Seit rund dreieinhalb Jahren, seitdem die Credit Suisse ihren Sitz in Grenchen an die Kapellstrasse verlegt hat, standen die Räumlichkeiten an bester Lage am Marktplatz leer. Ein Umstand, der nicht nur kritische Stimmen laut werden liess, sondern auch politisch im Gemeinderat zum Thema wurde, wie Stadtpräsident François Scheidegger heute Mittwoch Morgen vor den illustren Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gewerbe ausführte.

Aber dann kam Karin Heimann, Grenchens Wirtschaftsförderin. Eine Frau, deren Engagement unvergleichlich sei, lobte der Stadtpräsident. Heimann hatte die Idee, Arbeitsplätze und Beratung anzubieten für Jungunternehmen, die in Grenchen aus einer Idee ein Geschäftsmodell entwickeln oder eine Geschäftsidee ausprobieren wollen. Sie kontaktierte als erstes Richard Enzler, den Filialleiter der Credit Suisse Grenchen und holte ihn ins Boot.

Von da an habe sie förmlich nur noch offene Türen eingerannt, meinte Heimann. Auch die Verantwortlichen für die Liegenschaften der CS an deren Hauptsitz in Zürich seien begeistert gewesen von der Idee und stellten das Mobiliar für die Arbeitsplätze zur Verfügung.

Vom 1. Juni 2017 bis 31. Juli 2018 stehen nun auf rund 400 Quadratmetern 11 möblierte Coworking-Arbeitsplätze mit diversen Besprechungszimmern im zweiten Obergeschoss zur Verfügung sowie Raum für einen «Pop-up-Store», einen temporären Laden, in der ehemaligen Schalterhalle im Erdgeschoss. So können Jungunternehmen ihre Marktresonanz in Grenchen testen, ohne einen langfristigen Mietvertrag einzugehen. Ein Arbeitsplatz kostet pro Monat 127 Franken, 70 Franken Miete und 57 Franken Nebenkosten und kann monatsweise gemietet werden.

Diverse Partner beteiligt

Das Projekt, das von der Stadt und der Wirtschaftsförderung initiiert wurde, wird von diversen Partnern unterstützt: In einem sogenannten «Startup Easy Paket» bekommen Jungunternehmer eine auf sie zugeschnittene Banklösung mit einer persönlichen Beratung durch kompetente Kundenberater der Credit Suisse vor Ort.

Die Gemeinschaftsantenne Grenchen GAG richtete in den Räumlichkeiten schnelle Internet- und WLAN-Verbindungen ein, alles gratis. Und nicht zuletzt stehen den Jungunternehmern das Coaching und Networking der Wirtschaftsförderung Grenchen und deren Partnerorganisationen wie beispielsweise dem Gründerzentrum des Kantons Solothurn gratis zur Verfügung. Der Grenchner Stadtanzeiger bietet zudem eine PR-Aktion für interessierte Jungunternehmen.

Ein Mosaikstein

Leerstände in Geschäfts- und Gewerbeliegenschaften seien ein Phänomen, dass man nicht nur in Grenchen antreffe, sondern auch in anderen Städten, sagte Scheidegger. Für die öffentliche Hand sei es schwierig, hier einzugreifen, es bleibe nur, möglichst günstige Rahmenbedingungen zu schaffen und eine Unterstützung anzubieten. Nebst der angestrebten Belebung des Zentrums, einer sinnvollen Parkplatzbewirtschaftung und dem Lösen des Problems der Alkiszene gebe es noch weitere Mosaiksteine, die dazu beitrügen, die Attraktivität der Innenstadt zu verbessern. Einer davon sei der Startup Coworking Space Grenchen.

Scheidegger betonte, es handle sich hier um eine Zwischennutzung und stelle keine Konkurrenz im Immobilienmarkt dar. Mit dem Programm für Jungunternehmen verfolge die Stadt Grenchen zwei Ziele, so Scheidegger: «Wir wollen Jungunternehmen den Start in Grenchen erleichtern und gleichzeitig einen Beitrag zur Belebung des Zentrums leisten: Mit dieser befristeten Starthilfe bieten wir Jungunternehmen einen attraktiven Rahmen für Startversuche und hoffen natürlich, dass sie sich anschliessend langfristig in Grenchen einmieten.»

Richard Enzler, Filialleiter der Credit Suisse Grenchen zeigte sich begeistert über den «Grenchner Geist», der hier bei der Realisierung des Projekts geherrscht habe. Eine Idee sei rasch und unkompliziert umgesetzt worden. Ihn freue besonders, dass das Gebäude nun endlich nicht mehr leer stehe und die Unterstützung des Programms durch die CS sei auch ein klares Bekenntnis zur Stadt Grenchen.

Karin Heimann freut sich nun auf erste Anmeldungen und weitere Sponsoren. «Den Kühlschrank haben wir schon, die Kaffeemaschine fehlt noch.»