Arbeitslosigkeit wird rasch zu einem grossen Problem – Jugendarbeitslosigkeit fällt in einer Gesellschaft besonders stark ins Gewicht. Was geschieht, wenn junge Menschen keine positiven Aussichten mehr besitzen? Die Krise in der Uhrenindustrie und die mit ihr verbundene Arbeitslosigkeit führte zuerst zu einer allgemeinen Orientierungslosigkeit – man sah, dass von einem Tag auf den andern die längst vertrauten Lebensläufe und die beruflichen Aussichten zunichtegemacht wurden oder stark gefährdet waren – die Menschen waren ratlos, hilflos und dankbar jedem, etwas Orientierung versprach. Unter diesen Vorzeichen sind die ersten Reaktionen in der Öffentlichkeit zu verstehen. Aus dieser Sicht waren die Aktionen der «Progressiven Lehrlinge» ein Beispiel von mehreren.

Auf Mittwoch, 23. April 1975, lud die in Grenchen gegründete und vor Ausbruch der Krise nicht bekannte oder nicht beachtete Gruppe «Progressive Lehrlinge» zu einer Podiumsdiskussion zum Thema «Jugendarbeitslosigkeit» ins Jugendzentrum ein. «Jugendarbeitslosigkeit» – besass damals über alle parteipolitischen Grenzen und in allen Gesellschaften hohen Stellenwert. Es verwundert deshalb nicht, dass an der damals geplanten Diskussion der damalige Rektor der Gewerbeschule, Fritz Hirzel, und der Besitzer eines gewerblichen Elektrounternehmens und Fachlehrer an der Gewerbeschule, Hansjörg Werder, an der Diskussion teilnahmen. Weitere Teilnehmer waren Ruth Abrach, Franz Steiner, Präsident Lehrlingskommission JVG und ein «arbeitsloser Schriftsetzer». Diskussionsleiter war Hansruedi Meier.

Auf der Rückseite des Flugblattes schilderte die Organisation «Progressive Lehrlinge» unter anderem die zur damaligen Zeit herrschende «Situation im Kanton Solothurn». So ermittelten die «Progressiven Lehrlinge» in der Gewerbeschule und im KV, dass über 80 Prozent der angehenden Setzer und Drucker keine Stelle fänden. Die gleiche Situation machten sie bei den Bauzeichnern aus. Nach der Abschlussprüfung finden 38 Prozent der KV Stifte keine Arbeit.

1975 – Politik interessiert (wieder)

Die «Progressiven Lehrlinge» gelangten mit drei konkreten Forderungen an den Kanton. So verlangten sie für arbeitslose Berufseinsteiger, die keinen Arbeitsplatz fanden, eine Arbeitslosenentschädigung, die vom branchenüblichen Durchschnittslohn ausgehend berechnet wird. Weiter verlangen sie, dass an Berufsschulen den Lehrlingen die Möglichkeit eingeräumt wird, zu wechseln, wobei die bisherige Lehrzeit voll angerechnet wird. Schliesslich verlangten sie die Festsetzung eines gesetzlichen Minimallohnes, der den heutigen Durchschnittslöhnen entspricht.

Auffällig am Jahr 1975 – das öffentliche Leben interessierte wieder. Die gemeinsam erlebten Sorgen führten wahrscheinlich zu einem grösseren Interesse besonders an lokalen Politikereignissen. Am 14. Oktober fand eine der sieben (!) Gemeindeversammlungen mit 1587 teilnehmenden Stimmberechtigten im Parktheatersaal und in der alten Turnhalle statt. Die grösste aller Grenchner Gemeindeversammlungen lehnte mit 1172 gegen 256 Stimmen die Initiative gegen den Anschluss Grenchens ans Autobahnnetz ab. – Am 26. Oktober fanden die Nationalratswahlen statt. Neben den drei etablierten Traditionsparteien (FDP, CVP und SP) beteiligten sich die Poch und die «Revolutionäre Marxistische Liga» an den Wahlen. Für die Poch gingen die Grenchner Kurt Affolter und Eduard Hafner in den Abstimmungskampf. In den etablierten Parteien stieg einzig der Stadtammann Eduard Rothen ins Rennen und wurde auch gewählt. Diese Wahl sollte sich später als Glücksfall erweisen.

Die Ausstellung im Kultur-Historischen Museum Grenchen mit dem Titel «Unruhige Zeiten – die Krisen in der Uhrenindustrie der Region Grenchen im 20. Jahrhundert» wird am 31. August 2017 eröffnet und dauert bis zum 13. Mai 2018. Im Rahmen der Ausstellung finden zahlreiche Veranstaltungen statt.