Grenchen
Jura-Sternwarte feiert zwei Geburtstage mit einer Raumfahrtlegende

Die Jura-Sternwarte, die zweithöchste Beobachtungsstation der Schweiz, besteht seit 40 Jahren. Der runde Geburtstag wird mit dem Vortrag «Raumfahrt aktuell» von Bruno Stanek gefeiert.

Daniela Deck
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Bruno Stanek hält einen Vortrag. (Archiv)

Bruno Stanek hält einen Vortrag. (Archiv)

Keystone

Die Faszination der Himmelsbeobachtung ist 40 Jahre nach dem Bau der Sternwarte auf dem Untergrenchenberg so gross wie zu Beginn. Was sich geändert hat, ist die Technologie, mit deren Hilfe die Mitglieder der Stiftung Jura-Sternwarte Grenchen (SJG) und der Astrogruppe der Jura-Sternwarte Grenchen (AJUG) den Himmel beobachten und fotografieren.

Stiftungsratspräsident Hugo Jost sowie Markus Herrmann und Sascha Nussbaumer, AJUG-Präsident respektive -Kassier blicken zur Feier des Doppeljubiläums (40 Jahre SJG und 30 Jahre AJUG) zurück und vorwärts.

Sascha Nussbaumer (links) und Markus Herrmann von der Astrogruppe AJUG.

Sascha Nussbaumer (links) und Markus Herrmann von der Astrogruppe AJUG.

Andreas Toggweiler

Erich Wolf, Markenzeichen rote Zipfelmütze, und Gerhard Klaus, Markenzeichen blaues Beret, waren bzw. sind die Väter der Jura-Sternwarte. Der Forschungsdrang des damaligen Stadtjuristen und des Bezirkslehrers hat zum Bau der landesweit zweithöchst gelegenen Sternwarte geführt. So gross war das Interesse von Schulen, Vereinen und Firmen an der Hobby-Astronomie, dass die Stiftung die Führungen bald nicht mehr allein bewältigen konnte.

Deshalb rief die Stiftung nach zehn Jahren zu ihrer Unterstützung die Astrogruppe AJUG ins Leben. Heute hat diese 20 Mitglieder, davon ein Drittel Frauen, wie die Vorstandsmitglieder mit Freude erzählen. Der Verein engagiert sich zusammen mit den Stiftungsräten in der Öffentlichkeitsarbeit der Jura-Sternwarte und darf im Gegenzug deren Infrastruktur nutzen.

«Auf dem Unterberg haben wir den besten Standort in der Schweiz, hoch gelegen und dabei gut zugänglich», ist Stiftungsratspräsident Hugo Jost überzeugt. Bevor er dieses Amt antrat, war er der Gründungspräsident der AJUG, und er hebt die enge Verbundenheit der beiden Gremien hervor. Seine Faszination für Astronomie verdankt er einem Zufall: Seine Frau habe Mitte der Achtzigerjahre geholfen, den Ferienpass aufzubauen, doch als sie mit einer Gruppe Kinder die Jura-Sternwarte besuchen wollte, wurde sie krank. «Ich bin für sie eingesprungen, und da hat es mich gepackt.»

Hugo Jost, Präsident Stiftung Jura-Sternwarte Grenchen.

Hugo Jost, Präsident Stiftung Jura-Sternwarte Grenchen.

Patrick Furrer

Derzeit investiert Jost seine Energie hauptsächlich in die vergleichende Fotografie. Dasselbe Objekt mit verschiedenen Techniken festhalten und dabei die technischen Grenzen ausloten, ist seine Leidenschaft. Dank der Digitalfotografie seien die Wolken nicht mehr dieselben Spielverderber wie zu Zeiten der analogen Fotografie. Die Belichtung, welche in der Astrofotografie stundenlang dauert, könne nun unterbrochen werden. Zudem: der Computer ermöglicht die Auswahl zwischen Tausenden von Einzelbildern. «Dennoch», sagt Hugo Jost, «für eine Stunde Fotoarbeit in der Sternwarte muss ich immer noch zwei Stunden Nachbearbeitung rechnen.»

1986 war ein Mondstein da

Die Stiftung Jura-Sternwarte Grenchen (SJG) und ihre Astrogruppe (AJUG) haben in der Vergangenheit schon zwei Jubiläen mit Beteiligung der Öffentlichkeit gefeiert:

10-Jahr-Jubiläum der Stiftung 1986: Ausstellung eines Mondsteins in Grenchen mit Unterstützung der amerikanischen Botschaft – mit der strikten Auflage, den Mondstein nachts im Tresor zu lagern.

25-Jahr-Jubiläum der Stiftung und 15 Jahre AJUG 2001: Bau eines begehbaren Sonnensystems in der Aula des Schulhauses Zentrum. Diese Ausstellung wurde von Dutzenden Schulklassen aus Grenchen und der Umgebung besucht.

Mit den Möglichkeiten seien die Ansprüche gestiegen: «Heute ist es einfach, besser zu sehen und zu fotografieren als mit unseren ersten Teleskopen vor 40 Jahren. Doch die Hobby-Astronomie orientiert sich immer mehr an den Profis an den Universitäten, und das ist eine Herausforderung.» Eine Vision teilen Stiftung und Astrogruppe gleichermassen: eine Fernsteuerung der Sternwarte-Teleskope vom Tal aus via Smartphone. Derzeit sei die Internet-Verbindung auf dem Berg dafür allerdings zu schwach. Noch muss die Steuerung vor Ort geschehen.

Jagd nach den Farben des Lichts

AJUG-Vertreter Markus Herrmann interessiert sich derzeit besonders für Spektroskopie, die Messung des Lichts von Himmelskörpern, aufgeschlüsselt nach den einzelnen Farben. «Das verschlingt viel Zeit, wenn es auch nicht unbedingt teure Instrumente voraussetzt», sagt er. «Es gibt immer etwas zu sehen und zu tun in der Astronomie», sind sich Markus Herrmann und Sascha Nussbaumer einig.

Aus diesem Grund ist für die Nächte des offenen Daches heute und morgen Abend das Wetter zweitrangig. Die einzelnen Demonstratoren von Stiftung und AJUG erklären den Publikumsgruppen die Instrumente und das Vorgehen bei der Beobachtung des Himmels. Ausserdem verfügt die Jura-Sternwarte über eine Sammlung spannender Kurzfilme, für den Fall, dass das Dach geschlossen bleiben müsste.

Vortrag mit Bruno Stanek

Nächste Woche feiert die AJUG den runden Geburtstag mit dem Vortrag «Raumfahrt aktuell» von Bruno Stanek, kombiniert mit der Ausstellung eines Modells des Raumfahrzeugs Pathfinder. «Der Mann weiss einfach alles zur Raumfahrt, und er ist ein brillanter Erzähler», freuen sich Sascha Nussbaumer und Markus Herrmann.

Bruno Stanek kommentierte für das Schweizer Fernsehen die Mondlandung. Um die Kosten für den Non-Profit-Vortrag im Rahmen zu halten, habe der Verein alles selbst organisiert, vom Vorverkauf der Tickets bis zur Soundanlage, erklärt Nussbaumer. «Für uns ist es wichtig, dass die Kinder gratis dabei sein können», ergänzt Herrmann. Mit dem illustren Gast hofft die Astrogruppe, bei jungen Menschen die Faszination für die Astronomie zu wecken.

Nächte des offenen Daches: heute Freitag und Samstag, 21. und 22. Oktober, von 19.30 bis 22 Uhr, Eintritt frei (Kollekte), bei jedem Wetter, keine Anmeldung nötig.

Vortrag Bruno Stanek: Samstag, 29. Oktober, um 20 Uhr im Gemeinderatssaal im Restaurant Parktheater. Vorverkauf Tickets