So stellt man sich Pfadi vor: Eine Zeltstadt bauen mit einem riesigen Aussichtsturm, auf den man hinaufklettern kann, und daneben hat es eine Feuerstelle, wo man sein Stück Fleisch grillen kann. Dass gleich dahinter das Pfadiheim Akkon der Johanniter mit einer bestens ausgestatteten Küche steht, ist ein Detail, das die Grenchner Pfadfinder am dreitägigen Fest ausblendeten.

Aber am Sonntag, beim verregneten Brunch, kam das schmucke Haus gelegen. Es gab viel zu feiern: Seit 75 Jahren gibt es die Johanniter Grenchen, und damit ist sie eine der ältesten Abteilungen im Kanton. «Das Wichtigste ist das Zusammenkommen», beschrieb Simon Klaus, alias Cotello, das Konzept der dreitägigen Jubiläumsfeier. Das mittlerweile 55. Fest sollte sowohl für die vielen ehemaligen als auch für die derzeit etwa 50 aktiven Kinder und Jugendlichen ein Spass sein.

Nicht für die Pfadi lernen wir

Die älteren Semester hatten es einfach. Sie mussten nur den Tag geniessen, ein Apéro mit Freunden nehmen und dann fein essen. Die aktiven Pfader hatten alles im Griff. «Bei uns lernen die Kinder das positive Zusammenleben», erklärte Cotello das Konzept. «Jugendliche leiten die Gruppen und lernen in der Pfadi, zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen.» Und dass sie das können, bewiesen die Johanniter an diesem Wochenende eindrücklich.
Die alten Tugenden mit dem Erkunden, dem Pfadfinden, gehören immer noch dazu.

Aber die über 100-jährige Bewegung sei nicht stehen geblieben, sagt Cotello. So seien die Johanniter heute nicht mehr an eine Konfession oder Religion gebunden. «Mit der überlieferten Pfaditechnik werden Hütten gebaut, wobei heute die Rücksicht auf die Natur besonders wichtig ist. Und wo lernt man heute noch, wie man einen richtigen Knoten macht, der hält?» Die Uniform sei nicht mehr so wichtig. «Wir identifizieren uns über die Krawatte. Das einheitliche Hemd ist freiwillig, wobei aber viele Kinder gerade an der Uniform Freude haben.»

Es darf gespielt werden

Und so wollten die Grenchner Pfadfinder zeigen, was sie können, und was ihnen Spass macht. Klein und Gross kamen nicht zur Ruhe: Es begann mit einer Exkursion in den nahen Wald für Kinder ab 6 Jahren. Das legendäre Hasenbingo folgte. Das funktionierte ähnlich wie ein Kuhfladenbingo, brauchte aber weniger Platz. Klar, wenn ein Hase und nicht eine Kuh den Sieger kürt...

Sportlich betätigen konnten sich die jungen Pfader beim Kubb-Turnier - auch Wikingerschach genannt. Beim «Buuretennis» versuchten jeweils zwei Spieler einen Tennisball, der an einer langen Schnur an einem Pfosten angebunden ist, so zu treffen, dass sich die Schnur um den Pfosten wickelt.

Der Aussichtsturm diente als Kletterwand. Eine Mutprobe, obwohl dank einer sorgfältigen Sicherung keine gefährlichen Stürze zu befürchten waren. Beim Eindunkeln gab es dann am Lagerfeuer noch eine Feuershow.

Pfadi-Geschichte im Museum

Das 75-Jahr-Jubiläum soll eine bleibende Wirkung haben: Die ehemaligen Johanniter-Pfader wurden angefragt, ob sie noch irgendwelche Fotos oder Dokumente besitzen. So ist innerhalb von nur vier Monaten nicht nur die kleine Ausstellung verschiedener Relikte entstanden, die Mutz, alias Paul Manfred Rickli, im oberen Stock des Pfadiheims eingerichtet hat.

Aus dem neu gesammelten Fundus wurde auch ein Buch zusammengestellt, und im Herbst wird daraus eine grosse Ausstellung im Kultur-Historischen Museum.