Bettlach
Jugendliche Vandalen stecken den Bettlacher Böögg in Brand

Die wochenlange Arbeit der Schüler war umsonst. Unbekannte haben am Wochenende den Böögg abgefackelt. Jetzt erstattet die Gemeinde Strafanzeige.

Patrick Furrer
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Vom Belle-Böög ist nur das Skelett übrig geblieben.

Vom Belle-Böög ist nur das Skelett übrig geblieben.

AZ

Es ist noch stockdunkel, als Gemeindepräsident Hans Kübli aus dem Bett gerissen wird – die Polizei meldet Brandstiftung im Dorf. Sofort macht sich Kübli auf den Weg zum SMH-Areal, wo allerdings bereits jede Hilfe zu spät ist: Unbekannte Vandalen haben am frühen Samstagmorgen den Bettle-Böögg in Brand gesteckt, und der wurde fast völlig zerstört.

Noch am Montag fehlten dem Gemeindepräsident fast die Worte – und die, die er hatte, waren unverblümt ehrlich. «Es ist verrückt, dass jemand so etwas machen kann. Eine Riesensauerei. Ich verurteile das aufs Schärfste», sagt der Ammann. Und mit seinem Ärger steht Hans Kübli keineswegs alleine da. Ganz Bettlach ist entsetzt: Ein Fasnachtssponsor schimpft im Internet über die «Vollpfosten», die den Böögg auf dem Gewissen haben. «Dummi Lüt», «einfach nume trurig» und «Voudrottlä» lauten weitere erzürnte Voten.

Besonders hart trifft die Freveltat die Oberschüler, die unter Anleitung von Lehrer Markus Flury wochenlang an der Figur gearbeitet haben. Das Motto des Bööggs war die Talentshow Bettlach, die dieses Jahr ausfällt. Entsprechend kam der Böögg als Sänger-Girlie mit Mikrofon daher. Erst am Freitag war er von der 3. Sek mithilfe des Werkhofs aufgestellt worden, keinen Tag später war er bereits ein Raub der Flammen. Für Markus Flury und die Schüler steht fest: Diese Aktion hat nichts mit Mut, Witz oder Originalität zu tun, sondern nur mit Dummheit und fehlendem Anstand. Gestern musste der Lehrer die Nachricht seinen Schülern überbringen, denn nur ein paar wenige hatten schon am Wochenende davon erfahren. «Der Schock ist gross. Man muss sich wirklich fragen, wie jemand auf eine so blöde Idee kommt», sagt Flury.

Glück im Unglück war lediglich, dass der Böögg noch nicht mit Stroh gestopft war. So verbrannten «nur» Kopf und Kleid, und das tragende Holzgerüst überlebte. Vollgestopft hätte vielleicht sogar noch die Umgebung in Mitleidenschaft gezogen werden und «etwas passieren» können. Nicht ohne Grund müsse ja auch die Feuerwehr beim offiziellen Böögg-Verbrennen am Aschermittwoch immer vor Ort sein.

Noch weiss keiner, wer hinter der Brandstiftung steckt. Die Gemeinde hat aber Strafanzeige wegen Sachbeschädigung eingereicht, und es soll bereits Hinweise auf mögliche Täter geben. Im Dorf vermutet wird, dass vielleicht einige Jugendliche auf dem Heimweg vom Ausgang sich am Böögg zu schaffen machten, erklärt Andreas Bur von der IG Fasnacht.

Schaden genommen hat nicht allein der Böögg – auch die Tradition ist gefährdet. Am Montag wurde das Holzskelett zwar zurück in die Werkstatt abtransportiert, und bis zum Aschermittwoch soll ein neuer Böögg fertig sein. Wegen des Vorfalls überlegen sich Markus Flury und die Fasnächtler aber nun, den Böögg künftig immer erst am Aschermittwoch aufzustellen, statt traditionsgemäss am Hilari. Das sei zwar nicht definitiv, sagt Flury, aber man könne den Böögg schliesslich nicht rund um die Uhr bewachen.

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