Grenchen
Infizierte Person ging trotz Isolation in den Ausgang – 280 Personen in Quarantäne

Am Donnerstagabend wurden rund 280 Personen im Umfeld zweier Partys in Grenchen unter Quarantäne gestellt. Eine positiv auf Corona getestete Person hatte trotz Isolation an Veranstaltungen teilgenommen. Der Kanton prüft nun rechtliche Schritte.

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Eine positiv auf COVID-19 getestete Person hat vergangenes Wochenende die Isolationsmassnahmen missachtet und zwei Veranstaltungen im Raum Grenchen besucht, teilt der Kanton am Freitag mit. Die Isolationsmassnahme der betreffenden Person sei im Vorfeld kontrolliert worden und es habe kein Anhaltspunkt für ein unkooperatives Verhalten bestanden.

«Am Donnerstagabend hat jedoch das Contact-Tracing-Team des Kantons Solothurn in Erfahrung gebracht, dass die Isolationsmassnahme einmalig missachtet wurde», heisst es weiter. Noch am gleichen Abend hat deshalb der Kantonsärztliche Dienst die Präsenzlisten von den Veranstaltern eingefordert und sofort für rund 280 Besuchende und Mitarbeitende eine zehntägige Quarantäne verordnet. Da nur Telefonnummern verfügbar waren, wurden die Personen per SMS-Nachricht informiert. Im persönlichen Umfeld der Person stehen laut Kanton bereits seit längerem zwei Personen unter Quarantäne.

Bei einer der Veranstaltungen handelte es sich laut Polizeikommandant Christian Ambühl um eine von der Polizei bewilligten Party im Parktheater Grenchen mit rund 280 Anwesenden. Von 14 bis 22 Uhr wurde dort an der Mysteryparty-Dayparty gefeiert. Danach ging es für die infizierte Person und weitere Partygäste an der Afterparty im Joker Club weiter.

«Gesundheit in Gefahr gebracht»

«Hier hat jemand vorsätzlich die Gesundheit seiner Mitmenschen, seiner Freunde in Gefahr gebracht», sagt Thomas Vogt, Verwaltungsratspräsident des Parktheaters gegenüber «20Minuten». Er versichert, dass bei den Eingängen die notwendigen Kontrollen gemacht worden waren. Die Person mit dem Coronavirus habe die Erkrankung verheimlicht.

Die Partyveranstalter selbst sind frustriert. Doch auch von seiner Seite heisst es, dass man die Vorschriften eingehalten habe. Eine einzige Person habe alles kaputt gemacht, sagt er gegenüber dem Regionalsender TeleM1.

Noch keine weitere Person positiv getestet

Ob sich Personen an den beiden Partys infiziert haben, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Stand Freitag ist keine weitere Person positiv getestet worden. Dutzende Personen wandten sich ans Bürgerspital Solothurn für einen Test.

Kostenlose Tests führen zu Anstieg

Seit dem 25. Juni wird der Corona-Test in der Schweiz kostenlos angeboten. Sämtliche Tests werden über den Bund finanziert und damit von der Franchise befreit. Davor wurden die Kosten bei einem Teil der Patientinnen und Patienten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen oder gingen zu Lasten der Kantone.

Diese Änderung hatte Auswirkungen auf die Test-Zahlen bei den Solothurner Spitälern. «Es kam zu einem relevanten Ansteigen der durchgeführten Tests», sagt Mediensprecher Hannes Trionfini auf Anfrage.

Es gebe verschiedene Kriterien für Personen, die zu einem Test zugelassen werden.

- Vorliegen von mit COVID-19 vereinbaren Symptomen.

- Benachrichtigung via SwissCovid APP

- Kantonsärztliche/Kontakt-Tracing Verordnung.

Nach einem Test dauert es rund 24 Stunden, bis ein Ergebnis vorliegt. (ldu)

Seit Donnerstagabend seien 110 Patientinnen und Patienten getestet worden, heisst es am frühen Freitagnachmittag von seiten der Solothurner Spitäler AG. «Ein Grossteil» davon sei im Zusammenhang mit den Grenchner Veranstaltungen gestanden.

Bis 10'000 Franken Busse

Der Kanton weist daraufhin, dass Verstösse gegen die vom Kantonsärztlichen Dienst angeordneten Quarantäne- und Isolationsmassnahmen in strafrechtlicher Hinsicht mit Busse bestraft werden. Er wird rechtliche Schritte gegen die entsprechende Person prüfen. Ihr könnten eine Busse von bis zu 10'000 Franken blühen. Dies bei einem vorsätzlichen Missachten der Quarantänepflicht.

Am Dienstagabend war bereits ein grösserer Quarantänefall aus Olten bekannt geworden. Eine Person, die nachträglich positiv auf das Virus getestet worden ist, hatte sich am Wochenende in verschiedenen Bars und Restaurants und einem Club aufgehalten. Bisher wurde für 340 Personen eine Quarantäne angeordnet. (ldu)