Abbruch

Jetzt ist auch das ehemalige Wohnhaus auf dem Bettlachstock Geschichte

Das ehemalige Wohnhaus auf dem Bettlachstock vor und nach der Sprengung.

Das ehemalige Wohnhaus auf dem Bettlachstock vor und nach der Sprengung.

Anfang Juli sind die Schlussarbeiten für den Abbruch des ehemaligen Bauernhauses auf dem Bettlachstock gestartet. Am Dienstag ist der ehemalige Wohnhausteil gesprengt worden.

Der letzte Akt in der Geschichte des Bauernhofes auf dem Bettlestock begann am Dienstag pünktlich um 14:14:14 Uhr: Hauptmann Christoph Scholl, Kommandant der Bausappeur Kompanie 2/4 gab über Funk den Befehl, und Sprengmeister Leutnant Dominik Burri brachte mit einer kleinen Drehung am Schalter des Zündmechanismus 18,5 Kilo Plastit zur Detonation.

Drei Explosionen mit einer Verzögerung von je 18 Millisekunden – wahrgenommen wurde nur ein «Chlapf» – brachten das Fundament zum Einsturz, das Haus fiel in nördlicher Richtung in sich zusammen.

15 Tage lang hatten die rund 27 Angehörigen der Kompanie diesen letzten Akt vorbereitet. Nachdem der grösste Teil des ehemaligen Bauernhofes, die Scheune und das Dach, schon im letzten Jahr von Hand abgebrochen, zu einem grossen Teil per Helikopter ins Tal geflogen und fein säuberlich entsorgt worden war, blieben nur noch wenig Holz und das Mauerwerk des Hauptgebäudes auf dem Berg übrig. Die Bausappeure, die ihre zweite WK-Woche absolvieren, rissen während 15 Tagen die verbliebenen Böden heraus und bohrten im Keller 460 Löcher, in die sie am Dienstag je 40 Gramm Sprengstoff füllten.

Die Menge wurde aufgrund einer Probesprengung bestimmt, bei der die Dicke des Fundaments und die Beschaffenheit der Mauer ermittelt wurde. Kein Zuckerschlecken, denn nicht nur das überaus garstige Wetter in der letzten Woche brachte die Männer an den Rand der Verzweiflung.

Auch die Arbeiten im Untergeschoss waren alles andere als einfach: Die Raumhöhe betrug an gewissen Stellen, wo sie die Bohrlöcher anbringen mussten, nur gerade 80 Zentimeter. «Aber die Stimmung war eigentlich immer gut, auch wenns nass und kalt war», meinte KP Kdt Scholl. Dazu beigetragen hatte sicherlich auch die gute Verpflegung im Restaurant Bettlachberg, das extra für die Armee geöffnet hatte, wie ein Angehöriger der Armee bestätigte.

Das Medieninteresse an der Sprengung war gross: Nebst den regionalen Medien fanden sich auch Blick und das Schweizer Fernsehen ein. Dafür verantwortlich ist höchstwahrscheinlich bis zu einem gewissen Teil das Sommerloch, aber es geschieht auch nicht alle Tage, dass mitten in einem Naturschutzgebiet ein Haus von der Armee gesprengt wird, weil es eben mitten im Naturschutzgebiet liegt und man das Gelände der Natur zurückgeben will. Auch Divisionär Andreas Bölsterli, Kommandant der Territorial Region 2, liess sich die Sprengung nicht entgehen und liess sich per Helikopter einfliegen.

Sprengtermin war geheim

Schaulustige gab es keine, fast keine. Ein paar Wanderer, die ohnehin auf dem Bettlestock unterwegs waren, erfuhren vor Ort von der Sprengung und wurden von den Soldaten an Orte in sicherer Entfernung gewiesen. Die Medien hatten ein striktes Verbot erhalten, den Sprengtermin zu publizieren, man wollte der Gefahr vorbeugen, dass sich viele Schaulustige einfinden und eventuell sogar gefährden. Nur ein paar Zivilisten, die von irgendwoher von der Sprengung erfahren hatten oder von ihren Angehörigen in der Truppe informiert worden waren, wohnten dem Schauspiel bei.

Vom einst stattlichen Bauernhof bleibt nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Mit dem Schutt wird man in den nächsten Tagen das Gülleloch und die Wasserzisterne auffüllen, das Ganze einebnen und der Natur überlassen.

Das ehemalige Wohnhaus auf dem Bettlachstock wird gesprengt

Der TeleM1-Beitrag zur Sprengung

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