«Mein Körper gehört mir.» So lautet das Thema des Parcours der Stiftung Kinderschutz, den die Primarschulen Kastels, Halden und Eichholz in Grenchen sowie die Bettlacher Primarschulen Büelen und Einschlag in den letzten 14 Tagen durchführten. Zwei Wochen lang befassten sich Schülerinnen und Schüler von zweiter bis vierter Klasse mit dem Thema sexuelle Gewalt. «Der Parcours ist ein Sensibilisierungsprojekt», erklärt der Schulsozialarbeiter Gabriel Liniger, der Klassen bei diesem Parcours begleitet hat.

Sechs Posten, ein Thema

Die Kinder absolvierten in kleinen Gruppen sechs interaktive Posten, erklärt Liniger. Dabei mussten sie beispielsweise Körperteile benennen, «gute» und «schlechte» Gefühle beschreiben sowie angenehme oder «komische» Berührungen. Bei einem weiteren Posten befassten sich die Gruppen mit Geheimnissen. «Was sind gute Geheimnisse, und wovon sollte man den Eltern besser erzählen?», erklärt Liniger.

Täter würden bei sexuellem Missbrauch nämlich oft die Masche anwenden: «Das ist unser Geheimnis – erzähl den Eltern nichts davon.» Und unter Kindern gebe es ja quasi den Ehrenkodex, Geheimnisse nicht zu verraten, so Liniger. Die Kinder lernten zudem, dass es schlau sei, sich Hilfe zu holen, und wo sie das tun können.

Grundsätzlich gehe es zwar um sexuelle Gewalt, das Hauptziel sei aber, das Bewusstsein der Kinder für ihren eigenen Körper zu fördern, so Schulsozialarbeiter Liniger. Schliesslich heisst der Parcours auch «Mein Körper gehört mir». Dazu habe man das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Primarschüler stärken wollen. «Es geht darum, dass Kinder Nein sagen dürfen», sagt Liniger. Insbesondere auch einem Familienmitglied oder einem Bekannten gegenüber.

Auch für Eltern und Lehrpersonen

Schliesslich seien die Täter in Fällen von Missbrauch häufig Menschen aus dem sozialen Umfeld des Kindes, oder Vertrauenspersonen. «Oft sprechen auch gerade Eltern vom schwarzen Mann, der auf der Strasse Kinder entführt», sagt Liniger. Dabei handle es sich bei sexuellem Missbrauch meist eben nicht um unbekannte Täter.

Im Rahmen des Parcours fand deshalb auch ein Informationsabend für die Eltern statt. Dabei sei es darum gegangen, eben gerade diese Thematik zu «enttabuisieren», erklärt der Schulsozialarbeiter. Eltern befassten sich mit den Themen Erkennen von sexuellem Missbrauch, und wie sie als Verantwortliche für die Kinder darauf reagieren. Dazu fand in den letzten zwei Wochen ebenso ein Weiterbildungstag für das Grenchner und Bettlacher Lehrpersonal statt.

Um das Thema unter die Leute zu bringen gab es diesen Mittwoch zudem eine Art Tag der offenen Tür. Eltern hatten die Möglichkeit, auch mit älteren Kindern, welche den Parcours selbst schon einmal absolviert haben, die Posten zu begutachten und Fragen dazu zu stellen.
In den Klassen selbst sei der Parcours sehr gut angekommen, erzählt Liniger. Idee der Posten sei nämlich eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema. So mussten Kinder beispielsweise Kärtchen legen. «Sie konnten viel selbst machen, das bereitete ihnen wirklich Spass.»

Rund 500 Grenchner und Bettlacher Primarschüler absolvierten so den Parcours der Stiftung Kinderschutz Schweiz in den vergangenen zwei Wochen. Dieser findet jeweils für Zweit- bis Viert-klässler statt, so dass ihn jeder Primarschüler einmal besucht hat.