Grenchner Stadtpräsidium
Jetzt setzt sich Scheidegger doch noch dem «direkten Konflikt» mit Banga aus

Da Verwirrspiel um Wahlpodien geht in Grenchen weiter: Nach dem «Nein» zu öffentlichen Streitgesprächen organisieren die Bürgerlichen jetzt selber eines.

Oliver Menge
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Stadtpräsident Boris Banga und Herausforderer François Scheidegger.

Stadtpräsident Boris Banga und Herausforderer François Scheidegger.

Oliver Menge

Unklarer könnte die Lage vor den Stadtpräsidentenwahlen in Grenchen nicht sein: Erst schlug der bürgerliche Herausforderer François Scheidegger eine Einladung zu einem Streitgespräch zwischen ihm und dem amtierenden Stadtpräsidenten bei «Telebielingue» aus und gab gegenüber dieser Zeitung bekannt, auch an keiner anderen derartigen Veranstaltung teilnehmen zu wollen, weil das bloss «Zirkusveranstaltungen» seien, an denen er kein Interesse habe. Auf eine direkte Konfrontation mit Banga sei er nicht scharf. Dies, nachdem er sich mit seinem Wahlkampfteam besprochen hatte.

Seitens der SVP erhielt er dafür Lob: An der Generalversammlung meinte etwa Fraktionschef Heinz Müller, dazu brauche es Mut, und diese Entscheidung zeuge von Kraft und Willensstärke. Es sei gut, dass sich Scheidegger nicht dem direkten Konflikt aussetze, denn man wisse ja genau, dass solche Auseinandersetzungen mit Banga oft unter der Gürtellinie endeten.

Fand ein Gesinnungswandel statt?

Nun aber dies: Alexander Kohli, Präsident der FDP Grenchen und Mitglied des engeren Wahlkampfteams von Scheidegger, verschickte gestern eine Medienmitteilung, in der ein Streitgespräch zwischen den beiden Kontrahenten angekündigt wird. Im Parktheater sollen die beiden am 23. Mai «nicht nur die Klingen kreuzen, sondern auch dem Publikum Red' und Antwort stehen.» Dies unter der Leitung eines unabhängigen Moderators. Das Streitgespräch werde unter der Federführung der FDP .Die Liberalen der Stadt Grenchen in Zusammenarbeit mit CVP, SVP, Grünliberalen und BDP organisiert.

Kohli erklärt den Gesinnungswandel so: Man habe sich im Komitee darüber Gedanken gemacht, was richtig sei. Was aber für Fernsehduelle gelte, gelte nicht für die Art von Podien, wie man jetzt selber eines durchführen wolle.

Die Anfrage an Boris Banga sei per Mail am vergangenen Wochenende erfolgt und dieser habe einer Teilnahme grundsätzlich zugestimmt. Im betreffenden Mail hatte Kohli Banga aber lediglich angefragt, ob er am 23. Mai für ein Podium zum Thema Stadtpräsidium im Parktheater zur Verfügung stehe. Banga, der die Anfrage und seine Antwort auch auf Facebook veröffentlichte, schrieb daraufhin: «Nach den diversen widersprüchlichen und akrobatischen Haltungen Ihres Anwärters zu kontradiktorischen Begegnungen bei ‹Telebielingue›, bei ‹Tele M1›, im ‹Bieler Tagblatt›, in den ‹AZ Medien› und auf Facebook weiss ich nicht, was bei Ihnen ‹ein Podium zum Thema Stadtpräsidium› im Klartext heisst.» Er sei der Meinung, dass es ein Duell zwischen den Mitbewerbern brauche, damit sich der Souverän eine Meinung bilden könne. Dafür sei er aber nur bereit, wenn «eine neutrale Gesprächsleitung durch Medienleute erfolgt».

Medienmitteilung etwas verfrüht

Auf die Frage, wer der «unabhängige Gesprächsleiter» sein werde, wollte Kohli erst keine Auskunft geben. Recherchen ergaben, dass es sich um Werner De Schepper, den ehemaligen stellvertretenden Chefredaktor der AZ Medien und neuen Chef von «Telebärn» handelt. Dieser hatte beide Kandidaten bereits Ende Januar für ein Streitgespräch in seiner Sendung «Duell» auf «Tele M1» gewinnen wollen, von Scheidegger damals aber ebenfalls eine Absage erhalten. Derselbe Scheidegger habe ihn jetzt angefragt, ob er die Gesprächsleitung bei dem Streitgespräch im Parktheater übernehmen wolle. Er sei aber nur bereit, die Moderation zu übernehmen, wenn auch das eingangs erwähnte Streitgespräch im Fernsehen stattfinde, meinte De Schepper. Und diese Bestätigung habe er noch nicht.

Erstaunt über das Vorpreschen

Boris Banga zeigte sich erstaunt über das Vorpreschen Kohlis. Weder habe man mit ihm über die Bedingungen für das Streitgespräch gesprochen, noch ihn über die Moderationsleitung informiert. «Man hat mich weder gefragt, ob der in der Medienmitteilung genannte Termin passt oder nicht, noch man hat mich darüber informiert, wer das Gespräch leitet.» Zudem sei er der Meinung, dass die SP ebenfalls in die Organisation miteinbezogen werden müsste. «Es ist für mich nicht tragbar, dass die SP als einzige Partei ausgeschlossen wird. Auch beim letzten Wahlpodium zu Stadtpräsidentenwahlen vor 20 Jahren waren alle Parteien beteiligt». Ob er nun am Podium teilnimmt oder nicht, liess Banga offen.

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