Die gebürtige Aargauerin Cécile Wick (*1954) gehört zu den vielseitigsten Kunstschaffenden innerhalb der Schweizer Fotografie. Besonders auch deshalb, weil sie die Bedingungen der Fotografie stets neu auslotet und deren Grenzen sprengt.

Es geht der Künstlerin nicht darum, die Welt dokumentarisch zu erfassen. Sie nähert sich ihren Objekten intensiv, bis sich diese zur Ungegenständlichkeit aufzulösen scheinen. Bekannt sind ihre Blumenbilder, in denen die Blütenblätter samtene Farben bekommen und damit gleich einer verwundbaren Haut werden. Gerne nimmt sie auch das Meer, den Wald oder von Menschen umgestaltete Landschaften als Motive.

«Was ist Zeichnung, was Fotografie», kann sich der Betrachter von Wicks Arbeiten immer wieder fragen. Ihr selbst ist diese Frage unwichtig. Sie lässt sich von beidem inspirieren und arbeitet durchgängig.

Drucke an die Wand

Im Kunsthaus Grenchen hat die Künstlerin etwas Neues ausprobiert. Direkt an die Wände hat sie Arbeiten aufgedruckt. Diese durch reine Muskelkraft gedruckten Bilder sind wie Symbole, die eine gemeinsame Geschichte erzählen. Zusammen mit dem Steindrucker Thomi Wolfensberger hat sie dieses Verfahren entwickelt. Als temporäres Kunstwerk werden diese Bilder nach Ablauf der Ausstellung wieder verschwinden.

Manche Motive sind erst bei genauem Hinsehen zu erkennen, so fein und filigran sind sie. So führt Cecile Wick ihre Arbeit immer weiter, die gekennzeichnet ist durch einen unkonventionellen, experimentellen Einsatz der technischen Mittel. Drucken mit dem Gabelstapler, ätzen im Ganzkörperschutz – solche Verfahren wendet die zierliche Künstlerin an. Das Resultat sind Fotografien mit ausgesprochen malerischen Qualitäten, für deren Umsetzung Cécile Wick die unterschiedlichen druckgrafischen Verfahren verwendet.

Ergänzt um Zeichnungen aus den letzten Jahren gibt die Ausstellung einen grösseren Überblick über das druckgrafische Werk von Cécile Wick seit 2006. Erstmals werden auch Lithografien in Übergrösse zu sehen sein.

Originallithos in Buchform

Zur Ausstellung erscheint in einer einmaligen Auflage von 220 nummerierten und signierten Exemplaren im Wolfsberg Verlag, Zürich, eine Edition in Buchform mit 16 Originallithografien; dazu gehört das Werkverzeichnis der Druckgrafik von 2006 bis 2017 mit Texten von Markus Stegmann und Claudine Metzger.

Bei den Lithografien im Buch handelt es sich um jene Bilder, welche die Künstlerin in der Ausstellung als temporäres Kunstwerk direkt auf die Wand gedruckt hat. Sie repräsentieren als eigenständige Kunstwerke auf Papier den nach Ausstellungsende unwiederbringlich zerstörten Wanddruck. Im Girardhaus werden Cécile Wicks Arbeiten mit ganz unterschiedlichen Druckgrafiken aus der Sammlung des Kunsthauses Grenchen ergänzt. In diesem Ausstellungsteil, der von Anna Leibbrandt kuratiert wurde, sind unter anderen Arbeiten von Gerhard Richter, Franz Anatol Wyss, Marcel Peltier oder Arno Hassler zu sehen. Arbeiten, die sich alle mit dem Fotografischen und dem Malerischen auseinandersetzen.

Cécile Wick «sub rosa» Vernissage war am Samstag, 16.30 Uhr. Bis 17. Juni. Offen: Mi bis Sa, 14-17 Uhr. So, 11-17 Uhr. www.kunsthausgrenchen.ch