Das Automobilzuliefer-Geschäft ist knallhart. Der globale Wettbewerb und die Marktmacht grosser Fahrzeughersteller-Konglomerate führen zum Feilschen um Bruchteile von Cents. Und im Zeitalter, in dem Konsumentenklagen und Rückrufaktionen Schicksale ganzer Konzerne besiegeln können, sind auch die Qualitätskontrollen, denen sich die Zulieferer unterziehen müssen, dementsprechend rigoros. Wer sich aber in der Zulieferkette emporarbeiten, das heisst, das Vertrauen der klingenden Marken gewinnen kann, erhält Grossaufträge mit Millionenumsätzen.

Vom Zulieferer der Zulieferer zum Direktlieferanten mancher Marken hat es die Grenchner Firma Juken Swiss Technology geschafft. Sie entwickelt und vertreibt Schrittmotoren, die im Armaturenbrett von Autos mannigfaltige Anwendungen finden.

Analog, direkt, intuitiv

So werden zum Beispiel Tacho, Tourenzähler oder weitere analoge Rundinstrumente von elektronisch gesteuerten Schrittmotoren angetrieben. Um dem Fahrer wichtige Informationen direkt zu vermitteln, sind analoge Anzeigen bis heute unübertroffen. Sie sind unmittelbar und intuitiv. Juken Swiss Technology Ltd., mit 14 Mitarbeitern, entwickelt und testet die Schrittmotoren für diese Armaturen. Die Grossserien werden anschliessend durch die Frencken Gruppe in China und Indien hergestellt.

«Ein Armaturenbrett ist heute eine Mischung aus analogen und digitalen Anzeigen», erklärt CEO Rufino Leon. Diese Schnittstellen immer einfacher, sicherer und gleichzeitig günstiger zu machen, daran arbeiten die Juken-Leute seit Jahr und Tag. Denn eine technische Lösung muss sich millionenfach bewähren. Sie wird in einem eigenen Testlabor auf Hitze- und Kälteempfindlichkeit oder Vibrationsanfälligkeit geprüft. Ein Klimaschrank mit eingebautem Lift befördert einen Juken-Schrittmotor in 10 Sekunden von minus 40 Grad in eine Umgebung mit 105 Grad. Und wieder zurück. Das Teil muss auch nach mehrfacher Prozedur einwandfrei funktionieren.

Cent für Cent einsparen

Die Preise von Schrittmotoren fürs Armaturenbrett sind in den letzten Jahren um das Vierfache gesunken. Den Tüftlern an der Bündengasse ist es gleichzeitig gelungen, eine Lösung zu entwickelt, dass die Tachonadel über die ganzen 360 Grad regelmässig ausgeleuchtet wird. «Wir haben einen Motor mit durchsichtiger Kunststoffachse entwickelt und patentieren lassen, die als Lichtleiter funktioniert.» Damit lassen sich 2 LEDs und wieder ein paar Cents einsparen.

Bürosprache ist Englisch

Um solche Ideen zu entwickeln und umzusetzen, braucht es die besten Mitarbeiter. Von den 14 Mitarbeitenden sind 10 Ingenieure. «Eigentlich könnten wir zusätzliches Personal brauchen», meint Leon. Schon heute arbeiten in den Büros Leute aus 7 Nationen. Juken Swiss Technology ist 2010 entstanden, als sich die Swatch Group aus dem Automotive-Geschäft zurückzog. Die chinesische Firma Juken Tech, eine Tochterfirma der in Singapur domizilierten und börsenkotierten Frencken Group (Umsatz 2013: 445 Mio. Singapur Dollar/333 Mio. Fr., +23%) , war damals ein Zulieferer und übernahm die kleine Swatch-Group-Sparte. Damals war man erst zu zehnt.

Favorables Umfeld

Hat ein solches Unternehmen, mit internationaler Belegschaft in Grenchen, in der Schweiz gar eine Zukunft? «Von uns aus gesehen schon», meint Leon. Das Umfeld der Uhrenindustrie, aus der Juken ja hervorging, sei passend. «Auch wenn die Qualitätsanforderungen bei uns noch einiges höher sind», wie er lächelnd beifügt. «Wir sprechen bei unseren Produkten über eine Ausschussrate von 3ppm» (parts per million).

Um die Produktion in China und Indien zu überwachen oder um Roboter und Produktionsstrassen einzurichten und auszutesten, sind die Juken-Mitarbeiter regelmässig in Asien. Telefonisch und per Internet (eigenes VPN) ist man Tag und Nacht mit China und Singapur verbunden. Dazu kommen Telefonkonferenzen in kurzen Abständen.

Dabei sein oder warten

Die Automotive-Branche hat, wie erwähnt, ihre eigenen Gesetze. Ein Teil muss manchmal innerhalb weniger Wochen entwickelt und getestet werden, für eine Modellreihe, die drei Jahre später in Produktion geht. Und dieser Zeitpunkt, der Start einer neuen Modellreihe eines Herstellers, ist für die Zulieferer der wichtigste. «Wenn du dabei bist, bist du dabei, vielleicht für Jahre.» Wenn nicht, heisst es warten auf die nächste Chance.

Mit Maserati im Geschäft

A propos (analoge) Uhren. Diese laufen im Automobil-Cockpit auch mit Schrittmotoren, waren aber bisher autonom und mussten auch von Hand eingestellt werden. Juken hat nun für die italienische Nobelmarke Maserati eine Uhr entwickelt, welche auch von Juken Swiss Technology produziert und geliefert wird. Sie zeigt zwar nach wie vor die Zeit mit Zeigern an, ist aber mit dem Bordcomputer verbunden. «Man muss diese Uhr nie mehr stellen, sie wechselt von selbst auf Sommerzeit, oder wenn das GPS eine andere Zeitzone erkennt, stellt auch die Uhr um», erklärt Leon. Das edle Zifferblatt der Maserati-Uhr wird übrigens von einer lokalen Firma hergestellt.

What about a compass?

Überhaupt hätte Leon noch einige Ideen, was man mit Schrittmotor-gesteuerten Borduhren alles machen könnte. Was zum Beispiel, wenn man die Zeiger nicht mehr aneinanderkoppeln und durch separate Motoren steuern würde? – «What about a compass?» Das wäre wohl sehr hilfreich in den USA, wo in den Städten fast alle Strassen mit Himmelsrichtungen versehen sind.