Grenchen
Judoclub trainiert im neuen Dojo – viele Mitglieder halfen in Coronazeit beim Umbau mit

Die Grenchner Judokas, Aikido- und Jiu Jitsu Kämpfer trainieren neu an der Niklaus Wengistrasse. Beim Umbau des Kellergeschosses halfen auch Mitglieder und deren Eltern kräftig mit.

Oliver Menge
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Im neuen Trainigslokal des Judo Clubs Grenchen gibt es jede Menge Platz.

Im neuen Trainigslokal des Judo Clubs Grenchen gibt es jede Menge Platz.

Oliver Menge

Der Judo Club Grenchen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Diesen Frühling wurde nun ein neues Kapitel aufgeschlagen: Der Club zog ins Untergeschoss der früheren Mahle an der Niklaus Wengistrasse, ein Gebäude, in dessen Obergeschoss der Fahrradhersteller BMC noch Räumlichkeiten gemietet hat.

Marc Willemin, Gemeinderat und Präsident der SVP Grenchen, hatte die Dinge ins Rollen gebracht: Als die Stadt den Grenchner Fussballvereinen weiterhin eine grosszügige Unterstützung zusicherte, wurde er bei Stadtpräsident François Scheidegger vorstellig und erinnerte diesen daran, dass es noch andere Sportarten gebe, die sich über etwas Support freuen würden.

So zum Beispiel die Judokas, die auf der Suche nach einem neuen gemeinsamen Trainingslokal waren: Eine Gruppe trainierte in der Halle im Eichholzschulhaus, wo jetzt der Mittagstisch stattfindet, die anderen im Howeg-Areal.

Scheidegger beauftragte Stadtbaumeister Aquil Briggen mit der Aufgabe, sich nach geeigneten Lokalitäten umzusehen, die sich im Besitz der Stadt Grenchen befinden. So kam man auf die ehemalige Mahle, deren Hauptsitz aus früheren Jahren inzwischen an die BMC vermietet war. Das Untergeschoss wurde nach einer Restrukturierung der BMC frei und eignete sich ausgezeichnet dafür, die beiden Judo Clubs und ihre Untersektionen Aikido und Jiu-Jitsu wieder unter einem Dach unterzubringen.

Oliver Menge

Coronalockdown kam zum richtigen Zeitpunkt

Das UG – eigentlich das Tiefparterre mit grossen Fensterfronten – war überstellt mit Zeugs, das niemand mehr brauchte. An der Decke verliefen riesige Lüftungsrohre, die herausgerissen wurden. Die Halle inklusive Decke wurde von Clubmitgliedern gestrichen, Böden wurden verlegt, die Garderoben und Duschen auf Vordermann gebracht.

Ein Büro wurde eingerichtet, im vorderen Teil der Halle bauten Clubmitglieder eine Art Speakerhäuschen mit der ganzen Regie. «Viele Mitglieder haben sich in der Coronazeit anstelle der Trainingslager oder der Wettkämpfe zusammen mit ihren Eltern am Umbau des Trainingslokals beteiligt», lobt Willemin das Engagement der Freiwilligen. Er selber habe für sie am Samstag jeweils das Mittagessen gekocht, berichtet er.

Nun steht den Judokas und Jiu-Jitsu Kämpfern im vorderen Teil ein Dojo von rund 500 Quadratmetern zur Verfügung, das sie sich teilen. Von einem Bild an der Wand schaut Jigoro Kano, der Vater und Erfinder der Kampfkunst Judo, mit gestrengem Blick auf seine Grenchner Judokas. Dazu kommen nochmals rund 100 Quadratmeter für die Aikido-Kämpfer im hinteren Teil und ein Raum von etwa 200 Quadratmetern, in welchem ein Fitnessraum eingerichtet wird. Es gibt zwei Garderoben mit Duschen, eine grössere für die Männer, eine etwas kleinere für die Frauen. Dazu eine Küche und ein Geräteraum.

Der Fitnessraum

Der Fitnessraum

Oliver Menge

Geplant ist auch noch eine Zuschauertribüne

Noch sind die vier tragenden Säulen im Dojo nur provisorisch mit Matten umwickelt. Die definitive Lösung folgt noch. Und noch sind nur die Böden im grossen Dojo fertiggestellt. Die restlichen Böden sollen auch noch abgeschliffen und frisch gestrichen sowie eine kleine Tribüne für Zuschauer aufgebaut werden.

«Jetzt haben wir Platz und befinden uns an einem Ort, wo Eltern ihre Kinder wieder ohne Bedenken hinbringen können», sagt Willemin. Aktuell zählt der Club rund 50–60 Erwachsene und etwa 60–70 Kinder. Alle Sportlerinnen und Sportler trainieren jetzt in der neuen Halle. Auch die Kurse für die Kinder finden dort statt.

Gute Erreichbarkeit für nationale Anlässe

Mit der Stadt habe man einen vorteilhaften Mietzins aushandeln können. «Gratis ist es nicht, aber wir können den Betrag stemmen», sagt Willemin. Ein Lokal dieser Grösse eigne sich auch für grössere Anlässe, fügt er an. Es ist sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn gut erreichbar. «Kadertrainings auf kantonaler wie auch nationaler Ebene wären in diesem sehr gut geeigneten Judolokal willkommen.» Entsprechende Verhandlungen seien am Laufen. Eine offizielle Eröffnungsfeier ist – je nach Coronasituation – für den Herbst geplant.

Glorreiche Zeiten erlebt

Am 1. Oktober 1958 wurde der Judo Club Grenchen gegründet. Man etablierte sich in der wachsenden Schweizer Judoszene und konnte immer wieder einzelne, kleine Erfolge an Turnieren verbuchen. Im Jahr 1973 gelang Grenchen mit dem Cupsieg schliesslich der ersehnte Coup und in den Folgejahren erlebte der Club seine goldenen Zeiten: In den Achtzigerjahren errangen die Grenchner mehrere Cupsiege, wurden vier Mal Schweizer Meister und stellten während mehrerer Jahre die Mehrzahl der Mitglieder der Schweizer Nationalmannschaft. Auch im Europacup war Grenchen erfolgreich und erreichte einmal sogar die Viertelfinals.

Marc Willemin war Mitglied der europaweit erfolgreichen Grenchner Judokas und wurde, als er seine aktive Wettkampfkarriere beendete, Präsident des Judo Clubs. Man habe in der Zeit zwar nicht mehr ans Niveau vergangener Zeiten anknüpfen können, sagt er, doch insbesondere im Bereich der Nachwuchsförderung habe man grosse Fortschritte gemacht. Zeitweise gab es auch eine Abspaltung im Club, doch bereits 2006 hat man wieder zusammengefunden. 2018 konnte man unter Einbezug der Bevölkerung in der Halden-Turnhalle das 60-Jahr-Jubiläum feiern. Und jetzt können auch alle unter dem gleichen Dach trainieren. (om)

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