20.30 Uhr: Kurzer Blick nach draussen, noch sind die Massen nicht gekommen. Dabei haben sich die Mitglieder der Astrogruppe Jurasternwarte Grenchen (AJUG) auf einen Grossandrang eingestellt.

Die Temperaturen mild, der Himmel fast wolkenlos, leichter Wind, der über den Kamm zieht. Doch Stiftungspräsident Hugo Jost weiss, in einer halben Stunde können sich draussen vor der Sternwarte schon viel mehr Himmelgucker eingefunden haben.

Von Freitag bis Sonntag öffnen Jost, seine Frau, die Tochter und Mitglieder der Astrogruppe Dach und Türen des renovierten Hauses auf 1300 Metern über Meer. Während einer Stunde führen sie durchs Labor, aufs Dach und in den Besucherraum und zeigen, was in der Sternwarte auf dem Unteren Grenchenberg nachts und tagsüber vor sich geht.

Krater so gross wie Länder

20.35 Uhr: Ein Ehepaar und eine Familie mit zwei Kindern folgen Jost in das Labor, einen kleinen Raum im Erdgeschoss. Fotoaufnahmen des Mondes prangen auf Fernsehbildschirm oder an den Wänden. Jost will keine abstrakte Astrologie vorstellen, «sondern Aspekte, worunter sich die Leute etwas vorstellen können.»

Denn es ist schwierig, Dinge zu erkennen, ist man das Beobachten nachts nicht gewohnt. Der Mond zieht die Menschen in seinen Bann, Krater so gross wie ganze Länder, Risse in der Form von Bächen und Gräben – da kommt sogar Jost ins Schwärmen.

Er erzählt, dass man von Auge immer nur die eine Seite des Mondes sehen könne. Wegen der Rotation. Dass die Vollmonde im Sommer nur kurz seien, weil sie tief stünden. Eine rote Linie auf dem Bildschirm zeigt die Grösse eines Mini-Kraters in der Mondlandschaft. 32 Kilometer lang. Die Distanz zwischen Grenchen und Bern.

Nach einer schmalen Wendeltreppe wartet auf dem Dach der Höhepunkt der Führung. Hier stehen die grossen Geräte: Ein 50-Zentimeter-Spiegelteleskop, das durch ein eigenes Fundament im Felsen fixiert ist.

Eine Kamera mit Linsenfernrohr, die einer riesigen Kanone gleicht. Sie wird bald abgebaut, ihre Technik ist längst überholt, digitale Fotos sind an diesem Gerät nicht möglich. Mit einem Laserpointer führt Markus Herrmann die Besucher durch den Himmel, umkreist die Sternbilder, die immer deutlicher im schwarzen Nachthimmel hervortreten. Der Sommerhimmel. Schon bald wird er den Wintersternzeichen weichen.

Im Winter ist die Sicht am besten

21.10 Uhr: Der Jupiter wird erst in anderthalb Stunden aufgehen. Schade. Doch der Mond, betrachtet durch das Spiegelteleskop mit 6000 Millimeter Brennweite, ist eindrücklich, seine Oberfläche mit ihren Furchen und Kratern wirkt wie ein gelber Schwamm.

Auch durch den Feldstecher mit Bildstabilisator wirken die Konturen noch scharf. Die meisten Geräte der Sternwarte sind geschenkt, das Spiegelteleskop ein Prototyp. Für ein neues Gerät müsste die Stiftung viel Geld in die Hand nehmen, wie Herrmann sagt. Um die 200000 Franken.

Was die Motivation der Astrogruppe sei, wollte ein Besucher wissen. Warum das alles? Herrmann denkt kurz nach, lächelt. Hier oben könne er vom Job abschalten. «Die Milchstrasse zu beobachten, ist unglaublich schön.»

Und ja, natürlich sei der Ehrgeiz da, ein schönes Foto zu schiessen, obschon der Himmel verschmutzter ist als früher. Lichtverschmutzt. Im Winter, wenn Nebeldecke und trockene Luft den Himmel sauber halten, ist die Sicht am besten.

21.30 Uhr: Die erste Führung ist zu Ende, die nächste bereits im Gang. Und draussen wartet nun ein gutes Dutzend Besucher. Die Astro-Mitglieder haben sich nicht vergebens vorbereitet. Nun können sie ihre Faszination teilen, über die gewaltigen und endlosen Weiten des Weltalls.

Die nächsten Tage des offenen Dachs der Sternwarte Grenchen finden vom 7. bis 9. Oktober statt. Weitere Informationen unter www.jurasternwarte.ch