Fabian Affolter
Jüngster Grenchner Gemeinderat: «Wir sollen Sorge tragen zu unserem Land»

Er ist der jüngste Gemeinderat Grenchens. Sozusagen ein unbeschriebenes Blatt, frisch für die SVP in Grenchens Exekutive. Wie kam es dazu? Was gefällt ihm an der politischen Arbeit? Und was ist für den jungen Landwirt wichtig?

Nadine Schmid
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Fabian Affolter mit seinem Berner Sennenhund Pumba auf dem Landwirtschaftsbetrieb in der Witi.

Fabian Affolter mit seinem Berner Sennenhund Pumba auf dem Landwirtschaftsbetrieb in der Witi.

Nadine Schmid

Nach den Feiertagen und den Ferien kehrt auch wieder Leben in die Politik zurück. Fabian Affolter (SVP) ist mit Jahrgang 1992 das jüngste Mitglied im Gemeinderat. In der Grenchner Politikerkaste, die hinlänglich bekannt ist, stellt Affolter ein neues Gesicht dar. Das Amt habe er nicht selber gesucht, erklärt Affolter. «Zunächst wurde ich von Ivo von Büren gefragt, ob ich Interesse hätte, zu politisieren. Mein Interesse war zwar vorhanden, aber wegen meiner Ausbildung zum landwirtschaftlichen Betriebsleiter war es für mich nicht der richtige Zeitpunkt», erinnert er sich. «Einige Wochen später bekam ich die Anfrage, meinen Namen auf die Liste zu setzen, um diese zu füllen. So ergab eines das andere.»

Er habe sich aber erst noch mit seinem Vater abgesprochen, damit dieser ihn allenfalls auf dem Hof vertreten konnte, sollte er tatsächlich gewählt werden. «Wegen Politik und Ausbildung kann ich nicht jeden Tag im Betrieb anwesend sein und da galt es zunächst, die allfällige Vertretung regeln zu können.»

Führung zweier Höfe

Seit sieben Jahren arbeitet der 25-Jährige zusammen mit seinem Vater Urs in der Landwirtschaft, seit 2015 führen sie den Betrieb gemeinsam. Der Hof, der schon seit mehreren Generationen in Besitz der Familie ist, liegt im Kastels, der zweite Hof, der 1962 gebaut wurde, in der Witi. Dort sind die Affolters Pächter. Dabei setzen die zwei Landwirte auf Getreideanbau und Milchwirtschaft. Zur Verfügung haben sie über 60 Hektaren Land. 20 Milchkühe und 20 Mastrinder sind in den Ställen zu Hause.

Während der Vater lieber im Stall arbeitet, zieht es den Sohn auf die Äcker. «Das Schöne ist, dass man den Arbeitstag selbst planen kann. So kann man sich beispielsweise an einem Tag spontan freinehmen. Dabei vertreten wir uns jeweils gegenseitig. Im Winter können wir es gemütlicher angehen, mehr zu tun gibt es im Sommer.» So schildert Affolter die schönen Seiten des Bauernlebens.

Die Böden in der Witi sind schwierig zu bearbeiten, erzählt Affolter weiter. Sie seien lehmig und tonhaltig, schnell zu trocken oder zu nass. Bei starken Regenfällen brauche es nicht viel, dass sich Pfützen bildeten. Und zu lange stehendes Wasser liesse die angesäte Kultur verfaulen. Gesät wurde im Herbst. Affolter: «Der starke Niederschlag im Januar könnte schlechte Auswirkungen haben, doch noch lässt sich das nicht mit Bestimmtheit sagen. Wenn das Wetter jetzt perfekt mitspielt, könnte sich alles noch ausgleichen.»

Von Fasnacht und Politik

Auch an der Fasnacht trifft man den SVPler an. Einst hat er in einer Grenchner Gugge gespielt, ehe es ihn an die Bürener Fasnacht zog. Jetzt macht er ein Jahr Pause vom aktiven «Fasnächtlen». Aber: «Ein Freund und ich machen vermutlich etwas Eigenes für den Grenchner Umzug», verrät er.

Vor der Wahl konnte er sich kaum vorstellen, dass die SVP einen vierten Sitz gewinnen würde. «Werbetechnisch wurde nicht viel gemacht. Alle von der SVP haben sich sehr gefreut: Über den Sitz, aber auch, dass jemand Junges gewählt wurde.» Das Politisieren findet er spannend. «Mir ist an den Sitzungen positiv aufgefallen, dass man in der Politik alles ganz genau ausdiskutiert. In der Wirtschaft hat man keine Zeit dafür, sondern muss eine Entscheidung schnell fällen. Und eigentlich haben wir im Gemeinderat alle das gleiche Ziel, jedoch andere Vorstellungen, was die Umsetzung anbelangt. Gemeinsam suchen wir eine Lösung und müssen auch immer wieder Kompromissbereitschaft zeigen», fasst er seine bisherige Einschätzung zusammen.

Für Systemwechsel beim Altglas

Affolter wohnt gleich neben dem Betrieb in der Witi. Seine Ausbildung wird er voraussichtlich im Sommer abschliessen. Deswegen tritt er im Moment in der Politik etwas kürzer. Fragt man ihn nach seiner Einstellung zu aktuellen politischen Themen, kommt er auf die Altglasabfuhr zu sprechen, die er als unnötig empfindet. «Die meisten Gemeinden in der Schweiz haben inzwischen Depots. Ich empfinde diese Arbeit eine Zumutung für die Abfuhrmänner.»

Auch den Zonenplan erwähnt er. Dort möchte er beim Landverbrauch Gegensteuer geben. «Oberhalb der Bahnlinie gibt es noch freie Parzellen. Diese sollen erst bebaut werden, ehe man sich nach unten hin ausrichtet. Willkürliche Bebauung von Kulturland ist nicht gut. Und wir haben nicht unendlich viel Land zur Verfügung, entsprechend sollen wir Sorge zu unserem Land tragen.»

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