Eine Bieler Firma hatte letztes Jahr ein Bauprojekt für 30 Eigentumswohnungen auf dem brachliegenden Gelände an der Kirchstrasse vorgestellt, wo einst das Restaurant Ticino stand. Auf der knapp 2800 Quadratmeter messenden Fläche wurde ein L-förmiger Gebäudekomplex aus drei fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern geplant. Als Baubeginn war laut der Grundeigentümerin der Sommer 2014 vorgesehen, also jetzt. Doch passiert ist bis heute auf dem Grundstück nichts.

Die Firma Immopart (Solothurn und Grenchen) sollte die Wohneinheiten vermarkten. Dafür wurde sogar extra ein Bürocontainer aufgestellt, wo sich mögliche Käufer über das Projekt informieren konnten. «Wir haben zu wenig Interessenten für Wohnungen gefunden», erklärt nun Immopart-Vertreter Roman Kölliker. Die Projektinhaberin und Grundbesitzerin, die Firma BreLux Consulting in Biel, will nun das Projekt weiterverkaufen. «Wir haben es leicht überarbeitet und suchen jetzt einen Investor, der es als Renditeobjekt erwerben möchte», bestätigt auch Anouk Bregnard von BreLux. Statt Eigentumswohnungen werden nun Mietwohnungen geplant. BreLux will das Projekt weiterhin selbst erstellen und danach schlüsselfertig verkaufen.

Klarer Trend zu Mietwohnungen

Man habe festgestellt, dass für Eigentumswohnungen die Lage offenbar nicht optimal sei und vielmehr Mietwohnungen in dieses Umfeld passen würden, so Bregnard weiter. In der Tat werden nicht weit weg vom Ticino-Projekt zurzeit gleich drei Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen erstellt: Auf dem Felca-Areal in der Schützengasse und in der Quartierstrasse. Diese Häuser sind zurzeit im Bau.

Nicht dass Eigentumswohnungen nicht mehr gefragt wären – es ist tatsächlich eine Frage der Lage, wie auch aus anderen Immobilienkreisen bestätigt wird: Die grösste Baustelle der Stadt seit dem Velodrome ist ganz am Rande der Stadt. Dort wird zurzeit ein ganzer Hang mit Terrassenwohnungen im Stockwerkeigentum überbaut. Überhaupt ist die obere Stadthälfte Wohneigentums-Land, während im Zentrum und bei den Bahnhöfen sich die Mieter tummeln. Sie wollen (oder müssen) beruflich mobil bleiben, gehen auf den Zug oder auf die Autobahn.

Auch nur einen Steinwurf vom Ticino entfernt ist das geplante neue Gebäude auf dem Nivada-Areal an der Viaduktstrasse. Es soll ebenfalls Mietwohnungen umfassen, und zwar eher kleinere, beispielsweise für Single- oder kinderlose Haushalte. «Wir planen 28 Wohnungen mit Einstellhallenplatz, vornehmlich 2½- und 3-Zimmer-Wohnungen, erklärt Beat Frischknecht, CEO der Bauherrin bfw Liegenschaften in Frauenfeld. Ende August sollen die Aushubarbeiten an der Viaduktstrasse beginnen, im Dezember 2015 sind die Wohnungen bezugsbereit. Investiert werden laut Frischknecht rund 9 Mio. Franken.

Freimatt: Vier neue Blöcke

Ein weiteres Wohnbau-Grossprojekt für Grenchen ist in der Nähe des Südbahnhofes soeben publiziert und profiliert worden. Auf dem verbleibenden Stück Land der Freimatt plant die Berner Firma Monviso vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 72 Wohnungen. Auch hier sind laut Projektverfasserin Susanne Thomke von der Bieler Spax Architekten GmbH alles Mietwohnungen vorgesehen. Der Baubeginn ist im kommenden Februar geplant, der Bezug im August 2016. Auf dem Gelände stand einst das Mutterhaus der Flugzeugfabrik Farner. Die Gebäude der Fabrik wurden letztes Jahr abgerissen und der Boden danach auf Altlasten untersucht. Laut Thomke wurden keine problematischen Stoffe festgestellt.