Grenchen
Industrieberufe live erleben

In Grenchen hat Erziehungsdirektor Remo Ankli die fünfte Ausgabe der Berufsmesse IB Live eröffnet. Während dieser Woche lernen 1600 Jugendliche in vier Betrieben 18 Berufe kennen.

Andreas Toggweiler
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Josef Widmer, stv. Direktor im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, auf dem Rundgang mit Reto Kohli, Präsident der durchführenden Stiftung IHVG, und Erziehungsdirektor Remo Ankli (v. l.).

Josef Widmer, stv. Direktor im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, auf dem Rundgang mit Reto Kohli, Präsident der durchführenden Stiftung IHVG, und Erziehungsdirektor Remo Ankli (v. l.).

Oliver Menge

Die Jugendlichen als Lernende und als Schüler in der Berufswahl sind die Hauptakteure bei der Durchführung der 5. Berufsmesse IB Live, welche gestern Abend in der ETA-Lehrwerkstätte in Grenchen eröffnet wurde. «Wir haben über 1600 Anmeldungen aus den Schulkassen in der Region und sind mit diesen Buchungen sehr zufrieden», sagte Reto Kohli, Leiter der Lehrlingsausbildung bei der Swatch Group und Präsident der durchführenden Stiftung des Industrie- und Handelsverbandes Grenchen (IHVG). «Wir möchten bei den Jugendlichen ein Feuer entfachen, die Motivation für eine Berufslehre wecken, aber auch falsche Vorstellungen über gewisse Berufe korrigieren.»

Vier Industriebetriebe machen bei der IB Live mit: ETA SA Manufacture Horlogère Suisse, Blösch AG in Grenchen, Synthes Produktions GmbH in Bettlach und Stryker in Selzach. Hier erklären vor allem Lernende dem potenziellen Nachwuchs ihren Lehrberuf und lassen sich bei ihren Tätigkeiten über die Schulter blicken.

Erziehungsdirektor Remo Ankli dankte den Industrieverbänden IHVG und Inveso für die abwechslungsweise Durchführung der Berufsmesse. «Die Betriebe in der Region sind sich der Bedeutung der Berufsausbildung bewusst», hielt Ankli fest.

Er unterstrich, dass der Mangel an Fachkräften im Sorgenbarometer zurzeit zwar etwas von den Ängsten vor einer Deindustrialisierung abgelöst worden sei. Aus langfristigen demografischen Überlegungen sei dies aber ein Trugschluss. Die Ausbildung von Berufsnachwuchs sei nach wie vor eminent wichtig und – «ja, es braucht auch Zuwanderung».

Als Fachreferent konnte Reto Kohli Josef Widmer, stv. Direktor des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation, begrüssen. Auch Widmer zeigte sich erfreut, dass die IB Live attraktive Industrieberufe bekannt mache. Als «oberster Berufsbildner der Schweiz» erläuterte er die aktuellen Herausforderungen der Berufslehre der Zukunft.

Er werde immer wieder vom Ausland gefragt, wie ein so komplexes, arbeitsteiliges Berufsbildungssystem in der Schweiz funktionieren könne. Die Antwort erscheint zunächst trivial: «Indem alle die ihnen zugedachte Rolle wahrnehmen», sagte Widmer. Äusserst wertvoll und erhaltenswert sei in diesem Zusammenhang das ehrenamtliche Engagement in einem Milizsystem. «Dieses droht allerdings an den Anschlag zu kommen», warnte der Experte des Bundes. Weitere Herausforderungen sind erhöhte Anforderungen («wo kann man Ballast abwerfen?»), Internationalisierung, Technologisierung und die demografische Entwicklung.

Widmer rief zudem die Lehrmeister auf, Lernende nicht auf Noten zu reduzieren, sondern ihre Persönlichkeit zu fördern. Die Förderung von «interkulturellen Kompetenzen», z. B. durch Auslandaufenthalte, sei ein erklärtes Ziel des Bundes.