FDP Grenchen
Kandidatur fürs Stadtpräsidium: Partei hadert mit Vorstandsentscheid

Die Parteiversammlung der FDP Grenchen war uneins: Wer soll für das Amt des Stadtpräsidents kandidieren und Boris Banga angreifen – der jetzige Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi oder doch François Scheidegger?

Patrick Furrer
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Welcher FDP-Kandidat greift Stapi Boris Banga an?

Welcher FDP-Kandidat greift Stapi Boris Banga an?

AZ

Wenn zwei sich freuen, ärgerts den dritten: Während Alexander Kohli, Präsident der FDP Stadt Grenchen, auf seinen Favoriten, Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi setzt, kommt sowohl in freisinnigen Reihen wie auch bei SVP, CVP und GLP Unmut darüber auf, dass deren Wunschkandidat François Scheidegger auf der Strecke bleibt. Auf einschlägigen Internetplattformen ist bereits eine in Grenchen nicht neue Form des Wahlkampfes im Gange, nämlich die Schlammschlacht mittels anonymer Kommentare. An der FDP-Parteiversammlung von Donnerstag mussten sich Kohli und der Vorstand der Kritik aus den eigenen Reihen stellen.

Alexander Kohli

Alexander Kohli

Alexander Kohli: «Die FDP ist nicht tot, sie hat noch Potenzial»

Nebst der Nachricht über die Wahl von Hubert Bläsi als möglicher Stadtpräsidentenkandidat, gab sich Alexander Kohli weiter kämpferisch und optimistisch. In seinem Jahresbericht wies der Präsident unter anderem auf die von der FDP eingereichte Petition «Eine Schule - ein Chef» hin. «Das Thema hat sich noch nicht beruhigt, deshalb werden wir mit einer Interpellation nachfragen», kündigte er an. Auch im überarbeiteten Strategiepapier, dem «Strausak-Papier» hält die FDP Grenchen fest, dass sie das Schuldirektorenmodell dem heutigen vorzieht. Kohli wies auf weitere Höhe- und Tiefpunkte des Jahres 2011 hin, wie die «ernüchternden» Wahlen, als Grenchens FDP einmal mehr übergangen worden sei, den Kunstrasen, das Velodrome und die Höhere Fachschule für Technik. Unter dem Traktandum Verschiedenes stellte Kohli im Zusammenhang mit der StoppBürokratie-Initiative der FDP ausserdem fest, dass die Partei bestimmt nicht tot sei. «Diese Partei hat noch Potenzial».

Aktuell zählt die FDP Grenchen rund 358 Mitglieder. Im letzten Jahren waren 20 Verluste (14 Todesfälle) und ein Eintritt zu verzeichnen.

Der Jahresbericht des Präsidenten wurde einstimmig genehmigt, ebenso Rechnung, Revisorenbericht, Budget und Jahresprogramm. Für die Wahlen 2013 hat die FDP einen Wahlausschuss gebildet, der sich aus Maria Lo Guidice, Raphaël Pilloud, Konrad Schleiss und Alexander Kohli zusammensetzt. (fup)

Mitglieder nicht einverstanden

Aus der Runde tauchte aber die Befürchtung auf, dass die Partei riskiere, dass ihre Stimmen gespalten werden, auch, weil Aussteiger Eric von Schulthess angekündigt habe, nicht gegen Scheidegger, aber wohl gegen Hubert Bläsi anzutreten. «Steht denn François Scheidegger definitiv nicht mehr zur Verfügung?», wurde gefragt. Worauf Scheidegger der Versammlung erklärte, dass er sich ohnehin lange überlegt habe, eine Kandidatur überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Hubert Bläsi

Hubert Bläsi

AZ

Zwar sichtlich enttäuscht aber deutlich führte er aus, dass er sich an die Abmachungen mit dem Vorstand halte: «Ich stehe nicht zur Verfügung.» Hubert Bläsi dankte Scheidegger für dessen loyale Haltung. Erst im Nachgang zur Versammlung erklärte Scheidegger gestern, dass er zwar nicht zur Verfügung stehe, sich die Sache aber eventuell noch einmal überlegen würde. Dies dann, wenn der Vorstand wider seine Erwartung die Kandidatur in Wiedererwägung ziehen und doch noch zwei Vorschläge zuhanden der Nominationsversammlung präsentieren würde.

Mit Gewissen vereinbaren

Es war Alt-Kantonsrat Hans Graf, der schliesslich erklärte, er werde sich vorbehalten, François Scheidegger gleichwohl an der Nominationsversammlung vorzuschlagen. «Eine Nominationsversammlung muss auch entscheiden können.» Einige sahen es ähnlich, wieder andere nicht.

François Scheidegger

François Scheidegger

bar

Alexander Kohli erklärte schliesslich, die Nominationsversammlung sei offen, jeder könne Vorschläge machen. «Wer zum Steigbüglehalter der SP werden will, muss das mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren.» Kandidat Hubert Bläsi seinerseits erklärte, dass er Angst habe. «Angst, dass wir uns nicht einig sind» und noch vor der Versammlung im Mai die Leute fertiggemacht würden. Er wäre froh, wenn er die Unterstützung der Partei hätte. «Aber», sagt auch er, «die Gedanken sind frei.»Kommentar rechts