Pistenverlängerung Grenchen
Kantonale Stellen gegen Piste: Auch Ämter gehen auf Distanz

Noch immer schweigt sich die Solothurner Regierung aus, wenn es um ihre konkrete Haltung zur Grenchner Pistenverlängerung geht.

Lucien Fluri
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Reicht die heutige Pistenlänge? Im Herbst entscheidet die Regierung.

Reicht die heutige Pistenlänge? Im Herbst entscheidet die Regierung.

Simon Dietiker

Die Devise ist klar: Die Regierung will die laufenden Konsultationsgespräche und die Vernehmlassung abwarten. Auf deren Basis soll im Herbst der Entscheid fallen, ob das Hauptprojekt Pistenverlängerung überhaupt je angegangen wird.

Trotz der Zurückhaltung der Regierung: Inzwischen haben sich kantonale Stellen gegen das Projekt ausgesprochen. Das zeigt das Protokoll zur zweiten Gesprächsrunde. Dieses steht nun im Internet, wie das Regionaljournal Aargau-Solothurn am Donnerstag meldete. Das Protokoll dokumentiert die Gespräche der zweiten und letzten Gesprächsrunde zwischen Initianten und Behörden sowie Gemeinden und Organisationen.

Spielraum bleibt

Abgelehnt wird das Projekt demnach sowohl von der kantonalen Fachstelle für Natur und Landschaft als auch von der Fachstelle für Landwirtschaft. Allerdings schlagen beide die Türe nicht völlig zu, sondern lassen einen Spielraum bei genügend Ausgleichsmassnahmen.

Der Eingriff in die Witischutzzone führe zur Zerschneidung eines grossflächigen Lebensraumes, werden im Protokoll die kantonalen Fachstellen zitiert. Mit den vorgeschlagenen Ausgleichsmassnahmen könne dieser Eingriff zwar etwas gemildert werden, das Projekt stehe aber im Widerspruch zu den bisherigen Erhaltungs- und Aufwertungsmassnahmen der öffentlichen Hand in diesem Gebiet. «Diese Bemühungen dürfen nicht durch neue Belastungen infrage gestellt werden.» Sollte am Projekt festgehalten werden, werden Kompensationsmassnahmen gefordert. Und auch dabei zeigen sich die Spezialisten nicht mit allen bisherigen Vorschlägen des Kantons einverstanden. Es werden zusätzliche Abklärungen gefordert.

Auch das Amt für Landwirtschaft stellt «schwerwiegende Auswirkungen» bei einer Pistenverlängerung fest. Die Fachstelle «beantragt, auf das Projekt zu verzichten». Andernfalls seien «im Rahmen einer landwirtschaftlichen Planung verträgliche Lösungen zu suchen».

Knackpunkt ist offenbar, wie der Verlust landwirtschaftlicher Flächen kompensiert würde. Die Stadt Grenchen stellt im Protokoll jedenfalls klar, dass die «vorgeschlagene Kompensation durch einen Verzicht auf die Reservezone Arbeiten keine Option» sei. Ersatzmassnahmen zu finden, wird im Protokoll als «wesentliches Projektrisiko» bezeichnet.

Bessere Zahlen liegen vor

Ansonsten zeigt das Protokoll vorwiegend die bisherigen Fronten auf: Auf der einen Seite stehen die Projektgegner wie die Gemeinde Selzach und die Umweltverbände. Sie finden den Einschnitt zu schwerwiegend und befürchten in Sachen Lärm oder Naturschutz zu gravierende Folge. Auf der anderen Seite steht die Regionalflugplatz Grenchen AG als Betreiberin des Flughafens. Sie betont die wirtschaftliche Notwendigkeit und hat in diesem bisher oft kritisierten Punkt nachgebessert: Sie legt Zahlen vor und spricht von rund 20 neuen Arbeitsplätzen bis 2025 – und rechnet mit einer höheren direkten volkswirtschaftlichen Wertschöpfung am Airport (neu 28 Mio. Franken statt 25 Mio. jährlich).
Neben den offiziellen Konsultationsgesprächen ist derzeit im Kantonsrat ein Volksauftrag hängig, der sich für den «ungeschmälerten Schutz der Witi» einsetzen will. Würde der Kantonsrat diesem in der schärfsten vorgeschlagenen Version zustimmen, wäre das Projekt Pistenverlängerung wohl definitiv zum Scheitern verurteilt. Die Gemeinde Selzach hat dafür schon mit dem Lobbyieren begonnen: Dem Vernehmen nach lud die Gemeinde kürzlich die Kantonsräte zum Parlamentarierfrühstück in Sachen Pistenverlängerung ein.