Am Dienstagabend will sich der Grenchner Gewerbeverband GVG an seinem durch Präsident Heinz Westreicher wiederbelebten Stammtisch unter anderem mit dem Marktplatz beschäftigen. Es ist kein Geheimnis, dass Autofreunde und Gewerbler das Fahrverbot am Ende der Marktstrasse aufheben wollen, sodass man wieder rechts auf den Marktplatz abbiegen kann (Lieferanten können das am Vormittag heute schon). Geäussert wurde dabei sogar die Idee, auf dem Marktplatz Nord wieder Parkplätze zu installieren.

Die Folge wäre wohl eine endlose Autoschlange von Suchverkehr, die sich im Geviert Marktstrasse, Marktplatz, Schild-Rust-Strasse und Kapellstrasse im Kreis dreht – auf der Suche nach einem Parkplatz. Und gleichzeitig sind 150 Meter daneben im Coop-Parking hunderte Gratis-Parkplätze frei. Voll ist dieses Parkhaus nie.

Unbeliebtes Parkhaus

«Ich weiss zwar auch nicht, ob das der Weisheit letzter Schluss ist, möchte aber erfahren, wie gross der Handlungsbedarf empfunden wird, sagt GVG-Präsident Heinz Westreicher zu den Themen des heutigen Stammtisches. «Es ist einfach eine Tatsache, dass gewisse Leute nicht in einem Parkhaus parkieren möchten.» Es würden aber sicher auch andere Fragen hinsichtlich Zentrumsattraktivierung diskutiert, versichert er.

Die Frage ist, ob sich die Verkehrspolitik der Stadt nach den Parkhaus-Phobikern ausrichten soll. Oder ob man nicht eher das leere Parkhaus besser «verkaufen» sollte. Es existieren vom Marktplatz zwei direkte Zugänge zu den 368 Gratis-Parkplätzen unter dem Coop bzw. Centro: Eine wurde 2005 geschlossen, angeblich wegen Vandalismus, aber auch um die Begegnungszone auf der Bielstrasse zu beleben. Seither versperrt ein Eisengitter den direkten Weg zum Gratisparkplatz.

Direkter Weg vorhanden

Doch es gibt einen zweiten, noch bequemeren Weg dorthin. Wer im Foyer des Centro-Hochhauses direkt gegenüber dem Stadtdach beim Lift U3 drückt, landet vor dem Durchgang zum zweiten UG des Coop-Parkhauses. Sogar einen Ticket-Automaten gibt es dort. Doch auch das scheint offenbar vielen Leuten zu beschwerlich.

Stadtbaumeister Daniel Gäumann meint auf Anfrage, die Wiedereröffnung der Unterführung nach nunmehr zehn Jahren sei eine prüfenswerte Option. «Sie müsste dafür allerdings zeitgemäss saniert werden», betont er.

Coop zurückhaltend

Vandalismus ist heute in Grenchen zum Glück kein grosses Thema. Doch Coop scheint an einer Wiedereröffnung der Passage nicht interessiert: «Die Schliessung erfolgte im gemeinsamen Beschluss mit der Gemeinde Grenchen. Eine Wiederöffnung ist derzeit nicht beabsichtigt», teilt Coop-Mediensprecher Benjamin Schweingruber mit. Kein Wunder, wäre es doch ein weiterer Zugang ins Coop-Parking, das den eigenen Laden umgeht. Eine bessere Markierung des Wegs zum Marktplatz im Parking wolle man aber immerhin prüfen.

Die Propagierung des Parkhauses bleibt nicht gerade einfach. Denn ausgerechnet die sonst fussgängerfreundliche SP hat jetzt auch noch begonnen, das Parkhaus schlechtzureden. So wurde kürzlich in einem Vorstoss behauptet, die Preise des Parkings seien «massiv erhöht» worden. Dies wird von Coop rundweg dementiert. «Die Preise im Parkhaus der Coop-Verkaufsstelle Grenchen wurden in den letzten Monaten nicht erhöht». Man habe lediglich eine Gebühr für verlorene Tickets eingeführt, heisst es auf Anfrage.

Nach wie vor günstig

Ein Blick auf die Preistabelle bestätigt denn auch die preisliche Attraktivität des Coop-Parkhauses, insbesondere im Vergleich zu anderen Innenstädten: Erste Stunde gratis, 1,5 Stunden 50 Rp, bis 2 Stunden 1.50 Fr., erst danach wird es progressiv teurer: (3 Stunden 6 Fr., 4 Stunden 9 Fr, 5 Stunden 13.50 Fr, danach jede weitere Stunde 4 Fr. Spottbillig ist es nachts und am Wochenende: 50 Rappen die Stunde.