Es war ein bewegender Moment, als Obernarr Diego Kummer zum letzten Mal die Stufen aufs kleine Podest erklomm, um sich bei allen Beteiligten der Grenchner Fasnacht und beim Publikum für seine letzte Fasnacht als Obernarr zu bedanken.  Die Guggenmusiken  Cocoloris, Frösch, Hilari Brothers, No Copyrights und Schuelschwänzer hatten sich im Halbrund aufgestellt, dazu alle Zünftlerinnen und Zünftler, Wagenbauer und Dekomeister der verschiedenen Fasnachtsbeizen. Nach einer musikalischen Einstimmung durch die Guggen warf Obernarr Kummer in seiner Bööggenrede einen Blick zurück, auf seine Zeit als Obernarr und auf die diesjährige, wunderbare Fasnacht. Es sei zwar nicht die grösste Fasnacht, aber die qualitativ beste, habe man ihm gesagt.  «Ha 6 Johr lang dörfe d’VFZ leite – Und ä tolli Stimmig wöue verbreite – Vieli Narre hei mir hüür ufaufäu brichtet – dir siget zfride was öiche Ober het verrichtet» ... «Tolli Stunde wärde mir in Erinnerig blibe – Tritte ab und bruche keini Rede meh zschribe – Due nüm uf die grossä Bühninä rönne – Sondern mir chli Rueh jetz gönne."

Diego Kummer holte auch gleich seinen Nachfolger auf die Bühne, um ihn dem Publikum vorzustellen - das heisst, das war eigentlich nicht nötig, denn Patrick Meier ist als ehemaliger Kindernarr und Vize-Obernarr seit langem aktiv dabei. "I gibe s Amt sofort i früschi Häng – Die si nid müed, die möge gäng – A mire Site steit scho ä Nöie parat – Het scho Erfahrig grad im Quadrat – Aus Kindernarr und aus Vize mi begleitet hett – Und aus nöie Ober d’Stärne vom Himmu hole wett». Meier, der nun als neuer Obernarr amten wird, konterte: «Närrinne und Narre, es freut mi sehr – Und es isch mir au ä Grossi Ehr – In Zuekunft s’Narreschiff do z’länke – Dir müesst jetz aber jo nid dänke – Ig wüu das Schiff bachab jetzt länke – Ig stüre nämlich dr Bach z’düruf – Wohl wüssend chostets ä huufe Schnuf – Doch ig wirde aues gäh – Do chöit dir mi bim Wort mou näh – Dass mit dr Fasnacht obsi goht».

Stadtpräsident François Scheidegger konnte es kaum erwarten, die Macht in Form der Fasnachtsplakette wieder zurückzuerhalten: "Liebi Obernarre, ig mues öich jetz ungerbräche - ab hüt lueg ig ufaufäu wider zum Rächte - ha lang gnue Ferie gno - brönne druf für Gränche wider a Start ds goh - seckle hüt z'Obe no is Stadthuus - Batterie si ufglade und bruche nümm meh Pfuus - aui Dossier wo wäg dr Fasnacht si ligge blibe - muesi wider ufm Kompass erfasse und voratribe."

Danach überreichte der abtretende Obernarr Diego Kummer zum letzten Mal die Insignien der Macht, die Fasnachtsplakette, an Stapi Scheidegger. Den neuen Obernarren Patrick Meier schwor dieser noch ein, nur mit guten Ideen am nächsten Hilari zu erscheinen, ansonsten er ihm die Macht nicht übergeben werde.

Die Zeit war reif für den Böögg, einer wunderbaren farbigen Gestalt mit weit abstehenden Ohren mit einem Fass vor dem Bauch, in dem alles, was den Grenchnerinnen und Grenchnern Bauchschmerzen bereitet hatte übers Jahr, verbrannt werden sollte: Die Krähen, die vorwiegend ums Hôtel de ville herum krächzen, die leidige Geschiche mit dem Blitzeinschlag im Passage, dem immer wieder aufflammenden "Gschtürm" um den Windpark und nicht zuletzt - ganz zuunterst im Fass - dem Dokufilm von SRF über Grenchen, der für so viel Aufruhr und schlechte Presse schweizweit gesorgt hatte. Gekommen waren die Leute zu Hunderten, um das Schauspiel zu geniessen. 

Nach anfänglich zaghaftem Glimmen, nachdem die obligaten Zuckerstöcke abgebrannt waren, brannte zuallererst der Kopf. Dann, nach und nach, züngelten die Flammen weiter. Eine Krähe nach der anderen fand den grausigen Flammentod. Nun wurde das Holzgerippe des Fasses sichtbar und es sah zeitweise ganz danach aus, als wolle es einfach nicht so recht weiterbrennen. Die Guggenmusiken und Zunftleute hatten sich auf den obligaten Marsch rund ums Feuer gemacht, als die Flammen plötzlich nochmals heftig aufloderten, bis das Gerüst in sich zusammenfiel. Damit endet die Fasnacht in Grenchen 2019. 

Das gibt einen schönen, heissen und langen Sommer! Aber: Er beginnt zögerlich. Wetten?