150 Jahre Italien

Italien und Grenchen: Eine Freundschaft, die gefeiert werden will

Boris Banga mit Senator Fantetti und Botschafter Deodato.

Boris Banga mit Senator Fantetti und Botschafter Deodato.

Es gibt viel zu Feiern: «150 Jahre Einheit Italien in Grenchen». Mit dem offiziellen Eröffnungsakt im Bachtelenbad fiel am Freitag der Startschuss zum 3-tägigen Fest.

Mit den Worten «aus den einstigen Einwanderern sind echte Grenchner mit italienischem Herz geworden, und echte Italiener mit einem Grenchner Herz» unterstrich Stadtpräsident Boris Banga am Festakt zur offiziellen Eröffnung von «150 Jahre Einheit Italien in Grenchen» das, was auch seine Mitredner immer wieder betonten: die Freundschaft zwischen Italien und der Schweiz, die Freundschaft zwischen Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini und dem aufmüpfigen Bauerndorf, das dem Vordenker des vereinten Italiens von April 1835 bis Januar 1837 Unterschlupf bot und 1836 gar das Bürgerrecht verlieh.

Dennoch musste Giuseppe Mazzini das ihm lieb gewordene Grenchen und seine Einwohner auf internationalen und nationalen Druck schliesslich wieder verlassen. «Eine Tessiner Zeitung titelte einmal: In Grenchen lebt Mazzini noch», führte Boris Banga weiter aus. «Und diese Feststellung stimmt.» In Grenchen erinnere einiges an Giuseppe Mazzini, wie etwa die nach im benannte Strasse, Gedenktafeln und sein Denkmal. In seinem ehemaligen Studierzimmer im Bachtelenbad wurde 1991 eine Gedenkstätte eingerichtet und Trägerin ist die im selben Jahr ins Leben gerufene Mazzini-Stiftung. Schliesslich verpasste es der Stadtpräsident nicht, auch allen anderen italienischen Mitbürgern seine Wertschätzung auszudrücken.

Mazzini war kein «Besiegter»

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsfeier von einem Terzett der Philharmonie Concordia aus Biel, deren Sänger mit kräftiger Stimmung ein wenig Italianità in den Saal im Bachtelen brachte. Die Festredner übten sich auch im Lob über den berühmten Freiheitskämpfer Mazzini nicht in Zurückhaltung. Der italienische Senator Raffaele Fantetti bezeichnete ihn als «Padre della Patria», Vater des Vaterlandes, der auch immer an ein vereintes Europa gedacht hatte.

Giuseppe Deodato, italienischer Botschafter in Bern, sagte, dass Mazzini nach Ausruf der Monarchie als Besiegter hätte bezeichnet werden können. Doch die Zukunft habe gezeigt, dass Giuseppe Mazzini richtig lag. Ein Mann, der seine eigene Heimat stets geliebt habe, Italien, ein Land und «Träger eines grossen kulturellen Erbes», wie Deodato betonte. Und Mario di Napoli, Professor und Präsident der «Associazione Mazziniana Italiana» wusste, dass die Schweiz für den Flüchtling in Grenchen immer das Herz von Europa gewesen war.

«Zeit seines Lebens erinnerte sich Mazzini an seinen Aufenthalt in der demokratischen Gemeine Grenchen», sagte Anton Meinrad Meier, Gründer der Mazzini-Stiftung Grenchen. «In Grenchen hatte Mazzini erfahren, was er für Italien ersehnte, und die Anerkennung erhalten, die ihm das neue Italien versagte.»

Freundschaft weiter festigen

Zuspitzend meinte Stadtpräsident Boris Banga auch, dass Italien ohne Grenchen in diesem Jahr vielleicht nicht seinen 150. Geburtstag feiern könnte. Das sei zwar eine Übertreibung, aber doch keine abwegige Aussage, was letztlich auch die Vorträge seiner Mitredner akzentuierten. Als Zeichen der Freundschaft und zur Vertiefung dieser Bande wurde dem Stadtpräsidenten die Kopie eines Originalbriefes Mazzinis als Geschenk überreicht, den dieser 1849 an zwei Mitglieder der Aktionspartei in den Abruzzen geschrieben haben soll.

Nach rund eineinhalb Stunden wurde der offizielle Teil der Eröffnung beendet, und nach dem Apéro-riche wurden die Gäste wenig später mit Shuttle-Bussen auf den Marktplatz chauffiert, wo das italienisch-schweizerische Volksfest bereits in vollem Gange war. Auch hier wurde und wird noch das ganze Wochenende die italienisch-schweizerische Freundschaft und das Andenken an Giuseppe Mazzini gefeiert.

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