Stadtbummel Grenchen
Keine Feier ohne Eier

Brigitte Stettler
Brigitte Stettler
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Ostereier

Ostereier

Bruno Kissling

Ostern ist vorbei, der Überhang an hart gekochten Eiern ist geblieben. Die tüchtige Hausfrau richtet dementsprechend am Dienstag nach Ostern Eierbrötli her, am Mittwoch kommt Eiersalat auf den Tisch und spätestens am Donnerstag tritt die Familie in den Eierstreik. Neue Rezepte müssen her und ich schaute mich bereits im Vorfeld nach Eieralternativen um. In einer Zeitschrift stiess ich auf drei Rezepte über drei Arten, Eier an Ostern anders zu geniessen.

Mir fiel sozusagen ein Ei vom Herzen, als ich diese las. Die Freude währte allerdings sehr kurz. Für die «klassische chinesische Eierblumensuppe» fehlten mir ausgerechnet die Korianderzweige, die mir bis dato zu meinem Leidwesen nicht eben bekannt vorkamen. Auch stellte sich nach präziserem Lesen des Rezepts heraus, dass man für die Eierblumensuppe frische und nicht hart gekochte Eier benötige, und so werde ich wahrscheinlich in nächster Zeit nicht in den Genuss dieser Suppe kommen.

Ich wandte mich dem zweiten Rezept zu, das eine persische Frittata beschrieb. Dummerweise fand ich in meiner Gemüseschublade die zur Herstellung dringend benötigten 700 g Mangold und die 50 g Dillblätter nicht, geschweige denn die 8 frischen Eier. Ich war lediglich stolze Besitzerin von 14 gekochten Eiern, mit denen ich momentan überhaupt nichts mehr anzufangen wusste.

Über die Ostertage hat man mit so manchen Freunden und Bekannten ein Ei getütscht, hat sich gefreut, dass ein «Champion-Ei» dabei war, unbesiegbar quasi, hart wie Stein. Vorsorglich hat man sich auch über die Verwendung der Rest-Eier Gedanken gemacht. Man könnte die Eier tief im Garten vergraben, schlug jemand vor, und nach Jahrhunderten würden unsere Nachfahren sie ausgraben, bestaunen, als mystische Zeichen erklären oder gar als neues Zahlungsmittel benützen. Man könnte auch jedem, der sich neu in Grenchen niederlässt, ein wunderschön geschmücktes Osterei schenken oder auch deren zwei. Diese Aktion wäre allerdings zeitlich äusserst beschränkt.

Eine andere Möglichkeit wäre die sogenannte Eier-Nachtütschete auf dem Märetplatz. Fröhliches Volk fände sich dort ein, Grenchner Bier würde ausgeschenkt und übrig gebliebene Eier wären kein Thema mehr, im Gegenteil. Auch über unsere Stadtgrenze hinaus würde allenthalben von der überaus originellen und sehr speziellen Grenchner Eier-Nachtütschete berichtet, die der Jurasonnenseite mehr als nur alle Ehre machen würde.

Eier eignen sich allerdings auch hervorragend zum Verstecken, im schlimmsten Fall, ohne jemals wiedergefunden zu werden. Als meine Grossmutter einmal mein Osternest versteckte und in Gottes Namen nicht mehr wusste wo und wir stundenlang vergeblich, ich tränenüberströmt und sie verzweifelt nach diesem Nest suchten, so etwas vergisst man nie. Vor allem dann, wenn es nie wieder gefunden wurde. Bekannt ist da und dort auch die Eier-Aufwerfete. Man schiesst das Ei in die Luft, wer es fängt, hat Glück gehabt, kaputte Eier, so lautet die Regel, müssen an Ort und Stelle aufgegessen werden. Dieser Brauch vermag verständlicherweise nicht bei jedermann Begeisterung auszulösen.

Eine letzte Möglichkeit, die Ostereier doch noch zu verwerten, ist eigentlich die naheliegendste. Man lädt ganz einfach auch in den Tagen nach Ostern noch Besuch ein, und wenn dieser sich verabschiedet, so gibt man ihm noch ein paar Eier mit auf den Heimweg. Wetten, dass kein wohlerzogener Gast bei diesem grosszügigen Angebot nein sagen kann?

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