Grenchen
Jahrzehntelang thronte er auf dem Kreisel – jetzt ist der «Starfighter» endgültig weg

Der F 104 «Starfighter», der seit über 20 Jahren den Kreisel beim Flughafen zierte, wurde am Dienstagmorgen abmontiert.

Oliver Menge
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Hier steht das Wahrzeichen noch...
28 Bilder
... mitten auf dem Kreisel.
Die Mitarbeiter machen den Flieger zum Abtransport bereit.
Seit über 20 Jahren zierte der Flieger den Kreisel beim Flughafen.
In den frühen Morgenstunden wurde er abtransportiert.
Mit zwei Kränen wird das Flugzeug von seinem Sockel gehoben.
Hier wird das Grenchner Wahrzeichen abtransportiert
Dann wird er auf die Strasse gestellt...
... und von einem Traktor abgeschleppt.
Schon ist das Grenchner Wahrzeichen im Nebel verschwunden.
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Hier steht das Wahrzeichen noch...

Oliver Menge

Wer kannte ihn nicht, den Starfighter auf dem Kreisel beim Flughafen. «Wenn du ab der Autobahn kommst, fährst du beim Starfighter rechts» ... Der Kampfjet war eine weitherum bekannte Attraktion nahe beim Flughafen, obwohl hier schon lange Militärmaschinen weder landen noch stationiert sind. Aber dennoch fehlte der Jet in kaum einer Fotosammlung über die Stadt Grenchen. Fliegerfans aus ganz Europa war Grenchen auch deswegen ein Begriff, denn es ist eine eher seltene Angelegenheit, dass ein echter Kampfjet in einem Kreisel aufgestellt wird, und das erst noch jahrzehntelang.

Doch dem setzten neue internationale Sicherheitsvorschriften ein Ende. Sie lassen ein Objekt dieser Grösse und Höhe nicht mehr zu. Zuerst montierte man die Kandelaber beim Kreisel ab, jetzt musste der Jet dran glauben. Der «Witwenmacher», wie der Kampfjet in Deutschland wegen der vielen Abstürze genannt wurde (siehe Kasten unten) kann nun noch einige Tage auf dem Flughafen besichtigt werden, bevor er für den Weitertransport vorbereitet wird. Er soll nämlich ins Verkehrshaus Luzern kommen, so wurde das mit der Besitzerin, dem Fliegermuseum «Clin d’ailes» in Payerne vereinbart. Laut Daniel Geissmann, Leiter Ausstellungen und Sammlungen des Verkehrshauses, wird er nun für zwei Jahre anlässlich der Sonderschau «Die Schweiz fliegt» dort dem Publikum gezeigt werden. Anschliessend soll der Jet in den neu geschaffenen Berna-Park in Deisswil kommen.

Ursprünglich hatte es geheissen, der Starfighter werde beim Breitling-Hauptsitz aufgestellt – ein entsprechendes Baugesuch war aufgelegt – und ein Breitling Akro-Flieger werde später im Kreisel montiert, aber momentan kann oder will niemand Auskunft dazu geben, weder bei Breitling noch bei der Bauverwaltung.

Der Grenchner Starfighter war ein Italiener

Kelly Johnson war der Konstrukteur des ersten Prototypen des F 104 «Starfighters» der Firma Lockheed. Er entwarf später auch den legendären U2 Aufklärungsbomber. Der F 104, eine «bemannte Rakete mit Stummelflügeln» setzte sich Anfang der 60er-Jahre bezüglich Geschwindigkeit, Steigfähigkeit und Reichweite gegen seine Konkurrenten «Super Tiger» von Grumman und die französische Dassault «Mirage III A» durch. Die deutsche Luftwaffe beschaffte 917 Stück, die umgebaut und nachgerüstet wurden. 300 Maschinen gingen zwischen 1960 und 1991 verloren, alleine 269 durch Abstürze. 116 Piloten kamen ums Leben, weshalb der Jet «fliegender Sarg» oder Witwenmacher» genannt wurde.

Italien stellte das Starfighterprogramm erst 2004 ausser Dienst. Beim Starfighter in Grenchen soll es sich um einen dieser italienischen Jets handeln, der dem Fliegermuseum «Clin d’ailes» in Payerne überlassen wurde, allerdings mit strengen Auflagen: Der Jet darf nur für museale Zwecke verwendet und nicht an eine Firma oder Privatperson weiterveräussert werden. Er müsse jetzt auch wieder in den Originalzustand versetzt werden, sagt Geissmann. (om)

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