Obwohl sie schon seit Jahren von vielen totgesagt wird und sogar Kantonsparlamentarier bereits mit ihrer Abschaffung geliebäugelt haben, erlebt die Jungbürgerfeier gerade in der Uhrenstadt ein Revival.

Nachdem auch in Grenchen die Teilnehmerzahl über Jahre hinweg stetig sank – zeitweise kam gerade noch eine Handvoll Interessenten –, erschienen am Donnerstagabend wieder 26 Jungbürgerinnen und Jungbürger zu ihrer persönlichen Feier.

Keine Ausflüge mehr

Das grosse Aufgebot kommt allerdings nicht von ungefähr, denn das Konzept der Feier wurde grundlegend geändert. «Wir wollten uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren und den Anlass konservativer gestalten», erklärt Mike Brotschi, Verantwortlicher Sport und Jugend.

Das Ziel dabei: Der Eintritt der jungen Erwachsenen in die staatsbürgerliche Mündigkeit soll im Fokus stehen. So sind die Ausflüge, welche jeweils vor der eigentlichen Feier durchgeführt wurden, nicht mehr im Programm enthalten.

Denn die Jungen seien immer weniger bereit gewesen, einen halben oder gar ganzen Tag dafür zu opfern. Auch die Lokalität wurde dafür gewechselt. Anstatt wie früher in der Hornusserhütte wurde der Anlass heuer bereits zum zweiten Mal im Parktheater abgehalten.

Den letzten Schliff der Umstrukturierung machten verschiedene anwesenden Amtsträger und ein Gastredner aus, um der Feier «den würdigen Rahmen zu verpassen», wie Brotschi erklärte.

Etwas Unterhaltung durfte dann aber trotzdem nicht fehlen. Franco Vadagnin hatte für die Jungbürger einen originellen Wettbewerb kreiert. Er fotografierte 20 sehenswürdige und Grenchen-typische Orte, welche die Jungmannschaft anschliessend mittels Stadtplan den richtigen Stadtteilen zuordnen musste.

Ermahnung von hoher Stelle

Mit dem Bonmot «Wer nicht politisiert, mit dem wird politisiert» ermahnte Stadtpräsident François Scheidegger die Zuhörerschaft, ihre neuerworbenen politischen Rechte und Pflichten wahrzunehmen.

Denn in einem Zeitalter, wo der Egoismus vorherrsche, seien engagierte Persönlichkeiten für eine Demokratie unabdingbar. Die Feuertaufe erfolgt für die Jungbürger bereits im kommenden Frühling, wenn Regierungs-, Kantons- und Gemeinderatswahlen anstehen.

Gastredner Alt-Bundesrat Samuel Schmid pflichtete dem Stapi bei, dass sich immer mehr eine «Das geht mich nichts an»-Mentalität» breitmacht, doch dieser Gedanke sei ein Trugschluss.

Denn wir seien alle in einer Gesellschaft gefangen, aus der man nicht ausbrechen könne. «Wenn jemand die Treppe runterfällt, dann landet er im Spital und schon braucht er Leute, die sich um ihn kümmern», erklärt der Alt-Bundesrat versinnbildlichend. Vielmehr solle man dankbar sein für das, was man hat, und sich gleichzeitig aber auch ins Bewusstsein rufen, dass es nur wenige Flugstunden von der Schweiz entfernt Menschen gibt, denen es nicht annähernd so gut geht.

Es liege daher an jedem Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen. Denn die kommende Generation sei durch globale Kriege, Völkerwanderungen und Klimaveränderungen vor grosse Herausforderungen gestellt und jeder müsse sich daher selbst fragen: «Was zählt mehr? Die Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen generell oder die Wahrung des Reichtums?», so Schmid abschliessend.