«Haben wir nun eine neue Donna Leon in Grenchen?», fragte Stadtpräsident François Scheidegger, der sich bei allen Beteiligten – den Buchhändlerinnen, Autorin Iris Minder, dem Musikerduo Peter Schenker und Bruno Schaad, sowie der aus Zürich angereisten Verlegerin Katharina Graf Mullis bedankte. Dabei rief er vor dem zahlreichen Publikum auf , die Buchhandlung Lüthy zu unterstützen. «Wir brauchen ein solches Geschäft hier in Grenchen, es gehört zu unserer Stadt.» Auch eine strahlende Iris Minder sowie Filialleiterin Olivia Schwab sprachen zu Beginn Dankesworte aus.

Die von der Buchhandlung Lüthy organisierte Lesung zu Minders frisch erschienenem Kriminalroman «Das Schattenvermächtnis» war ein voller Erfolg. Der Anlass war ausverkauft und die Buchhandlung proppenvoll, rund hundert Besucher haben sich eingefunden und hatten damit am Schluss der Lesung die Chance, als erste einen Roman zu ergattern, diesen signieren zu lassen und dabei einen Apéro mit selbst gebackenen Züpfen von Schwab zu geniessen.

Iris Minder las aus ihrem neu erschienen Roman "das Schattenvermächtnis" vor

Iris Minder las aus ihrem neu erschienen Roman "das Schattenvermächtnis" vor

In dreieinhalb Monaten geschrieben

Minder, die in der Region vor allem als Theaterautorin- und regisseurin bekannt ist, verfasste ihren Erstlingsroman innert dreieinhalb Monaten. Die Idee dazu kam ihr vor zehn Jahren. Damals hatte sie die ersten drei Seiten verfasst und stiess schliesslich zufällig auf diese geschriebene Textstelle. Bereits drei Tage nach dem Einsenden des Manuskripts erhielt sie von zwei Verlagen eine Zusage. Sie entschied sich für den Kameru-Verlag, der ihr «sympathischer erschien».

Der Hautspielort des Krimis ist eine wirklich existente Bauernhofruine – das Witeli – die am Jura liegt. Die Geschichte und die Figuren jedoch sind fiktiv. Beim Witeli verschwindet ein Journalist spurlos, aber auch die Tochter der Stadtarchivarin Andrea Erismann. Dabei ist die Frage, ob eine Intrige hinter dem Ganzen steckt oder ob sogar die Seelen der Toten involviert sind, die wegen ihrer Sünden keine Ruhe finden.

Spannende Passagen

Minder hatte gleich mehrere spannende Stellen aus ihrem Buch für das Publikum parat. Der erste Ausschnitt führte ins Jahr 1815, zu einem nebligen Tag mit matschiger Strasse, der Jakob Güggi folgte und schliesslich etwas erblickte, von dem er genau wusste, dass es ihm den Tod bringen würde.

Danach reisten die Zuhörer 200 Jahre in die Zukunft und bekamen das Verschwinden von Erismanns Tochter mit, aber auch wie die Stadtarchivarin über einer Familienakte brütete und wegen unheimlicher Vorkommnisse an ihrem Verstand zweifelte.

Die Anwesenden hingen Minder an den Lippen und lauschten dem Inhalt und gebannt, um schliesslich zu grinsen und zu lachen, als Doro Schenker ihrem Arbeitskollegen Roland wütend im Büro an der Kirchstrasse vom allmorgendlichen Verkehrschaos berichtete.

Schenker am E-Piano und Schaad am Kontrabass untermalten die gelesenen Ausschnitte musikalisch. Die beiden Komponisten schafften es, durch rhythmische Melodien die oftmals mysteriöse Stimmung passend zu unterstreichen und damit die im «Schattenvermächtnis» beschriebene Atmosphäre zu verstärken.