Juragewässerkorrektionen
Ingenieurleistung mit ökologischen Schwächen

Rudolf Käser aus Büren an der Aare referierte im Kultur-Historischen Museum Grenchen über eine der grössten Ingenieurleistungen in der Region der vergangenen Jahrhunderte.

André Weyermann
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Rudolf Käser referierte über Juragewässerkorrektionen
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Bilder aus dem Vortrag im Kultur Historischen Museum zur Juragewässerkorrektion
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Rudolf Käser referierte über Juragewässerkorrektionen

igu

Die Zuhörenden im gut besetzten Kultur-Historischen Museum kamen in den Genuss eines ebenso spannenden wie informativen Vortrages über die beiden grossen Juragewässerkorrektionen im 19. und 20. Jahrhundert. Auf Einladung der Museumsgesellschaft referierte der Ingenieur und Raumplaner Rudolf Käser aus Büren an der Aare.

Der ausgewiesene Kenner der Materie beleuchtete dabei nicht nur eingehend die wegweisenden Projekte, welche aus dem oft überschwemmten und versumpften Gebiet um die Juragewässer fruchtbares Kulturland machten. Vielmehr ging er auch auf die Entstehungsgeschichte der besagten Region ein, stellte das jeweilige Handeln und Wirken in deren politischen und gesellschaftlichen Kontext, liess wegweisende Persönlichkeiten aufleben, verwies auf gemachte Fehler, ökologische «Sünden» und den Versuch, diese zu korrigieren. Und nicht zuletzt mahnte er eindringlich an, dass die Bemühungen auch heute nicht eingestellt werden dürften, sondern dass Betrieb, Unterhalt und Ausbau an den Projekten ein Dauerauftrag sein müsse.

Zur Person

Rudolf Käser, Jahrgang 1954, ist Leiter Abteilung Verkehr und Unterhalt der Gemeinde Köniz. Der diplomierte Kulturingenieur ETH hat sich schon früh der Verkehrs-und Raumplanung verschrieben. Er war über zehn Jahre Geschäftsleitungsmitglied in der Architektur- und Planungsfirma Metron. Er arbeitete zudem als Leiter der Abteilung Luft im Amt für Umwelt des Kantons Solothurn und war während Jahren Geschäftsführer der Repla Grenchen-Büren. Seine politische Karriere führte ihn bis in den Berner Grossrat. Rudolf Käser ist in Meienried geboren, wo er noch immer wohnt. Er präsidiert die Heimatpflege Büren an der Aare. (igu)

Seit dem 16. Jahrhundert häuften sich die Überschwemmungen im Seeland und den angrenzenden Gebieten. Zu Beginn und gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Situation immer bedrohlicher. Der Meienrieder Arzt und Politiker (Regierungsrat) Johann Rudolf Schneider war es dann, der das Projekt einer Korrektion vorantrieb. Trotz Kulturkampf war man gezwungen, zusammenzuarbeiten. Die betroffenen Kantone Bern, Freiburg, Waadt, Solothurn und Neuenburg einigten sich auf ein Korrektionskomitee. Schliesslich war aber insbesondere Schneider der Ansicht, dass man mit einer privaten Gesellschaft besser fahren würde. Nach der 1848 erfolgten Gründung des modernen Bundesstaates wurde die Korrektion zur landesweiten Aufgabe, was ihre Lösung beschleunigte. Trotzdem dauerte es bis 1868, bis endgültig zu Werke gegangen wurde. Als Herzstücke wurden der Hagneck Kanal (Ableitung der Aare in den Bielersee) und der Nidau-Büren-Kanal (Ableitung des im Bielersees vereinten Wassers) gebaut. Zudem erfolgten Anpassungsarbeiten auf der Flussstrecke zwischen Büren bis unterhalb Solothurn (Emme-Mündung).

Auch nach der ersten Juragewässerkorrektion kam es noch zu teilweise katastrophalen Überschwemmungen. Die Probleme waren ungünstige Verhältnisse zwischen Zu- und Abfluss der drei Juraseen und Setzungen der Torfböden im Grossen Moos. Eine zweite Juragewässerkorrektion wurde geplant.

Bis 1939 entstand daraufhin im Nidau-Büren-Kanal das Regulierwehr Port mit einer Schiffsschleuse. Die weiteren Arbeiten wurden 1962–73 ausgeführt: Das Kraftwerk Flumenthal wurde als Regulierwehr erstellt, das Bett der Aare zwischen Büren an der Aareund Flumenthal wurde erweitert und der sogenannte Emmeriegel entfernt.

Broye-, Zihl- und Nidau-Büren-Kanal und der Aarelauf Büren–Flumenthal wurden verbreitert, vertieft und die Ufer ausgebaut. Nach dieser zweiten Korrektion entwickelte sich das Seeland zum wichtigsten Gemüseanbaugebiet der Schweiz.

Die beiden Grossprojekte waren bestimmende Meilensteine in ingenieurtechnischer Hinsicht, ökologisch aber zeugten sie von wenig Weitsicht, betonte Rudolf Käser. Gewisse Retuschen in dieser Hinsicht wurden deshalb auch bereits angebracht oder sind noch in Planung.

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