Als ich diesen Titel für meine Kolumne ausgewählt hatte, stellte ich mir vor, wie unser Kanton heute dastehen würde, wenn dieser Grenchen statt Solothurn heissen würde. Ein sicherlich etwas absurder Gedanke, welcher mich aber nicht mehr losliess. Als Hauptstadt im Kanton Grenchen wäre Grenchen wohl nicht diese innovative und interessante Stadt, wie sie sich heute präsentiert. Keine Visionäre hätten ihre Ideen umgesetzt und sich für schier unmögliche Errungenschaften in schwierigem Umfeld eingesetzt.

Grenchen hätte nicht die rasante Entwicklung vom Bauerndorf zur Industriestadt durchgemacht. Das Grenchner Gedankengut hätte sich nicht so positiv entwickeln können, um sich offen und mit der nötigen Weitsicht in die Zukunft zu bewegen. Grenchen hätte sich auch nicht ständig, in wirtschaftlich schlechten Zeiten, behaupten und neu erfinden müssen. Grenchen hätte auch nicht für seine Rechte einstehen und kämpfen müssen, um so seine Eigenständigkeit zu erhalten. Wir wären ja die Kantonshauptstadt, mit sämtlichen Vorzügen und Privilegien, die eine Stadt mit hohem Stellenwert, so mit sich bringt.

Aber bin ich froh, dass die Geschichte anders herum geschrieben wurde. Grenchen ist Grenchen und steht eigenständig auf seinen Grundpfeiler des Erreichten und Realisierten. Auch wenn Wirtschaftskrisen in unserer Stadt immer wieder ihre Spuren hinterlassen haben. Wie sich Grenchen im 20. Jahrhundert zu einer Industriemetropole entwickelt hat, kann im Buch «Der Uhrenpatron» von Bettina Hahnloser nachgelesen werden.

Wir müssen uns nicht verstecken. Müssen auch das Erarbeitete und Erreichte nicht aufgeben. Dürfen uns auf unsere Qualitäten beziehen; und diese sind in einem grossen Ausmass vorhanden. Wir müssen nur die Augen öffnen, erkennen und verstehen.

Viele Projekte in unserer Stadt sind zur Qualitätsverbesserung in der Pipeline oder kurz vor der Umsetzung: Bahnhof Süd, Neugestaltung und Busumsteigeplatz, nötige Sanierung von diversen Strassenabschnitten, Umzug Stadtbibliothek in alte Turnhalle, Beteiligung am neuen Turnerstadion etc. Dies sind nur ein paar der wichtigsten Projekte. Notabene Projekte, welche in einer wiederum finanziell schwierigen Zeit realisiert werden.

Wir müssen als Arbeits- und Wohnstadt attraktiv bleiben und finanzielle Engpässe überwinden. Dies geht nur mit grossen Anstrengungen in Form eines sparsamen Finanzhaushaltes, aber auch Attraktivitätssteigerung gegenüber neuen Steuerzahler. Unsere Stadt muss nicht nur auf der Seite der juristischen Personen den Steuerertrag steigern können, sondern vor allem bei den natürlichen Personen. Grenchen muss begehrenswert für Neuzuzüger und Neuansiedlungen werden. Arbeiten und Wohnen in der gleichen Stadt muss das Motto lauten. Jeder Einwohner und Steuerzahler hat auch eine gewisse Eigenverantwortung gegenüber unserer Stadt. Es darf uns nicht gleichgültig sein, wie Grenchen sich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Wir tragen alle unseren Beitrag dazu.

* Alex Kaufmann, Gemeinderat SP, Fraktionschef