Grenchner Kleintheater

Kabarettist Marco Tschirpke: Keck, direkt, mit Fingerspitzengefühl

Das Klavier – für Marco Tschirpke ein wichtiger Teil der Inszenierung.

Das Klavier – für Marco Tschirpke ein wichtiger Teil der Inszenierung.

Mit seiner eigens kreierten Gattung, den Lapsusliedern, trat der deutsche Kabarettist Marco Tschirpke am Samstag auf die Bühne des Kleintheaters in Grenchen.

Mittels kecken Worten, Klavierspiel und Gesang schaffte es Marco Tschirpke, seine zahlreichen Pointen auf den Punkt zu bringen. Der Auftritt gliederte sich in viele schnelle Wechsel, die sich bereits in der Definition seiner Lapsuslieder finden liess. Jene wirkten aufgrund ihrer Prägnanz und ihrer überraschenden Wendungen. Auch die angesprochenen Motive und Musikstücke des Künstlers wurden jeweils kurz gehalten und manchmal auch nur angeschnitten. So konnte es vorkommen, dass Marco Tschirpke von einer ruhigen Melodie plötzlich in ein aufgewecktes Stück wechselte. «Im Leben gibt es halt auch keinen roten Faden», erklärte er den Zuschauern bereits nach den ersten Minuten.

Eine gute Inszenierung

Durch treffende Wortspiele und unerwartete Wendungen regte Marco Tschirpke in seinem Programm «Flügelstürmer» das Publikum des Kleintheaters zum Lachen und auch zum Nachdenken an. Er erzählte von einer bestellten Garnitur Esel, sang ein Lied über Frauen, die sich durch Piercings verunstalteten, und liess wider der Zuschauererwartung einige Pointen unvollendet. Das Klavier war in seiner Inszenierung ein wichtiges Mittel: Er spielte Melodien von Balladen zu Jazz und Boogie.

In seiner Vorstellung zeigte er eine Auswahl seiner Eindrücke vom gegenwärtigen Alltag auf, den er auch hin und wieder mit der Vergangenheit verschmelzen liess. Diese Vermischung stellte auch den Beginn des Auftrittes dar, bei welchem er in einem Gedicht eine Bildbetrachtung in einem Museum beschrieb. Durch seine ruhige Lesart brachte er den Zuschauern die Szene vor Augen, in der er ein Gemälde aus dem sechzehnten Jahrhundert betrachtete. Am Ende löste er den Alarm aus, da er die auf dem Bild sitzende Fliege zu töten versuchte.

Bezug zum Publikum

Die Vorstellung zeigte das Talent und das Niveau des Künstlers. Bereits in der Beschreibung der Aufführung wurde angekündigt, dass Marco Tschirpke Erwartungen an das Publikum stellte. Sein Ziel war, Menschen mit Lebenserfahrung anzusprechen. Inzwischen steht er seit knapp zehn Jahren auf der Bühne und führte in dieser Zeit drei Programme auf. Dabei hält er sich jedoch nicht streng an einen Ablauf. Je nach Aufführungsort baut er andere Lieder ein und zeigt auch, dass er sich im Improvisieren versteht. Im Kleintheater entwickelte er zum Beispiel durch die drei vom Publikum eingeworfenen Ausdrücke «Koch», «Hauptgewinn» und «Steuerflucht» zwei kurze, gelungene Nummern. In letzterer beschrieb er eine Sequenz mit dem Titel «Hauptgewinn», in der der Ehemann aufgrund des Staus am Steuer flucht.

Mit seiner ruhigen, aber direkten Art stellte Tschirpke den Bezug zum Publikum her, wobei er nicht an lauten Überlegungen über Grenchen sparte und Fragen zur Stadt stellte. Niemand störte sich daran, dass er sich über alles und jeden lustig machen konnte. Unter den Opfern befand sich auch das Fondue, das er als ein «gemeinschaftliches Fischen im Trüben» bezeichnete. Sogar seine Familie liess er bei seinen Witzen nicht aus. Der Auftritt kam bei den Zuschauern gut an, die sich eine Zugabe ergatterten und von denen manche nach der Vorstellung das Buch des Künstlers kauften. Gelobt wurden das Niveau, die feine Art und das Fingerspitzengefühl des Kabarettisten.

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