Für einmal wurde die Gemeinderatssitzung nicht im Gemeindehaus, sondern im Schulhaus Einschlag durchgeführt. Das hatte seinen Grund, drehte sich doch fast die gesamte Sitzung um Schulthemen, allen voran um die längst fällige Totalsanierung des Schulhauses, das in den Jahren 1972–74 erstellt wurde und in dem aktuell rund 110 Schülerinnen und Schüler lernen sowie etwa 20 Lehrpersonen lehren.

Um die Politiker so richtig auf das Geschäft einzustimmen, organisierte Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut zusammen mit Schulleiterin Marion Glanzmann und Gesamtschulleiter Dieter Schoch einen Rundgang durch das Gebäude und die verschiedenen Schulzimmer. Lehrpersonen gaben jeweils direkt vor Ort Auskunft über ihren Unterricht, über neue Unterrichtsformen, die mehr Platz benötigen, und über Probleme bezüglich mangelhafter Isolation des Gebäudes.

Beispielsweise sind die grossen Fensterfronten in Alurahmen gefasst, eine zur Erstellungszeit durchaus übliche Methode, die aber aus heutiger Sicht komplett überholt ist, weil Aluminium gerade das Gegenteil einer Isolation bewirkt und Kälte nach innen und Wärme nach aussen leitet. Dazu kommt, dass etliche der Fenster undicht sind und es bei Regen auch drinnen nass wird.

Platz- und Raumbedarf

Häufigstes Thema auf dem Rundgang aber war der dringend benötigte Platzbedarf. Neue Unterrichtsformen erfordern zusätzliche Räumlichkeiten, sei es für individuelles Lernen in kleinen Gruppen, spezielle Förderung oder Team Teaching. Die Schulleitung im Einschlag müsse sich manchmal regelrecht auf den Kopf stellen, um einen Stunden- und Belegungsplan für die vorhandenen Räumlichkeiten aufzustellen, meinte die Gemeindepräsidentin. Es fehlt nicht nur an Unterrichtsräumen, sondern auch an allen Ecken und Enden an Stauraum.

Mancher der Gemeinderäte stellte Verständnisfragen zu den neuen Unterrichtsformen, weil er selber sie so nicht erlebt haben dürfte, und wurde von den anwesenden Fachpersonen entsprechend informiert. Sie berichteten auch von der unsäglichen Hitze im Sommer und der unerträglichen Kälte im Winter in gewissen Räumen, weil dort Oberlichter überhaupt nicht isoliert sind und die Heizkörper – wie früher üblich – sich an der Decke befinden.

Nach dem Rundgang das Geschäft

Zurück im Klassenzimmer ging es ans Eingemachte. Die Bau- und Infrastrukturkommission hatte aufgrund einer Untersuchung der 2bm Architekten über den Sanierungsumfang im letzten Jahr und diverser Sitzungen mit dem Bildungsausschuss und dem Finanzausschuss eine umfangreiche Vorlage mit einem Zeitplan erstellt. Letzterer hatte ein Kostendach von 10 Millionen für die Sanierung und erforderliche Neubauten, etappiert auf 10 Jahre, festgelegt. 

Die Bau- und Infrastrukturkommission stellte den Antrag, auf das Traktandum einzutreten und das weitere Vorgehen zu bestimmen, eine Spezialbaukommission bestehend aus 9 Mitgliedern und dem Bauverwalter als Protokollführer einzusetzen, einen Zusatzkredit von 105 000 Franken zu genehmigen mit dem Ziel, bis spätestens Ende erstes Quartal 2017 ein Vorprojekt zu erstellen, dem ein Architekturwettbewerb zugrunde liegt.

Im Architekturwettbewerb die Ideen einbringen

SVP-Gemeinderat Leonz Walker wollte schon gar nicht erst auf das Geschäft eintreten. «Wozu einen Architekturwettbewerb durchführen?», meinte er. Es sei unbestritten, dass das Schulhaus komplett saniert werden müsse und dass es zusätzlichen Schulraum brauche. Weshalb also nicht den ursprünglichen Gedanken folgen und den schon in den Siebzigerjahren angedachten Erweiterungstrakt bauen? Walker unterlag aber mit 9 zu 1 Stimme bei einer Enthaltung und der Rat diskutierte das Geschäft.

Roni Staub, der Präsident der zuständigen Bau- und Infrastrukturkommission, sowie einige andere Ratsmitglieder betonten, dass es durchaus auch möglich sei, dass in einem Wettbewerb genau die Idee eines Erweiterungsbaus mit denselben architektonischen Grundmustern möglich sei. Aber, so Staub, der Kanton schreibe bei Investitionen über 300 000 Franken bereits vor, dass dann durchgehend behindertengerecht gebaut werden müsse, was im Einschlag den Einbau von Liften und Treppenliften erfordere – eine schwierige, teure und aufwendige Angelegenheit.

Möglichst freie Hand lassen

Alle Fraktionen unterstützten den ersten Schritt zur Sanierung, ausser der SVP, Walker versuchte wiederholt, den Rat umzustimmen, weil er der Ansicht war, dass man zu viel Zeit verliere und unnötig Geld ausgebe. Besser wäre es, gleich sofort per Dekret mit der Sanierung zu beginnen, wie man dies bei der Kantonsschule Olten unter Vollbetrieb auch fertiggebracht habe. Doch der Gemeinderat liess sich nicht beirren.

Man diskutierte, inwiefern man bei der Ausschreibung des Wettbewerbs bereits «Schranken» einbauen müsse, und entschied dann, darauf möglichst zu verzichten und den Architekten freien Lauf zu gewähren – selbstverständlich unter Einhaltung der Kosten und unter der Prämisse, dass die Schule weiterlaufen müsse. Mathias Stricker von der SP betonte, dass man stets davon gesprochen habe, bei einer allfälligen Sanierung eine solarthermische Anlage im Einschlag einzubauen, und wollte sich vergewissern, dass dies nun auch tatsächlich so geplant wird und in den 10 Millionen enthalten ist.

Sowohl Thomas Fessler von der CVP als auch Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut (FDP) und Heinz Randegger (FDP) betonten, dass bei einer Gesamtsanierung bestimmt eine ganzheitliche Auslegeordnung unter Miteinbezug neuster energetischer Überlegungen, welche sicher auch erneuerbare Energien beinhalte, vorgesehen sei.

Leibundgut setzte sich dafür ein, dass es kein weiteres «Rumgebastle», sondern eine Gesamtschau gebe, dass man nicht zu viel Zeit verliere und das Vorhaben zügig vorangetrieben werde. Eine Verkleinerung der Spezialkommission auf Antrag von Enrico Sansoni (CVP) lehnte der Rat mit Stichentscheid der Gemeindepräsidentin ab.

Mit 10 Ja und einer Enthaltung stimmte der Rat der Vorlage schliesslich zu.