Gestern Morgen luden der Solothurner Künstler Jörg Mollet und Marco Eberle, Mitarbeiter des Kunsthauses Grenchen Schachteln, Kisten und Taschen von Mollets Atelier in der St. Urbangasse in Solothurn in einen roten Lieferwagen. Mit dieser einmaligen Wagenladung fuhren die beiden von Solothurn nach Grenchen, ins Kunsthaus.

Bei diesem Transportgut handelt es sich um die wichtigsten Arbeiten aus Jörg Mollets druckgrafischen Schaffen seit 1968. Dazu Skizzen und Zusatzmaterial, eine komplette Werkliste, sowie ein sogenanntes «Logbuch» mit Hintergrundmaterial und Fundsachen. «Halt alles, was den Zugang zu meinen Arbeiten eröffnet,» sagt der gebürtige Oltner dazu. Dass ein Künstler noch zu Lebzeiten - Mollet hat Jahrgang 1946 - einen Grossteil seines Werkes einem Museum schenkt, ist eher ungewöhnlich. Das bestätigt auch die Leiterin des Kunsthauses Grenchen, Eva Inversini. «Ein Geschenk ist an und für sich eine schöne Sache. Doch ein Geschenk, gerade wenn es sich um einen Künstlernachlass handelt, kann auch eine Belastung sein.»

Schweizweite und internationale Bedeutung

Bei Mollets Werk wusste sie allerdings, dass damit keine «Belastung» für das Kunsthaus entstehen würde. Im Gegenteil: «Nach Mollets Anfrage besuchten unser Stiftungsratspräsident und meine Mitarbeiterin Daniela von Büren und ich den Künstler. Es gibt nur wenige Künstler, die so strukturiert arbeiten und wir erkannten, dass bei Mollet das Dilemma einer Schenkung ganz sicher nicht zutrifft.» Anders wäre auch gar nicht möglich gewesen, denn das Kunsthaus Grenchen verfüge mit seinen infrastrukturellen und personellen Resourcen nicht über ausreichend Kapazitäten, ein Konvolut einer Schenkung aufarbeiten zu können. Andererseits erfülle aber Jörg Mollet als Solothurner und mit schweizweiter und internationaler Bedeutung unbedingt das Profil der Sammlung des Kunsthauses Grenchen.

Selbst bestimmen, was bleibt

«Künstler sollten sich schon zu ihren Lebzeiten darüber Gedanken machen, was mit ihrem Werk später geschieht», begründet Mollet seine Schenkung. «Ich wollte selbst bestimmen, was ich für die Nachwelt erhalte und ins Museum gebe. So bewältigte er in den vergangenen drei Jahren die Sichtung seines grafischen Werkes. «Diese Aufgabe hat mich auch über meine Kunst nachdenken lassen. Es war nicht immer einfach und brachte mir manche schlaflose Nacht.» So entstand mehr als eine Werksammlung, nämlich ein Künstlerleben in Werken und Dokumenten. Es wurde bewusst kein Schenkungsvertrag abgeschlossen, erklären Inversini und Mollet. «Eine Schenkung benötigt auch Vertrauen beiderseits. Das ist hier gegeben. Ich weiss, dass meine Grafiken in Grenchen am richtigen Ort sind», sagt der Künstler.