Schulferien
Kein Verständnis für lange Sportferien

Dass die Stadt Grenchen wieder zu zwei Wochen Sportferien wechselt, provoziert nicht nur Behörden sondern auch Politiker.

Patrick Furrer
Merken
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

Was nach einem unausweichlichen Schritt im Zuge diverser Harmonisierungen im Schulbereich aussieht, ist für viele nun ein grosses Ärgernis: Letzte Woche entschied der Grenchner Gemeinderat, den städtischen Ferienplan dem kantonalen anzupassen. Ab Schuljahr 2012/2013 wird es damit wieder jeweils zwei Wochen Sport- und zwei Wochen Frühlingsferien geben – ein Modell, das bereits von 2006 bis 2008 bestand, aufgrund einer Elternumfrage im Jahr 2007 allerdings wieder gekippt wurde. Teilgenommen hatten 1295 Eltern und 143 Lehrkräfte.

Das Elternforum Eichholz hatte damals zusätzliche eine Umfrage gemacht. «Die Mehrheit war damals klar für das Modell 1:3», sagt Philippe Zoss, der für die Administration zuständig ist. Persönlich sei er der Ansicht, dass das Modell 1:3 besser wäre. «Im Frühling hätten die Familien und die Kinder mehr davon, dann können sie auch ins Freie gehen.»

Interpellation eingereicht

Ausserdem sei es wenig sinnvoll, so kurz nach den Weihnachtsferien schon wieder zwei Wochen freizuhaben, denn seit der Einführung des Gesamtarbeitsvertrags für die Solothurner Schulen sind zweiwöchige Weihnachtsferien fix definiert. Gleich argumentierte vor dem Entscheid schon die Geschäftsleitung der Schulen Grenchen. Und jetzt nimmt das auch der Grenchner CVP-Kantonsrat Peter Brotschi auf. Er hat eine Interpellation eingereicht, mit der er erreichen will, «dass die Sache à fond angeschaut wird.» Brotschi will in seiner Interpellation unter anderem vom Regierungsrat wissen, ob dieser bezüglich der Sportferien eine regionale Lösung nicht zweckmässiger findet als eine gesamtkantonale, und welche Gründe jeweils für die beiden Modelle sprechen.

Kantonsrätin und Gemeinderätin Clivia Wullimann (SP) unterstützt die Interpellation. Aus pädagogischer Sicht würden zwei Wochen Sportferien keinen Sinn machen, argumentiert sie. «In den Sportferien sitzen viele Kinder sowieso nur zu Hause und vor dem Fernseher. Und wer kann sich heute noch zwei Wochen Skiferien leisten?», fragt Wullimann. Sie selbst war an der entscheidenden Gemeinderatssitzung entschuldigt, wurde im Nachhinein aber von vielen Grenchnern darauf angesprochen. «Die Leute verstehen nicht, warum die Elternbefragung von 2007 so ignoriert wird. Aber ich verstehe, dass jetzt viele denken: Die Politiker machen sowieso, was sie wollen.»

In Bettlach passt man sich an

In Bettlach wird der Gemeinderat an einer der nächsten Sitzungen über die Ferienplanung befinden. Für Schulverwalterin Anita Tschanz wird das eine unspektakuläre Sache. «Wir haben uns immer nach Grenchen orientiert.» Beide Modelle hätten Vor- und Nachteile. Auch zwei Wochen Sportferien seien vertretbar, zumal dies für Bettlacher und Grenchner Kantons- und Berufsschüler schon seit Jahren gelte. Auch Schulleiter Markus Flury sagt: «Der Entscheid in Grenchen ist in unserem Sinne.» Es sei zwar heikel, gibt Flury zu, dass in Grenchen entgegen dem Umfrageergebnis entschieden wurde. Das sei aber auch verständlich. Schliesslich fiel das Umfrageergebnis 2007 in Grenchen mit 61 Prozent für das Modell 1:3 weitaus klarer aus als das in Bettlach mit knappen 53 Prozent.