Es sieht ganz so aus, als ob es beim Thema Fussball wieder einmal rund zu- und hergeht in Grenchen. Ausgangslage ist diesmal der ziemlich enge Terminkalender. Denn am 26. und 27. Juni will der FC Grenchen ein Juniorenturnier durchführen. Gleich anschliessend an das Juniorenturnier findet vom 27. Juni bis 1. Juli das Firmenturnier statt. Beides Turniere, welche früher unter der Ägide des FC Wacker im Stadion Riedern stattfanden, der dafür 2012 vom kantonalen Fussballverband sogar mit der Urkunde für «Beste Vereinsleistung in der Saison 2010/11» ausgezeichnet wurde. Verantwortlich: der ehemalige FC-Wacker-Geschäftsführer und heutige Marketingchef des FC Grenchen 15, Marcel Bolliger und Juniorenchef Beat Lauper.

Da es sich jetzt um Turniere unter der Federführung des «neuen» FC Grenchen 15 handelt, verstehe es sich von selbst, dass sie dort durchgeführt werden sollen, wo der FCG zu Hause ist: im Stadion Brühl. So jedenfalls haben es die Verantwortlichen für die beiden regionalen Turniere der Stadt gegenüber geäussert. Die Programmhefte – mit Vorwort des Stadtpräsidenten – sind gedruckt und Plakate aufgehängt.

Aber: Am 13. Juli wird das Eröffnungsspiel des Uhrencups dort ausgetragen. BSC YB und Borussia Mönchengladbach treffen aufeinander. Die Stadt – konkret Stadtpräsident François Scheidegger und der Gemeinderat – hat sich dafür starkgemacht, dass der Uhrencup, dieses traditionelle Grenchner Turnier, nicht vollumfänglich nach Biel abwandert, sondern wenigstens das Eröffnungsspiel im Brühl stattfindet. Auch in der Hoffnung, den Uhrencup wieder ganz nach Grenchen zu holen. Die Stadt unterstützt den Uhrencup mit 10'000 Franken plus weiteren Naturalleistungen im Umfang einiger tausend Franken.

Die Verantwortlichen des Uhrencups haben schon lange signalisiert, dass es auf keinen Fall drinliege, das Junioren- und das Firmenturnier vollumfänglich nur 12 Tage vorher im Stadion Brühl durchzuführen, wie sie sagen. Die Zeit, um den Rasen auf den geforderten, internationalen Standard zu bringen, sei zu kurz. «Da steckt keineswegs eine böse Absicht dahinter», versichert Simon Laager, Co-Organisator des Uhrencups.

Schliesslich wolle man beim Eröffnungsspiel auch mit dem FC Grenchen zusammenarbeiten und biete diesem die Möglichkeit, das Catering in Eigenregie zu betreiben und so etwas für die Vereinskasse zu tun. «Aber es gibt in Grenchen valable Alternativen, wo man das Junioren- und das Firmenturnier durchführen kann, wie das Stadion Riedern und das ‹Wembley› nebenan.» Eventuell – das könne jetzt aber noch nicht mit Bestimmtheit festgelegt werden – könnten die beiden Finalspiele, also das der Junioren und das beim Firmenturnier, auf dem grossen Hauptfeld im Stadion angepfiffen werden. «Aber auch nur, wenn das Wetter es erlaubt.»

Stadt wird erpresst

Die Verantwortlichen für die regionalen Turniere sind offensichtlich anderer Meinung: Marcel Bolliger und Beat Lauper hätten die Stadt vor ein Ultimatum gestellt, heisst es aus dem Hôtel de Ville: Entweder die Stadt gebe grünes Licht für die Durchführung der beiden Turniere im Stadion Brühl, oder sie wollten den Bettel hinschmeissen und von all ihren Ämtern beim FC Grenchen zurücktreten. Das bestätigt auch Beat Lauper persönlich.

Marcel Bolliger, OK-Chef der beiden Turniere, beschwichtigt. Bei der ganzen Diskussion vergesse man seinen guten Draht zu Petrus: «Ab nächster Woche haben wir ausgezeichnetes Wetter, mehrheitlich trocken mit einem kurzen Sommerregen dann und wann, ideale Bedingungen für den Rasen.» Für ihn ist höchstwahrscheinlich, dass man das Juniorenturnier auf dem grossen Feld im Brühl durchführen kann. Das Firmenturnier werde sowieso auf mehreren Feldern gespielt, da werde man das «Wembley» – das Westfeld neben dem Stadion – oder die Neumatt ohnehin dazunehmen.

FCG 15 muss Priorität haben

Bolliger ist davon überzeugt, dass die 12 Tage reichen, um den Platz herzurichten. «Das meiste ist bereits erledigt, der Rasen im Sechzehner ausgewechselt, der Platz geebnet. Ich denke auch nicht, dass durch die Junioren oder die Hobby-Fussballer der Rasen im Brühl in Mitleidenschaft gezogen wird. Das sind keine 1.-Liga-Fussballer, die mit Einsatz reingrätschen und ganze Mutten rausreissen.»

Bolliger erwartet, dass die Stadt ihr Versprechen einlöst, welches sie dem FC Wacker gegeben hat, als dieser sich auflöste, um den FC Grenchen mit der Fusion zu retten. Das Versprechen nämlich, dass der neue Verein FCG 15 erste Priorität hat und das Junioren- wie das Firmenturnier im Brühl durchgeführt werden kann. Eine Rückkehr ins Stadion Riedern, inzwischen alleiniges «Hoheitsgebiet» des FC Fulgor, schliesst er aus.

Der OK-Chef ärgert sich aber darüber, dass der FC Grenchen bei den Verhandlungen über die Durchführung des Eröffnungsspiels des Uhrencups in Grenchen nicht miteinbezogen und nicht informiert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. «Wir stehen das ganze Jahr über auf dem Fussballplatz, wenden unzählige Fronstunden unserer Freizeit auf und sorgen dafür, dass die Jungen in ihrer Freizeit eine vernünftige Beschäftigung haben. Da wäre es das Mindeste, wenn uns die Politik, die sich um den im Grunde rein kommerziellen Uhrencup bemüht, miteinbezogen hätte.» Denn auch er sei daran interessiert, dass das internationale Turnier hier stattfinde. «Dieses Fussballfieber, das entsteht, ist auch wertvoll für unsere Fussballklubs.»

«Stadtgrün» hat das letzte Wort

Die Vorbereitung für das Eröffnungsspiel braucht Zeit. Zeit, die man in früheren Jahren hatte. Denn da war der Rasen jeweils gleich nach Ende der Meisterschaft gesperrt, bis zum Uhrencup. So verblieben mehrere Wochen, um die notwendigen Arbeiten erledigen zu können.

Letztendlich die Verantwortung für alle Rasenplätze der Stadt, also auch fürs Brühl, hat Tobias Würsch, Chef von «Stadtgrün» und selber Fussballer. Er kennt die Problematik und ist im Gespräch mit allen Beteiligten. Für ihn ist wenig wahrscheinlich, dass man die beiden vorgängigen Turniere vollumfänglich im Brühl durchführen kann. Doch er ist zuversichtlich: «Wir werden eine für alle Beteiligten gute Lösung finden. Der Uhrencup ist wichtig für Grenchen und das Eröffnungsspiel muss hier stattfinden können.» Den Verantwortlichen der beiden regionalen Turniere sei ja auch klar, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten und wie lange es dauere, um ein Spielfeld in Top-Zustand zu bringen. «Wir konnten den Rollrasen im Sechzehner aufgrund des schlechten Wetters nicht zum gewünschten Zeitpunkt setzen, sondern hatten Verspätung.» Rund 40 Tonnen Sand wurden ausgebracht. Er habe den FC-Grenchen-Verantwortlichen bereits Alternativen aufgezeigt. «Wir werden mit unseren und externen Spezialisten die Situation beurteilen und entscheiden, wo gespielt wird.»

Finalspiele eventuell im Brühl

Die Möglichkeit, die Finalspiele beider Turniere im Stadion durchzuführen, liegt auch für Würsch absolut im Bereich des Möglichen. Aber nur, wenn das Wetter bis dahin besser wird. Wenn es hingegen so weiterregne, wie in den letzten Tagen und Wochen, sei eher unwahrscheinlich, dass das Brühl vor dem 13. Juni für irgendwelche Spiele freigegeben werde.

Nächsten Mittwochnachmittag findet auf dem Brühl eine Sitzung mit allen Beteiligten statt. Dort will man entscheiden. Kommentar rechts