Bildung
Kein Mangel an gut qualifizierten Sporttalenten

20 Knaben und Mädchen besuchen ab August die neu geschaffene Talentförderklasse Sek E und Sek B im Solothurner Schützenmattschulhaus. Interesse bekundet haben sogar fast doppelt so viele.

Elisabeth Seifert
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Mit dem neuen Schuljahr startet in Solothurn die kantonsweit erste Talentförderklasse Sek I.

Mit dem neuen Schuljahr startet in Solothurn die kantonsweit erste Talentförderklasse Sek I.

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«Wir waren überrascht von der Anzahl der Anmeldungen, gerade auch aufgrund der sehr kurzfristig erfolgten Kommunikation», betont Stefan Kohler gegenüber dieser Zeitung. Der Schulleiter im Schützenmattschulhaus in Solothurn trägt wesentlich die Verantwortung für die neu geschaffene Talentförderklasse auf der Sekundarstufe I. 37 sportliche Hoffnungsträger aus dem ganzen Kanton Solothurn sowie angrenzender Berner Gemeinden meldeten ihr Interesse an, 25 Knaben und Mädchen erfüllten sämtliche Anforderungen. Die Klassengrösse in der Talentklasse ist aber auf maximal 20 Schüler beschränkt. Die übrigen fünf figurieren auf einer Warteliste.

Innert kürzester Zeit haben die Stadt Solothurn und der Kanton ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet. Druck gemacht hatte das vor einigen wenigen Monaten gegründete Leistungszentrum Solothurn (LZSO). Ende März erst wurde das Angebot bekannt, Anfang April erfolgte die Elterninfo. Und ab August ist es jetzt also so weit: 14 Buben und 6 Mädchen werden im Schützenmattschulhaus die Talentklasse Sek I besuchen, die in den zwei Niveaus Sek E (Erweiterte Anforderungen) und Sek B (Basisanforderungen) geführt wird. Bei drei Schülern brauchts allerdings noch eine Kostengutsprache des Kantons Bern.

Gut die Hälfte sind Fussballer

Die kantonsweit erste Talentförderklasse Sek I ist neben der Sonderklasse Sport an der Kanti Solothurn ein weiterer wichtiger Pfeiler in der kantonalen Sportförderung. Grundsätzlich steht die Talentförderklasse – wie ihr Pendant auf Gymnasialstufe – auch musikalisch besonders begabten Jugendlichen offen. Beworben hat sich aber lediglich ein junger Tambour, der sich aber schliesslich für eine andere Lösung entschlossen hat.

Überrascht ist Stefan Kohler neben der Anzahl Anmeldungen auch von der sportlichen Qualifikation sämtlicher Interessenten: «Alle können im Minimum als regionale Talente bezeichnet werden, wir konnten deshalb mühelos eine Klasse zusammenstellen.» Die überzeugenden sportlichen Qualitäten haben, so Kohler, wesentlich damit zu tun, dass im Raum Solothurn in den letzten Jahren in diversen Sportdisziplinen professionelle sportliche Förderstrukturen entstanden sind; vor allem im Fussball, bei den Kunstturnern und im Bereich Mountainbike. 17 der 20 Schülerinnen und Schüler der Talentförderklasse gehören denn auch einer dieser drei Sportdisziplinen an. «Die räumliche Nähe von Trainingsort und schulischem Angebot ist ideal», betont Schulleiter Kohler, selbst ein leidenschaftlicher Sportler.

Mit neun Schülern und zwei Schülerinnen besonders stark vertreten ist die Gruppe der Fussballtalente. Die Knaben gehören zur U13-Mannschaft des FC Solothurn – und sind damit Teil eines Regionalkaders des Kantonalverbandes. Regionalkaderstatus haben auch die zwei Fussballerinnen, die beide in Selzach trainieren. Von den drei Kunstturnern gehören zwei ebenfalls zu einer Regionalauswahl, ein Schüler ist Mitglied des erweiterten Nationalkaders und im Besitz einer Talentkarte. Über eine solche verfügt auch einer der insgesamt drei Mountainbiker, die anderen beiden warten mit guten Wettkampfresultaten auf. Schweizer Meisterin in ihrer Kategorie ist eine junge Tänzerin. Eine Leichtathletin und eine Volleyballerin schliesslich verfügen über Talentbescheinigungen ihrer jeweiligen Regionalverbände.

Talentschmiede Leistungszentrum

Für die Beurteilung der sportlichen Qualifikation ist die kantonale Sportfachstelle zuständig. «Unsere Kriterien entsprechen dabei jenen, die von Swiss Olympic festgelegt werden», unterstreicht Philipp Heri, Beauftragter für Bewegung und Sport bei der Sportfachstelle. Und das heisst: Die jungen Leute müssen über einen Talentausweis auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene verfügen, und mindestens während zehn Stunden pro Woche trainieren. Wie bereits erwähnt, gehört der grösste Teil der Talentförderklasse einer Regionalauswahl an. «Unser Ziel ist es aber, in den nächsten Jahren den Anteil der nationalenTalente zu steigern», lautet die durchaus ehrgeizige Ansage von Stefan Kohler. Er setzt dabei ganz auf die Talentschmiede Leistungszentrum Solothurn (LZSO), das derzeit damit beschäftigt ist, in mehreren Disziplinen professionelle Förderstrukturen aufzubauen.

Individualisierter Unterricht

Auch wenn sich die 20 Talentklassenschüler allesamt auf die Sek E und Sek B verteilen, steht das Angebot grundsätzlich auch Interessenten der Sek P (Progymnasium) offen, hält Stefan Kohler fest. «Aufgrund eines stark individualisierenden Unterrichts können wir auf verschiedene Niveaus eingehen.» Unterrichtet werden pro Woche 25 Pflichtlektionen; in aller Regel am Vormittag, damit genügend Zeit fürs Training bleibt. Hinzu kommen – maximal – acht Förderlektionen, die an den Schwächen oder eben auch Stärken der einzelnen Schülerinnen und Schüler ansetzen.

Dieser Förderunterricht kommt auch dann zum Zug, wenn die jungen Spitzensportler aufgrund von Wettkämpfen längere Absenzen zu verzeichnen haben. Kohler: «Unser Ziel ist es, dass die Schüler durch diese individuelle Förderung möglichst schnell wieder den Anschluss schaffen.» Eine zentrale Rolle spielt in der Talentförderklasse das selbstständige Lernen, auch unter Einbezug von E-Learning. Keinesfalls, so Kohler, darf die Talentförderklasse den regulären Klassen hinterherhinken: «Am Ende des ersten Semesters planen wir deshalb vergleichende Tests.»