Gemeinderat
Ist Grenchen eine verkappte Weltstadt?

Die Resultate einer Stadtanalyse eines externen Büros wurden dem Gemeinderat vorgestellt. Die Experten sehen viel ungenutztes Potenzial.

Andreas Toggweiler
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"In Solothurn thront die St. Ursen-Kathedrale über der Stadt, in Grenchen die ETA"

"In Solothurn thront die St. Ursen-Kathedrale über der Stadt, in Grenchen die ETA"

Oliver Menge

Fast etwas baff reagierte der Gemeinderat, nachdem Martin Beutler von EspaceSuisse (Raumplanungsverband) die Resultate der Stadtanalyse vorgestellt hatte, welche die Gemeinderatskommission im Frühjahr in Auftrag gegeben hat. Das Büro, das schon einige Erfahrung mit solchen Studien hat, hatte dabei die Aufgabe, eine Aussensicht auf die Stadt zu werfen und Punkte anzusprechen, die vielleicht Grenchnern selber schon gar nicht mehr auffallen.

«Wir haben uns ohne Vorurteile und Vorgeschichten durch die Stadt bewegt und mit den Leuten gesprochen», erklärte Martin Beutler zur Präsentation der Resultate. «Grenchen sticht heraus aus den Städten der Schweiz. Hier hat man sich erarbeitet, was man hat und das Geld nicht aus der ruralen Umgebung herausgepresst und damit eine schöne Altstadt gebaut», hielt Beutler provokativ fest. Mit dem mikromechanischen Know-how der Uhrenindustrie habe man sich sogar «den Platz einer heimlichen Weltstadt erarbeitet». Dies sei baulich auch sichtbar: «Wo in Solothurn die St.-Ursen Kathedrale thront, thront in Grenchen die ETA.»

Darauf solle man stolz sein. «Dass Grenchen anders ist, sollte zelebriert werden», forderte er. Die Zeichen eines solchen Stolzes suche er allerdings in der Stadt vergeblich: keine prominente Uhr, welche auf diesen Umstand hinweise, und auch die beiden Bahnhöfe gäben eine denkbar schlechte Visitenkarte ab: «Grenchen Nord begrüsst urban, der Bahnhofplatz verspielt jedoch als Parkplatz sein Potenzial. Zu Grenchen Süd möchte ich am liebsten gar nichts sagen, aber ich habe vernommen, dass da etwas im Tun ist ...»

Ein grosses Potenzial sehen die Experten im Marktplatz. «Er gibt der städtischen Nutzung einen präzisen und identitätsstarken Raum.» Dieser müsse noch dichter werden mit der Schliessung der Baulücke hinter der SoBa. Eine städtebauliche Sünde sei die Eingangsgestaltung im «Passage», der Zugang zum Parkhaus gar eine Katastrophe. Den Immobilienbesitzern empfahl er, die Läden lieber günstig zu vermieten, als leer stehen zu lassen. Denn der Trend des verschwindenden Detailhandels sei ein globaler, der auch in Grenchen nicht umgekehrt werden könne. Der Zeitpunkt des Wochenmarktes am Freitagmorgen sei zu überdenken.

Der Teufel steckt im Detail

Dass Ideen zur Aufwertung der Stadt zwar studiert werden, im Detail dann aber schwierig umzusetzen sind, hatte zuvor bereits eine Präsentation von Stadtbaumeister Aquil Briggen gezeigt. Er zeigte Studien für eine Velounterführung beim Landi-Kreisel. Diese sei aufgrund des Stadtbaches und von Werkleitungen schwierig zu realisieren. Die präsentierten Ideen mit U-förmigen Rampen gegen Westen, mit einer schneckenartigen Rampe inmitten des Kreisels und einer Überführungsbrücke würden alle zwischen 10 und 17 Millionen Franken kosten, wie Briggen in Aussicht stellte. Immerhin sollen sie ins übernächste Agglomerationsprogramm (2028–2032) einfliessen und würden damit zu 35% vom Bund mitfinanziert.

Karin Heimann wurde von Stadtpräsident François Scheid­egger als Wirtschaftsförderin verabschiedet. Sie habe für Grenchen viel erreicht, sagte der Stadtpräsident. Dies wurde auch im «Kompass»-Controllingbericht Stadtentwicklung für das Jahr 2019 sichtbar, welchen Heimann noch präsentierte. Von den 24 Indikatoren haben sich 9 positiv entwickelt, 6 negativ, 8 sind unverändert und einer wurde noch nicht erhoben. In die Freizeitinfrastruktur wurden gut 3 Millionen Franken investiert, vorab in den Kunstrasen und die Badi-Infrastruktur.

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