Ins
Vom Albert Anker-Haus zum Centre Albert Anker

Der Grundstein zum neuen Kunstpavillon im Garten des Albert Anker-Hauses in Ins ist gelegt, die Finanzierung weitgehend gesichert. Künftig lässt sich der vielfältige Nachlass noch besser präsentieren.

Tildy Schmid
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Der neue Kunstpavillon entspringt den Ideen der Architektengemeinschaft Fabian Pauli und Marcel Hegg.

Der neue Kunstpavillon entspringt den Ideen der Architektengemeinschaft Fabian Pauli und Marcel Hegg.

Tildy Schmid

Im oberen, nordöstlichen Teil des grosszügigen Gartens hinter dem Ankerhaus in Ins haben sich, nebst den Nachkommen Albert Ankers, dem Stiftungsrat, illustre Gäste aus Kanton und Gemeinde versammelt um die Grundsteinlegung hautnah mitzuerleben. Matthias Brefin, der Ur-Ur-Enkel des Malers und Bettina Lüdin (Enkelin Ankers der fünften Generation) nutzen die bereitgestellte Leiter um in die Tiefe der grossflächigen Baugrube hinabzusteigen und helle Blechdose zu vergraben.

Geburts-, Arbeits- und Wohnstätte von Albert Anker in Ins. Erbaut 1803 von seinem Grossvater Samuel Anker.
8 Bilder
Im Atelier, 1860 eingerichtet, fühlt man sich dem Maler Albert Anker nahe. Die Inser haben hier vor 150 Jahren Modell gesessen.
Das heutige Tenn wird als Ausstellungs- und Begegnungsraum konzipiert.
Gemeinsam mit dem Revierförster und dem Stiftungsrat wurden die Eichen für den Kunstpavillon im Inserwald ausgewählt
Der Inser Marcel Hegg und sein Kollege Fabian Pauli, erläutern den Umstehenden die Bauweise des Pavillons.
In die Blechdose gehören nebst der offiziellen Urkunde verschiedene persönliche Sachen. Die eine uralte Schnapsflasche mit verrosteten Bügelverschluss wurde beim Ausheben der Baugrube gefunden.
Die Blechdose mit den Urkunden wird in der Baugrube zum Pavillon von Ur-Ur-Enkel Matthias Brefin und Bettina Lüdin, Enkelin in vierter Generation, versenkt.
Der Kunstpavillon entspringt den Ideen der Architektengemeinschaft Fabian Pauli und Marcel Hegg.

Geburts-, Arbeits- und Wohnstätte von Albert Anker in Ins. Erbaut 1803 von seinem Grossvater Samuel Anker.

zvg

«Il a cassé sa pipe»

Nach uraltem Brauch enthält die Dose Pläne des Kunstpavillons, Urkunden mit Namen, einen Satz frisch geprägter Schweizermünzen Baujahr 2021 und eine zerbrochene Pfeife. Warum das? Anker liebte es Pfeife zu schmauchen, an die vierzig Exemplare fanden sich in seinem Haus. In Briefen Ankers ist oft zu lesen: «il a cassé sa pipe», «er hat seine Pfeife zerbrochen». So schrieb Anker, wenn jemand das Zeitliche gesegnet hatte. Als farbig frischer Gruss legt Jeanne Lüdin, Nachfahrin der Basler Linie von Anker ältester Tochter Luise, einige Zweige auf die Blechdose.

Ein letzter Blick und schon schaufeln die Nachfahren das Ganze zu. Etwas wehmütig bemerkt der 78-jährige Matthias Brefin, er sei inzwischen annähernd so alt wie Anker, der 1910 79-jährig starb. «Ein solches Erbe verpflichtet andere daran teilhaben zu lassen». Doch Loslassen gehöre zum Altwerden und so sei auch für ihn die Zeit gekommen, das Ankerhaus, das ihm Heimat und Lebensaufgabe war, loszulassen. Tröstlich sei, dass er es in den Händen der Stiftung bestens aufgehoben wisse.

Die Zukunft beginnt

Der Grundstein ist gesetzt, die erste Etappe zum Centre Albert Anker beginnt mit dem Bau des Kunstpavillons. Darin sollen die Kunst- und Kulturgüter sicher bewahrt und im Schauraum dem Publikum zugänglich gemacht werden. «Ab Frühling 2022 wird dann die Infrastruktur des historischen Wohnhauses sanft erneuert» erklärt die Kunsthistorikerin Isabelle Messerli. Der Ökonomieteil werde unter anderem als Raum für Dauerausstellungen eingerichtet.

Dass das Centre Albert Anker im Jahr 2023 dem Publikum geöffnet wird, freut besonders den Inser Gemeindepräsidenten Kurt Stucki.

«Endlich ist die Zeit des Wartens vorbei und es geht vorwärts»,

meint er erleichtert.

Eichen aus dem Inserwald

Der Inser Marcel Hegg entwickelte mit seinem Studienkollegen Fabian Pauli schon im Jahr 2015 die Grundidee eines Anker-Pavillons für seine Bachelor-Arbeit an der ETH Zürich und präsentierte damals seine Arbeit am traditionellen Inser Märit. Nun ist in enger Zusammenarbeit mit dem Stiftungsrat ein wohl abgespecktes, dafür durchaus realisierbares Projekt entstanden.

Im Garten entsteht ein einfacher, energieschonender, feingliederiger Massiv-Holzbau mit zwei Geschossen. «Grundsätzlich interpretieren wir einen ganz gewöhnlichen bäuerlichen Speicher», präzisiert Marcel Hegg die Grundidee. Der hundert Quadratmeter grosse Ausstellungsraum erhält durch eine umlaufende Laube aus massiven Eichenholzstützen einen Vorraum, der den Gebäudekern vor der Witterung schützt. Der vorgelagerte Laubengang nimmt mit schrägen Stützen spielerisch die Initialen des Malers auf, der seine Briefe gerne mit AAAA (Albert Anker à Anet) unterschrieb.

Die 50 cm dicke Aussenwand besteht aus Weisstanne, die inneren Bretterlagen aus Fichten Sturmholz. Alles ist mit Dübeln mechanisch, ohne Leimstoffe, verbunden. «Die für den Bau nötigen Eichen (bis 150 Jahre alt) haben wir mit Revierförster Markus Zwahlen und dem Stiftungsrat im Inserwald ausgewählt. Die übrigen Hölzer kommen aus den Wäldern der Region und sind erst noch in der richtigen Mondphase geschlagen», verdeutlicht Marcel Hegg indem er auf die vor Ort aufgestellten Modellelemente hinweist.

Die Finanzierung

Die Bau- und Umbaukosten sind auf 5.4 Millionen Franken veranschlagt, dazu kommen, auf fünf Jahre berechnet, die Kosten für betriebliche und künstlerische Leitung von 600'000 Franken. Nebst ausgewiesenen Fachleuten setzt man weiterhin auf die bisherigen Atelier Führerinnen und freiwillige Helfer aus dem Dorfverein Ins. «Die Finanzierung ist dank dem Engagement der Familie Anker, die allein zwei Millionen beisteuert, sowie Gönnern und Stiftungen, zurzeit zu 60 Prozent gesichert», sagt Stiftungsratspräsident Roger von Wattenwyl. Zudem stimmen die laufenden Verhandlungen mit dem Kanton, Lotteriefonds, Amt für Kultur und Denkmalpflege, künftigen Partnern und Gönnern, den Stiftungsrat zuversichtlich.

Die Stiftung bewahrt

1994 gründeten der Kanton Bern, die Burgergemeinde Bern gemeinsam mit der Gemeinde Ins und dem Stifter Matthias Brefin die Stiftung «Albert Anker-Haus Ins». Bei der Stiftungsgründung brachte die Besitzerfamilie das gesamte Inventar des Hauses unter Einschluss aller Kunstwerke in die Stiftung ein. Inzwischen hat Matthias Brefin auch die Liegenschaft samt Garten der Stiftung zum bereits bei der Stiftungsgründung festgesetzten Preis überlassen. Im Jahr 2009 ist das 1803 erbaute Ankerhaus vom Bundesrat als Einzelobjekt in das Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung aufgenommen worden. «Zahlreiche Schenkungen dokumentarischer Einzelobjekten haben den Bestand der Stiftung stark erweitert», weiss Roger von Wattenwyl, umso mehr fühle man sich dem kultur- und kunsthistorischen Auftrag verpflichtet.

Erleben und teilen

Albert Anker hat der Nachwelt einen unermesslichen Schatz an Werken, Gedanken, Gegenständen und kulturellen Zeugnissen hinterlassen. Etwa 800 Ölbilder und ebenso viele Aquarelle, unzählige Zeichnungen, Skizzen und Entwürfe sind in öffentlichen und privaten Sammlungen erhalten. «Das Herzstück jedoch ist und bleibt das Atelier. Die Besucher tauchen ein in Ankers Arbeitsraum, in dem fast alle bekannten Werke entstanden sind, indem Inser dem Maler vor 150 Jahren Modell gestanden oder gesessen sind», schildert Isabelle Messerli engagiert den authentischen Ort.

Albert Anker wurde schon zu Lebzeiten mehrfach ausgezeichnet.

Der Orden des Chevaliers de la Légion d’honneur, die Ehrendoktorwürde der Universität Bern, mehrere hohe Medaillen an internationalen Ausstellungen in Paris, Wien, München und Berlin sowie das Staatsbegräbnis 1910 in Ins zeugen von Anerkennung. Das Centre Albert Anker will die Ausstrahlung dieses grossen Geistes und eindrücklichen Menschen weitertragen und vor allem mit allen Interessierten teilen.

Mithelfen zu verwirklichen

Wer will kann als Sponsor, Mäzen, Gönner, als Kunst- und Kulturinteressierte die Stiftung unterstützen. Die Möglichkeiten der Unterstützung sind breitgefächert. Zum Beispiel: Unterstützung für den Betrieb, bauliche Investitionen, Restaurierungs-, Konservierungs- oder Inventarisierungskosten oder gezielt für eine Kunst- und Kulturausstellung, ein Legat oder eine einmalige Spende. Jedes Engagement, ob gross oder klein, ist herzlich willkommen, denn auch mit einem kleinen Beitrag lässt sich Grosses bewirken.

Siehe Spendenkonto auf www.centrealbertanker.ch