüfungen und die Vorbereitungen dazu erlebt. Auch dieses Jahr bereitet er die Klasse 4d auf die Prüfung vor und besucht den Vorbereitungskurs mit seiner Klasse, die in zwei Gruppen mit je einem Instruktor unterwegs ist. «Das neue System funktioniert ausgezeichnet und die Kinder sind wesentlich aufmerksamer als früher.» Im Unterricht kann er nun die Schwierigkeiten, die während des Lernparcours aufgetaucht sind, nochmals mit den Kindern aufarbeiten und komplizierte Verkehrssituationen üben. Dann besteht eine gute Chance, dass seine Kinder an der Fahrradprüfung im Juni wenig bis keine Fehler machen.

Verkehrsinstruktor Stefan Zybach ist überzeugt vom neuen System: «Die Kinder sind weniger abgelenkt», sagt er. Wenn ein Kind auf dem Parcours einen Fehler mache, könne er umgehend eingreifen und Einfluss nehmen. Früher sei das erst beim nächsten Halt möglich gewesen, und da hätten die meisten anderen Kinder nicht zugehört oder seine Anweisungen wegen des Umgebungslärms nicht hören können. «Jetzt hören alle Kinder gleichzeitig, wenn ich etwas korrigieren muss, und können so auch von den Fehlern der anderen lernen.» Das System mit Funk sei sehr praktisch und effizient, meint er. Auch sei das Sicherheitsrisiko wesentlich kleiner, wenn sich eine Horde Kinder nicht am Strassenrand aufhalten müsse, um seine Anweisungen und Korrekturen entgegenzunehmen.

Wie kleine Geheimagenten

Das System ist einspurig, das Sprechen ist den Instruktoren vorbehalten. Die Geräte sind batteriebetrieben und sehr robust. Und die Kinder sind begeistert, wie kleine Geheimagenten auf zwei Rädern unterwegs zu sein. «Megacool, es hat Spass gemacht, mit Kopfhörer Velo zu fahren», meint der Viertklässler Mike Hofmann, der sein Kästchen dem Instruktor zurückgibt. Dem stimmen auch die anderen Kinder zu. Eine Schülerin meint, sie sei froh gewesen über den Kopfhörer, denn auf ihrem Rundkurs sei ein Traktor hinter ihr her gefahren und sie habe etwas Angst gehabt. «Aber der Polizist konnte mir sagen, was ich tun muss.»

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