Nahwärmeverbund
Jetzt kann die SWG doch noch profitieren

Zwischen Parktheater und Kultur-Historischem Museum soll noch dieses Jahr ein Nahwärmeverbund entstehen, mit dem verschiedene Gebäude beheizt. Nun kommt auch die SWG zum Zug - bis vor kurzem war das noch nicht so klar.

Patrick Furrer
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Solothurner Zeitung

Zwischen Parktheater und Kultur-Historischem Museum soll noch dieses Jahr ein Nahwärmeverbund entstehen, mit dem verschiedene Gebäude wie die Schulhäuser und die Doppelturnhalle beheizt werden könnten. Beim Schulhaus I soll eine grosse Holzschnitzelanlage gebaut werden. Eigentlich hätte das Geschäft letzten Sommer im Gemeinderat behandelt werden sollen – doch der Stadtpräsident strich es kurzfristig von der Traktandenliste. «Zu viele Fragen sind noch offen», begründete er äusserst vorsichtig (wir berichteten). Hinter den Kulissen war offenbar Widerstand aufgekommen gegen den externen Energiedienstleister EBM (Elektra Birseck Münchenstein), welcher anstelle der heimischen SWG den Zuschlag als Contracting-Partner erhalten sollte.

An seiner heutigen Sitzung darf sich der Gemeinderat mit der überarbeiteten Vorlage befassen. Und siehe da: Die SWG ist zurück im Spiel und soll für die EBM die Betreuung und den Betriebsunterhalt der Anlage übernehmen. Stadtpräsident und SWG-Verwaltungsratspräsident Boris Banga ist sicher: «Damit können wir einen Scherbenhaufen verhindern.»

Geschäft brauchte viel Geduld

Letztlich verzögert sich die Erstellung des Nahwärmeverbunds durch die Rückstellung um mindestens 10 Monate. Die Schuld dafür wurde vor allem bei der Baudirektion gesucht. Diese hatte Ende 2009 ein Submissionsverfahren eingeleitet, um den Contracting-Partner für den Nahwärmeverbund zu finden. SWG und EBM waren im Ergebnis praktisch gleichauf. Der Auftrag wurde deshalb der SWG erteilt, welche den Nahwärmeverbund in Zusammenarbeit mit der AEK realisieren wollte. Allerdings – lässt Stadtbaumeister Claude Barbey durchblicken – nicht ohne entsprechende «politische Signale». «Aus rein fachlicher Sicht hätte man den Zuschlag der EBM geben müssen.» Die EBM erhob bei der Schätzungskommission Beschwerde, welche den Auftrag dann der EBM erteilte.

Nach der Rückstellung des Geschäfts sei versucht worden, den Auftrag doch noch an die Grenchner Werke zu übertragen. «Da wurde mit dem Feuer gespielt», sagt Barbey. Denn: Nach dem Entscheid der Schätzungskommission hätte sich eine Vergabe an die SWG für die Stadt mit hohen Kosten – primär für den zu erwartenden Gewinnausfall für die EBM – rächen können. Das Geschäft habe mehr Geduld gebraucht, als er erwartet hätte, gibt Barbey heute zu. Nun hofft auch er, dass der Gemeinderat den Kompromissvorschlag annimmt. Das Projekt würde sonst gefährdet, und das will letztlich keiner.

Guter Vorschlag für beide Seiten

«Ein konsequenter Projektverzicht hätte zur Folge, dass für städtische wie private Liegenschaften beträchtliche Summen und Arbeit in einzelne (bestehende) Heizungen investiert werden müssten», wird in der Vorlage begründet. Mal ganz abgesehen von den umwelttechnischen Vorteilen einer Schnitzelheizung. Auch dort wurde übrigens eine Ergänzung angebracht: Es soll vertraglich festgehalten werden, dass das Holz von der Bürgergemeinde kommen muss.

Es scheint doch, als hätten sich die Wogen geglättet. Auch Thomas Wälchli, Bereichsleiter Marketing und Vertrieb bei der EBM, bestätigt: «Der vorhandene Kompromissvorschlag ist sowohl für uns wie für die SWG ein guter Vorschlag.» Man habe verschiedene Gespräche führen müssen – das sei letztlich aber ein ganz normaler Prozess. «Es ist gut, dass wir auf dem bilateralen Weg eine gute Lösung finden konnten.» Denn eines sei klar: Mit dem aufgekommenen Widerstand wäre es auch für die EBM schwierig geworden, sich auf dem Platz Grenchen zu etablieren.