Grenchen

Kaffee und Apéro dienten als «Lockvogel» für den Sonntagsverkauf

Gedränge sieht anders aus: Der Grenchner Marktplatz am Sonntagnachmittag.

Gedränge sieht anders aus: Der Grenchner Marktplatz am Sonntagnachmittag.

Von Hektik keine Spur: Der Kundenansturm blieb am Sonntag in Grenchen aus – dafür waren die einzelnen Kunden König.

Die Weihnachtstage stehen vor der Türe. Letzte Gelegenheit für Geschenkemuffel, sich noch mit Präsenten einzudecken oder aber den Festtagsschmaus zu besorgen. Da kommen die traditionellen Sonntagsverkäufe wie gerufen. Die Ladenbesitzer erhoffen sich dadurch einen letzten Kundenschub kurz vor den Feiertagen.

Nebst diversen Kleingeschäften öffneten auch die Grossverteiler, wie zum Beispiel Coop, Tür und Tor. Jedoch, die Regale sind zwar prall gefüllt, die Gänge hingegen wirken zeitweise wie leergefegt. Das gleiche Bild bietet sich an der Kasse. Von langen Anstehzeiten kann keine Rede sein. Hie und da erblickt man einen Kunden mit einem Grosseinkauf, doch auch hier von Hektik keine Spur. Die wenigen Kassen, welche offen sind, wickeln die Geschäfte in aller Ruhe ab, sodass dabei noch Zeit für das eine oder andere kurze Schwätzchen mit dem Kunden bleibt.

Nicht besser sieht die Situation auf dem Marktplatz aus. Ab und zu huschen vereinzelte Gestalten vorbei, doch im Grossen und Ganzen herrscht auch hier gähnende Leere. Wer am Sonntag in der Uhrenstadt noch letzte Besorgungen zu erledigen hatte, konnte es gelassen angehen – sehr gelassen.

Leere – trotz Kaffee und Apéro

Doch gerade diese Gelassenheit wollen sich die hiesigen Geschäfte zunutze machen. Indem der Kundschaft ein ruhiges und vor allem persönliches Einkaufen, weit ab vom herkömmlichen Weihnachtsstress, geboten werden soll. So offerieren viele Geschäfte ein Apéro oder Kaffee und Kuchen, um ihren Kunden ein nicht alltägliches Einkaufserlebnis zu bieten.

Die Illusion vom grossen Weihnachtsgeschäft macht sich in Grenchen an den beiden Verkaufssonntagen hingegen niemand. Jeder weiss um die «Bedrohung» durch die beiden Nachbarstädte, die an den gleichen Tagen ebenfalls die Geschäfte geöffnet haben und die Kundschaft deutlich besser zu mobilisieren wissen. «Wem es nur ums Shoppen geht, der geht entweder nach Solothurn oder nach Biel», erklärt Carmen Leimer von der Boutique «Olivia – Mode für die Frau».

Wer allerdings die Ruhe suche, der sei in Grenchen bestens aufgehoben. Eine Kundin pflichtet dieser Aussage bei und ergänzt: «Hier ist alles etwas gemütlicher und familiärer.» Wenn es rein um die Rendite gehen würde, würde Leimer ihr Geschäft an den beiden Sonntagen nicht öffnen. Trotzdem möchte die Boutiquebetreiberin nicht darauf verzichten, denn es sei auch eine Belohnung für die Stammkunden und es gehöre halt einfach zum Service dazu.

Mehr Zeit für die Kundschaft

«Wir sind mit wenig zufrieden», sagt Christine Bögli schmunzelnd. Denn auch im «claro Fair Trade» ist der Kundenfluss eher «tröpfelnd» verlaufen. Oftmals ist es für die beiden Verkäuferinnen zwar ein längeres Warten bis jemand erscheint, aber dafür habe man dann mehr Zeit für jeden einzelnen Kunden.

Was wiederum von der Kundschaft sehr geschätzt wird. «Wenn wir nicht geöffnet hätten, dann würden wir gar nichts verkaufen», so Bögli. Jene, die kommen, würden dafür gleich in grösseren Mengen einkaufen. Markus Arnold von der dropa Drogerie sagt ebenfalls, dass Sonntagsverkäufe in Grenchen «nicht immer einfach» seien.

Dennoch sieht er sein Ziel erreicht. «Wir konnten unsere Kunden verwöhnen», erklärt Arnold. Mit einem reichhaltigen Apéro-Buffet lockte die Drogerie ihre Klientel an und lud ein zum Verweilen. Denn auch hier setzt man ganz auf die Karte stressfreies Einkaufen. «Der Weihnachtseinkauf muss nicht verbunden sein mit einem
24-stündigen Anstehen an der Kasse», so Arnold.

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