Junges Ensemble
Eine neue Präsidentin für das Grenchner Stadtorchester – und endlich wieder ein Auftritt

Die neue Präsidentin Liv Peters und Vizepräsident Marcel Tièche sehen zuversichtlich in die Zukunft des Stadtorchesters Grenchen.

André Weyermann
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Die neue Präsidentin Liv Peters und der langjährige Vizepräsident Marcel Tièche.

Die neue Präsidentin Liv Peters und der langjährige Vizepräsident Marcel Tièche.

André Weyermann

Doppelter Grund zur Freude beim Stadtorchester: Am kommenden Samstag, 12. Juni kann es sein Können auf der Terrasse des Parktheaters endlich wieder vor Publikum zeigen (siehe Infobox), und an der kürzlich erfolgten schriftlichen und deswegen auch aufwendigen Generalversammlung wurde das verwaiste Präsidium den kompetenten Händen von Liv Peters anvertraut. Sie tritt damit die Nachfolge von Marcel Tièche an, der in den letzten Jahren als Vizepräsident das Orchester geleitet und ihm ein Gesicht gegeben hat.

An der GV wurde zudem der Vorstand insgesamt verjüngt und festgestellt, dass die Finanzen für die nächsten Jahre gesichert sind.

Der Vorstand setzt sich aus folgenden Personen zusammen:

  • Präsidentin: Liv Peters
  • Kassierin: Corinne Page
  • Aktuarin: Anna Nussbaumer
  • Sponsoring: Yvonne Kieliger
  • Dirigent: Ruwen Kronenberg

Das Stadtorchester steht somit endgültig wieder auf soliden Beinen, personell wie eben auch finanziell. Das war noch vor einigen Jahren beileibe nicht der Fall. 2017 war gar das Aus des Orchesters eine Option. Bis eben Marcel Tièche mit einigen Mitstreitenden das Ruder in die Hand nahm, mit Ruwen Kronenberg einen jungen, talentierten und initiativen Dirigenten fand und so den Aufwärtstrend einleitete.

In 60 Jahren viele Dirigenten erlebt

Der in Grenchen als praktizierender Arzt bestens bekannte Marcel Tièche ist seit 60 Jahren im Stadtorchester tätig (Geige und Bratsche).

«Erstmals mitgespielt habe ich mit 13 Jahren, allerdings in den hinteren Reihen»,

erinnert er sich. In den folgenden Jahrzehnten hat er Höhen und Tiefen miterlebt, Dirigenten wie Wilhelm Steinbeck, Bruno Goetze, Rudolf Emanuel Baumann, Daniel Polentarutti und jetzt Ruwen Kronenberg. Er freut sich, etwas Verantwortung abgeben zu können und ist überzeugt, dass das Orchester mit Liv Peters über eine fähige neue Präsidentin verfügt. «Sie ist nicht nur eine ausgezeichnete Querflötistin, sondern hat eine starke Persönlichkeit mit viel Erfahrung im Umgang und beim Führen von Menschen.»

Marcel Tièche selber freut sich, weiter dem Orchester anzugehören. Er habe grosse emotionale Momente über zwei Generationen hinweg erleben dürfen: «Ein Leben lang war immer mindestens ein Abend in der Woche für die Musik reserviert. Es ist auch eine Schule fürs Leben. Was am Schluss im Scheinwerferlicht brillant und leicht erscheint, muss vorher hart erarbeitet werden. Für mich war das Erarbeiten auch immer spannend und lustvoll. Die persönlichen Begegnungen mit Künstlern aus der ganzen Welt sind für mich bis heute eine riesige Motivation.»

Von der Kammermusik zum Stadtorchester

Die promovierte Chemikerin Liv Peters stammt ursprünglich aus Bremerhaven und ist vor wenigen Jahren aus beruflichen Gründen nach Grenchen gezogen, wo sie aktiv die Verbindung zum Musizieren gesucht hat. Via Kammermusik fand sie den Weg zum Stadtorchester: «Ich übernehme gerne die Verantwortung. Der Verein und das Orchester sind gut aufgestellt. Wir sind und bleiben ein Laienorchester, das aber den Anspruch hat, auf einem gewissen Niveau zu agieren. Für die Zukunft wünschte ich mir insbesondere noch mehr Musizierende, die sich für das Mitspielen im Orchester begeistern können.»

Das Durchschnittsalter des Ensembles ist übrigens so tief wie noch nie zuvor. Es zählt an die 30 vorwiegend junge Musizierende, dazu kommen 7–8 Mitspielerinnen und Mitspieler, die nicht regelmässig dabei sind. Marcel Tièche und Liv Peters betonen, dass für die zukünftigen Konzerte weiterhin mit Profis zusammengearbeitet wird, vorzugsweise mit solchen aus der Region. Geplant ist auch, die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen zu intensivieren, wie sie bereits für das 100-Jahr-Jubiläum vorgesehen war. Auftritte z.B. mit dem Kindertheater Blitz, Jodelformationen oder auch der Stadtmusik können sich die beiden gut vorstellen.

Pandemiejahr brachte nicht nur Nachteile – man machte das Beste daraus

Leider ist einiges im Jubiläumsjahr der Pandemie zum Opfer gefallen. Immerhin konnte sich das Stadtorchester an einer feinen Ausstellung im Kultur-Historischen Museum präsentieren und auch die gelungene, informative Jubiläumsschrift von Claudia Dahinden ist erschienen. Neben viel Ungemach habe die Pandemie auch etwas Gutes gehabt: Die Statuten wurden überarbeitet, Reglemente (Musikkommission, Gönner- und Sponsorenreglement) erarbeitet oder revidiert und von der GV abgesegnet. Schliesslich brachten die erzwungenen Proben in Kleinformationen Vorteile, die in Zukunft weiter genutzt werden können.

Nichts aber geht natürlich über die Möglichkeit, aufzutreten. Am 12. Juni ist es nun endlich so weit. Vor allem Marcel Tièche freut sich riesig und das hat seinen Grund: «Ich habe in all den Jahren noch nie Vivaldis Vier Jahreszeiten gespielt.»

Serenade «Le Quattro Stagioni»

Am 12. Juni werden auf der Terrasse des Parktheaters ab 19.00 Uhr (bei schlechter Witterung im Saal) Werke von Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi gespielt, wobei im Mittelpunkt naturgemäss «Die Vier Jahreszeiten» stehen. Als Solisten fungieren Georg Jacobi, Violine und Andrea Cagnin, Viola. Der Eintritt ist frei. Es wird eine Kollekte erhoben. Aufgrund der Covid-Auflagen ist die Platzzahl beschränkt. Es gelten die gängigen Schutzmassnahmen.

Anmeldungen unter 032 654 99 22 (Restaurant Parktheater).
Konsumation vor (ab 17.30 Uhr) und nach dem Konzert möglich. Das Konzert dauert ca. 1.5 Stunden.