CompiSternli
Kids unterrichten Senioren am Compi

Wie funktioniert jetzt das schon wieder mit den Mails? Antworten auf diese oder andere Fragen bekommen in Grenchen ältere Personen im generationenübergreifenden Computerkurs von Kids. Dieser findet grossen Anklang.

Lea Reimann
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Die CompiSternli geben den Seniorinnen Tipps – lustig und lehrreich geht es im Kurs zu und her.
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Compisternli in Grenchen: Die Jungen erklären wies am Computer funktioniert

Die CompiSternli geben den Seniorinnen Tipps – lustig und lehrreich geht es im Kurs zu und her.

Lea Reimann

Es herrscht emsiges Treiben im Ebosa-Gebäude. Die elf CompiSternli – Kinder zwischen zehn und elf Jahren – warten auf «ihre» Seniorinnen und Senioren, um mit ihnen in der nächsten Stunde gemeinsam am PC zu arbeiten. «Denkt daran, dass ihr laut und deutlich sprecht und nicht mit den Fingern erklärt», ermahnt Leiterin Tamara Sitter, und dann geht es auch schon los. Bereits zum dritten Mal trudeln die Kursteilnehmenden ein und setzen sich gemeinsam mit «ihrem» CompiSternli vor einen PC. Einige schalten ihn sofort ein, andere suchen noch etwas unbeholfen nach dem richtigen Knopf. Kursleiterin Tamara Sitter weiss: «Die Kursteilnehmenden sind alle über 55 Jahre alt, die Niveaus aber sehr verschieden.»

Lernen und lachen

«Wo kann ich meine Mails abrufen?», fragt eine soeben angekommene Frau als Erstes und öffnet zuerst einmal Google. Unter fachkundiger Anleitung von Svenja gelangt sie rasch in ihren Posteingang. Daneben fragt eine ältere Frau: «Wikipedia? Wie schreibt man das?» Sie lässt es sich erklären und sucht nach Informationen über die Stadt Grenchen. Einige arbeiten an den Aufgaben im Kursbuch weiter, andere stellen konkrete Fragen. Hier werden Sonderzeichen auf der Tastatur gesucht, dort Katzenbilder in ein Word-Dokument kopiert, und an einem anderen PC wird das eigene Haus in Google Earth gesucht.

Auch zu lachen gibt es einiges. «YB ist geil», wurde gerade in ein neues Worddokument eingetippt. Wahrscheinlich nicht vom Senior, sondern eher von den zwei CompiSternli neben ihm. «Jetzt kannst du die Schriftgrösse verändern», erklärt CompiSternli Keith und schlägt grinsend Schriftgrösse 3000 vor. Schnell wird klar, dass das nicht möglich ist: «Die Zahl muss zwischen 1 und 1638 liegen», heissts auf dem Bildschirm. Mit Kindern lernt man eben auch Dinge, die in einem herkömmlichen Computerkurs nicht zur Sprache kommen.

Ein bisschen Lehrer spielen

Dem zehnjährigen Joshua Kully gefallen die CompiSternli-Treffen, weil man ein bisschen Lehrer spielen könne. Schwierig sei allerdings, dass man nichts mit den Fingern auf dem Bildschirm zeigen dürfe. Eine Regel lautet nämlich, dass alles mit Worten erklärt werden soll. «Dafür braucht man viel Geduld, und die habe ich manchmal nicht so», räumt er ein.

Die Veranstalter vom Netzwerk Grenchen sind vom Anklang des Kurses überwältigt. «Sowohl bei den älteren Personen als auch bei den Kindern hatten wir zu viele Anmeldungen und konnten nicht alle berücksichtigen», sagt Kursleiterin Tamara Sitter. Nachdem die Kinder 22 Wochen lang jeweils einmal pro Woche ausgebildet wurden, haben sie nun achtmal mit den älteren Personen Unterricht. «Der Draht ist direkter», weiss Jérôme Schmid, der den Kurs mit Tamara Sitter gemeinsam leitet. «Man lässt sich von Kindern Dinge sagen, die man sich von Erwachsenen nicht sagen lässt.» Kindern gegenüber sei den Erwachsenen nichts peinlich, sagt Schmid, der beim Netzwerk auch gewöhnliche Computerkurse leitet.

Teilnehmerin Marlis Froitzheim bestätigt das. «Das ist eine super Sache.» Sie habe sich nach der Pensionierung einen Laptop gekauft, «und nun will ich noch einiges dazulernen!» Ausserdem schätze sie den Kontakt zu den Kindern. Mehr über den Computer erfahren wollte auch ihr CompiSternli Laura, deshalb hat sie sich angemeldet. Im 22-wöchigen Vorbereitungskurs habe sie viel Neues gelernt. «Nun kann ich sogar meinen Eltern helfen», schmunzelt die Schülerin.